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München - Der Vertrag von Mario Götze bei Borussia Dortmund läuft aus. Unter Lucien Favre ist er beim Saisonstart wieder einmal nur Reservist - und außerdem verzichtbar?

"Mario ist ein Dortmunder Junge, den haben wir nicht bei uns, um mit ihm Geld zu verdienen", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Dezember 2018 bei Sky über Mario Götze.

Watzke hatte versichert, mit dem 27-Jährigen Gespräche über eine Vertragsverlängerung zu führen, da dessen Kontrakt im Sommer 2020 ausläuft. Im März hatte sich Watzke mehr als nur optimistisch angehört: "Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass Mario nächstes Jahr bei uns spielt", hatte er bei Eurosport verraten.  

Seitdem hat sich die Situation gründlich geändert. Plötzlich ist eine Vertragsverlängerung alles andere als sicher. Im Gegenteil: Götze könnte den BVB noch in diesem Sommer verlassen. Eine turbulente Wende, die im August den ersten Vorboten schickte.

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Verantwortlichen des BVB skeptischer

Denn schon in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison hatte sich Watzke bei weitem nicht mehr so optimistisch angehört, wie zuvor. "Wir werden nach dem Trainingslager miteinander sprechen", verriet der 60-Jährige. "Dann schauen wir, ob beide Seiten miteinander zusammenarbeiten möchten."

Der Grund für den plötzlich keineswegs mehr übersprudelnden Optimismus bei den BVB-Verantwortlichen dürften schon zu diesem Zeitpunkt Zweifel an Götzes sportlicher Zukunft gewesen sein.

Dabei hatte sich der Weltmeister spätestens in der Rückrunde der vergangenen Saison wieder als Stammspieler etabliert.

Doch die Borussia hatte sich zur neuen Saison eben auch äußerst prominent verstärkt.

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"Wir haben vorne viel Konkurrenz", sagte Coach Lucien Favre jüngst, als er bei einer Presskonferenz auf die Personalie Götze angesprochen wurde. Der Schweizer führte Paco Alcácer, Thorgan Hazard, Julian Brandt und Jacob Bruun Larsen an. Allesamt Spieler, die bei Favre momentan höher in der Gunst stehen.

Alcácer, mit dem Götze in der vergangenen Saison ein Job-Sharing als Mittelstürmer betrieb, ist inzwischen deutliche fitter als im Vorjahr und im Angriffszentrum gesetzt. Genau wie Kapitän Marco Reus dahinter auf der Zehn. Götzes Lieblingspositionen sind damit belegt. Daher muss sich der deutsche WM-Held momentan so fühlen, als wäre er in einer Zeitmaschine um genau ein Jahr in die Vergangenheit gereist.

Ein Abschied von Götze als beste Lösung?

Denn auch zu Beginn der letzten Spielzeit hatte ihn Favre links liegen gelassen. In den ersten sechs Bundesligaspielen war er zu keinem einzigen Einsatz gekommen. Dass er sich noch einmal in die Stammformation kämpfen kann, ist eher unwahrscheinlich.

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Auch deswegen wurden Watzkes Aussagen am letzten Montag noch pessimistischer: "Es wird auch davon abhängen, wie viel Spielanteile er bekommt und wie sein sportlicher Stellenwert ist", sagte Watzke zu Götzes Zukunft.

Der sportliche Stellenwert ist momentan: Reservist. Götze ist also verzichtbar.

Und dann ist da noch ein anderes Problem: Geld. Genauer gesagt sein Gehalt. Götze soll vom BVB jährlich 10 Millionen Euro erhalten und nicht vorhaben, in Zukunft weniger einzustreichen. Aus Dortmunder Sicht zu viel Geld für einen Bankdrücker ohne die große Perspektive in einem breiten und qualitativ hochwertigen Kader.

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Es sind zwei Erwartungshaltungen, die aufeinanderprallen. Die Vertragsverhandlungen sind in dieser Ausgangslage schwierig geworden. Götze will spielen und ist dafür auch bereit, ins Ausland zu gehen. "Als Fußballer hast du das Privileg, in nahezu jedem Land der Welt arbeiten zu können", sagte er vor dem Saisonstart der Bild.

Wechsel bis zum 2. September?

Es könnte alles ganz schnell gehen.

Denn: Götzes Vertrag läuft im Sommer 2020 aus. Will der BVB noch eine Ablösesumme kassieren, müsste Götze jetzt wechseln. Die Transferfrist läuft am 2. September aus.

Zwar weiß SPORT1, dass die BVB-Verantwortlichen bei Götze - anders als bei Raphael Guerreiro - nicht auf eine Entscheidung drängen. Sie wollen ihm die nötige Zeit lassen, seine schwierige Situation im bestens gespickten Kader zu überdenken.

Doch wenn Götze nicht in den nächsten Tagen in eine Zeitmaschine klettert und als Stammspieler des BVB wieder hinauskommt, dann lässt die Situation nur einen Schluss zu: Ein Abschied ist noch in diesem Sommer sinnvoll. Für Borussia Dortmund und auch für den Dortmunder Jungen.

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