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Clemens Tönnies sollte zurücktreten, findet SPORT1-Redakteur Martin Hoffmann
Clemens Tönnies sollte zurücktreten, findet SPORT1-Redakteur Martin Hoffmann © SPORT1 / Getty Images
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München - Clemens Tönnies beschädigt mit seinen rassistischen Aussagen nicht nur Schalke 04. Sie müssen Konsequenzen haben. SPORT1-Kommentar von Martin Hoffmann.

Clemens Tönnies sollte zurücktreten als Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Schalke 04.

Er selbst hat eingeräumt, dass seine Worte beim Handwerkstag "falsch, unüberlegt und gedankenlos" sowie "in Inhalt und Form unangebracht" waren. Seine Aussagen ("Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren") waren mehr als das: Sie waren rassistisch, er reduzierte damit Menschen in unglaublich respektloser Weise, transportierte ein ähnlich dumpfes Weltbild wie seinerzeit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit ihrem unsäglichen "Der Schwarze schnackselt gern".

Tönnies' Worte sind auch inhaltlich obskur

Dass er das Ganze noch mit dem Klimawandel in Zusammenhang brachte, war zudem auch inhaltlich obskur - Afrika trägt trotz seines Bevölkerungsreichtums weit weniger zur Erderwärmung bei als Europa, Amerika und Asien. Das unterstreicht, wie sehr sich Tönnies von Vorurteilen hat leiten lassen.

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Tönnies bedauerte seine Wortwahl schnell, aber es ist nicht so einfach, wie Sportvorstand Jochen Schneider es ihm machen will, als er am Freitag sagte: "Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass sich ein Mensch entschuldigen kann und es danach weitergeht."

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Tatsächlich ist eine Entschuldigung - eine Befreiung von einer Schuld - etwas, was man nicht allein tun kann, man bittet darum und muss sie gewährt bekommen.

Tönnies hat mit seinen Worten viele Schalker schockiert, die sich glaubwürdig gegen Rassismus engagieren und sich nicht von jemandem vertreten lassen wollen, der so ein Weltbild offenbart. Ob er das noch reparieren kann: sehr fraglich - zumal er gleich den nächsten Fehler gemacht hat und in seiner ersten Reaktion zwar bei "Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04" um Verzeihung bat, dabei aber genau diejenigen vergaß, die er beleidigt hat.

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Nicht nur der FC Schalke 04 nimmt Schaden

Die Wirkung des Falls Tönnies geht aber über den Klub und auch den Fußball hinaus: Tönnies ist kein Politiker, aber als prominentes Gesicht des Volkssports Fußball eine Person mit besonderer Verantwortung. Was er sagt, hat eine gesellschaftliche Wirkung.

In Kommentarspalten und sozialen Medien ist vielfach zu beobachten, wie Tönnies' Worte der Ignoranz Auftrieb geben, wie sie Vorurteile befeuern, nicht nur über die Bewohner Afrikas, sondern über als fremd empfundene Menschen hier und generell - ob er das so beabsichtigt hat oder nicht.

Tönnies' Worte haben Schaden angerichtet, der nicht nur auf ihn und seinen Klub zurückfällt, sondern auch auf die Glaubwürdigkeit des ganzen deutschen Fußballs, wenn es um den Einsatz gegen Rassismus geht.

Bleiben die Worte folgenlos, vergrößert sich der Schaden, das sollten die Schalker Verantwortlichen erkennen. Und im besten Fall erkennt Tönnies das auch selbst.

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