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Auf seiner Abschieds-PK wirkt Uli Hoeneß wie befreit. Seinem Nachfolger überlässt er ein bestelltes Feld. Ein Kommentar von SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg.

Beim Frühstück mit seiner geliebten Frau Susi begann also der Rückzug von Uli Hoeneß.

Sie erinnerte ihren Mann an ihr Recht, nach so vielen Jahrzehnten nun die meiste Zeit mit ihm verbringen zu dürfen. Mit dem Menschen Hoeneß. Nicht mehr mit dem Bayern-Macher.

Das war, so Hoeneß, fortan immer wieder in seinem "Hinterkopf". Ebenso die vergangene Jahreshauptversammlung, als er "Uli-Raus"-Rufe ertragen musste. Also leitete er, fast unbemerkt, die Bayern-Zukunft ein. Eine, die ohne ihn in vorderster Front stattfinden solle.

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Sein Ziel: Wenn schon vorzeitig verabschieden, dann zum richtigen Zeitpunkt "durch das große Tor". Sich Jahre später "abschlachten" lassen zu müssen, ist sein Horror.

Der Absprung zur richtigen Zeit ist Hoeneß nun gelungen!

Hoeneß öffnet sich auf der PK

Im EM-Finale 1976 schoss er als Spieler den Ball vom Elfmeterpunkt in den Himmel von Belgrad. Die Szene verfolgt ihn bis heute. Mit seiner Entscheidung, sich vorzeitig als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurückzuziehen und mit seinem energiegeladenen Auftritt am Freitag, traf er hingegen voll ins Schwarze. Auch diese 45 Minuten bleiben.

Hoeneß hinterlässt ein Erbe, auf das er stolz sein kann. Seine Erkenntnisse: Der Verein ist wirtschaftlich und sportlich in einem "super Zustand". Sein designierter Nachfolger Herbert Hainer ist "perfekt geeignet". Hoeneß strahlte. Er wirkte befreit. Schien Ballast abzuwerfen.

In der Allianz Arena, seinem zweiten Zuhause, erläuterte ein 67-jähriger Mann seinen Abschied, der mit sich im Reinen ist. Der die Lacher auf seiner Seite hatte, weil er sich öffnete und enthusiastisch wirkte wie selten. Der über seine Schlafstörungen sprach, aber auch in den Modus "Attacke" verfiel, wenn ihm eine Frage missfiel.

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Für diese kurzen Momente war er dann wieder der Bayern-Macher. Ansonsten der Mensch Hoeneß, wie er den FC Bayern und das Fußball-Geschehen fortan verfolgen und kommentieren will: Demütig, "total gesund", lächelnd, auch mal zynisch.

Hainer wird ein leiser Nachfolger sein

Hoeneß bleibt dem Fußball-Zirkus zwar erhalten, will sich in Reihe eins aber nicht mehr mit milliardenschweren Investoren der Konkurrenz herumplagen und mit Halbsätzen für ein mediales Inferno sorgen.

Er hat in den vergangenen Monaten gemerkt, dass sein Führungsstil zwar respektiert, aber nicht mehr von jedermann geliebt wird. Er hat auch registriert, dass seine Meinung und die seines Pendants Karl-Heinz Rummenigge, vor allem in Personalfragen, zunehmend divergent war.

Wie geht es beim FC Bayern nun ohne Hoeneß weiter?

Rummenigge wird bis 2021 als Vorstandsboss und Aushängeschild der starke Mann sein. Hainer ein Präsident der leisen Worte. Die Rolle von Kahn wird sich erst noch herausstellen. 

Hoeneß bleibt trotzdem am Ball

Hoeneß' Einfluss, das steht fest, wird bleiben. Wichtige aktuelle und zukünftige Protagonisten sind ihm zu Dank verpflichtet: Kovac, Salihamidzic, Hainer, Kahn. Hoeneß hat dieses Quartett maßgeblich bestimmt. Teilweise zum Missfallen Rummenigges.

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Zwei, die sich schätzen, die befreundet sind und alles zusammen erlebt haben. Deren Miteinander zuletzt aber unterkühlter wirkte. Ebenso wie ihre Umarmung bei Rummenigges Überraschungs-Besuch samt Geschenk.

Hoeneß jedenfalls wird auch zukünftig wissen, was sich an der Säbener Straße 51 tut. Nicht zuletzt, weil er bis 2023 sein Mandat im Aufsichtsrat behält. Einer Ansammlung von einigen der mächtigsten Wirtschaftsbosse Deutschlands, gegen die er selbst, so Hoeneß, "ein kleines Licht" sei.

Beim ersten Frühstück mit Susi, als Ex-Präsident, wird er sich daran erinnern, dass er beim FC Bayern alles war, aber kein "kleines Licht".

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