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München - Niko Kovac muss Philippe Coutinho in das Bayern-System integrieren. Der Star selbst stellt aber keine Ansprüche. Aus gutem Grund bleibt er noch bescheiden.

Donnerstagmittag, 12.15 Uhr am Presse-Stüberl des FC Bayern München: Aus der Tür kommt "Weltstar" Philippe Coutinho, wie ihn Trainer Niko Kovac bezeichnet. Unscheinbar im schwarzen T-Shirt und mit einer blauen Jeans, begleitet von FCB-Mitarbeiter Johannes Mösmang.

Während zahlreiche Fans vor der Tiefgarage kauern, um dieser Tage vor allem Coutinho zu sehen, schlendert der Brasilianer fast unauffällig in freier Wildbahn nur wenige Meter entfernt von ihnen – fast ohne erkannt zu werden.

Zwei Glückspilze, die ihr Glück kaum fassen können, erkennen den neuen Stolz des Vereins aber sofort. Coutinho bleibt entspannt stehen, lächelt für Selfies, nachdem er zuvor ein paar Journalisten grüßt. Dann geht es in das nächste Gebäude, zu einem Fotoshooting.

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Das Besondere an diesen zwei Minuten: Coutinho wirkt nicht wie der unnahbare, schillernde Fußball-Held. Er wirkt normal.

"Er ist nicht der Typ, der eine Sonderstellung möchte", sagt Kovac wenig später. Zuvor ereilt den Trainer die Frage, wie er den neuen Bayern-Star den nun integrieren werde, ob er mit allen Freiheiten ausgestattet werde, ob er ebenjenen Sonderstatus bekäme. "Nein", stellt Kovac klar. Er könne ihm nach seinen ersten Eindrücken als "Weltklasse-Fußballer" bezeichnen. Jedoch sei er "sehr bescheiden und demütig". Er sei ein Spieler, der "diesen Glamour" nicht brauche, weshalb man nichts für ihn "kreieren" müsse.

Coutinho, der Weltstar, der keiner sein möchte!

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Coutinho: Von Rios Straßen zum Münchner Großverdiener

Geboren 1992 in der Millionenmetropole Rio de Janeiro fängt er, wie in Brasilien üblich, im Alter von sechs Jahren zunächst mit Futsal an. Gespielt wird in der Halle ohne Bande. Mit einem Ball, der weniger springt. Enges Feld, viel Tempo. Gefragt ist, wer Technik hat. Die Südamerikaner lieben es seit Jahrzehnten. Coutinho auch, aber mit elf Jahren beginnt er, zusätzlich Fußball zu spielen. Seine Vorbilder werden die legendären Zehner Ronaldinho und Pele, sowie Stürmer Ronaldo. Sein Held bleibt sein Vater.

Dosen und Flaschen auf der Straße ersetzen Bälle. Coutinho ist das egal. Mit 13 widmet er sich nur noch dem Fußball. Die richtige Entscheidung, wie sich zeigt, denn bei den Bayern soll er schätzungsweise 13 Millionen Euro pro Jahr verdienen – netto.

Immer an seiner Seite ist seine Familie. Seit 2007 auch seine heutige Frau Ainê (26). Seit sieben Jahren sind sie verheiratet. Die Töchter Maria (3) und Esmeralda (6 Monate) sind ihr ganzer Stolz.

Seine Familie, die er in Form zahlreicher Tattoos bei sich trägt, gibt ihm Kraft und Halt. Sie unterstützt ihn auch beim FC Barcelona, wo es für den einstigen 145-Millionen-Neuzugang vom FC Liverpool nicht ganz so läuft, wie er es sich vorstellt.

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Zuvor allerdings streikt er sich von Liverpool nach Barcelona. Eine Aktion, die ihm bis heute nachhallt. Im Schatten von Messi wirbelt er jedenfalls nicht mehr so konstant wie unter der schützenden Hand von Jürgen Klopp in Anfield. Coutinho flieht nach München, wo er nun zu alter Stärke zurückfinden will.

Vorwürfe spanischer Medien - Liebe in München

Dass er in München in nur wenigen Tagen einen Popstar-Status erlangt, liegt vor allem am ihm. Bei seinem ersten öffentlichen Training schreibt er nahezu jedem der 1500 Fans im Regen Autogramme. Vielleicht liegt es auch daran, dass er ein Mensch sei, der alle anderen Menschen respektiere, wie er den Vereins-Medien mitteilt.

Demut und Bescheidenheit allerdings, so werfen es ihm spanische Medien vor, seien auch der Grund gewesen, warum er es in Barcelona nicht schaffte, sich durchzusetzen. Die El Pais bescheinigte ihm, sowohl auf dem Platz als auch daneben, ein "Opfer seines introvertierten und melancholischen Charakters" geworden zu sein. Kurzum: Die Spanier legen ihm seine Höflichkeit zur Last. In München wird er dafür aktuell geliebt. So, wie er sich nach Gesprächen mit den Landsmännern wie Thiago und Lucio selbst in die Bayern verliebt habe, wie Coutinho erklärt.

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Ob aus Liebe nun Tore und starke Auftritte werden, zeigt sich vielleicht schon am Samstag auf Schalke (Bundesliga: FC Schalke 04 - FC Bayern, Sa. ab 18.30 Uhr im Liveticker). Kovac berief den Offensiv-Allrounder in den Kader, wird ihn wegen seines Trainingsrückstands aber wohl zunächst auf der Bank lassen. Ein Joker-Einsatz ist nicht ausgeschlossen. Am Sonntag, beim Traumspiel in Vilshofen (ab 15.55 Uhr LIVE bei SPORT1 im TV und Stream), könnte er als Statist mit dabei sein. Ob er spielen wird, entscheidet sich erst am Samstag.

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Die Hauptrolle wäre ihm dann wohl beim nächsten Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 sicher. Kovac, der fortan die Aufgabe bewältigen muss, Coutinho in das Bayern-System zu integrieren, wird wohl auch dann noch keine Star-Allüren seines "Weltstars" erwarten müssen. Genau das, so der Trainer, mache ihn so "außerordentlich sympathisch".

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