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München - Uli Hoeneß macht Schluss als Präsident des FC Bayern - und erklärt sich. SPORT1 fasst die wichtigsten Botschaften seiner Pressekonferenz zusammen.

Lange hat Uli Hoeneß geschwiegen – nun hat er umso ausführlicher erklärt, warum er den großen Schnitt macht.

In einer 45-minütigen Pressekonferenz am Freitagmittag in der Allianz Arena begründete Hoeneß, warum er den Zeitpunkt gekommen sieht, sein Lebenswerk FC Bayern München in neue Hände zu geben und als Präsident ebenso abzutreten wie als Aufsichtsratsvorsitzender.

SPORT1 fasst die Kernbotschaften der PK zusammen, die einige wichtige Einblicke in die Zukunft des Rekordmeisters unter Herbert Hainer und Oliver Kahn enthielt – und welche Rolle Hoeneß dort immer noch spielen wird.

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"Ich wollte den FC Bayern in einem Super-Zustand übergeben. Das ist gelungen"

Gleich in seinem Eingangs-Statement legte Hoeneß breit dar, dass bei Bayern aus seiner Sicht alles stimmt: Die Finanzen ("Geschäftszahlen sind so gut wie nie zuvor"), das Sportliche ("haben das Double geholt"), das Personelle.

"Der FC Bayern ruht in sich und macht Spaß", findet Hoeneß und sieht auch die menschliche Atmosphäre in den Gremiensitzungen über seine Zukunft als Beleg an: "Wir haben gegessen und getrunken, haben eine Zigarre geraucht. Der Verein ist in einem Top-Zustand."

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Die menschliche Atmosphäre war auch entscheidend, dass Hoeneß sich einen weiteren großen Wunsch erfüllen konnte.

"Es gibt so viele Politiker und Wirtschaftsführer, die ganz groß waren und dann abgeschlachtet wurden", erinnerte er sich, er dagegen "wollte durchs offene Tor gehen, durchs große Tor gehen und wollte das selbst entscheiden, sagte der Präsident: "Und das ist mir aus meiner Sicht großartig gelungen."

"Mit Herbert Hainer und Oliver Kahn sind wir gut aufgestellt"

Den früheren Wirtschaftskapitän Hainer, seinen designierten Nachfolger als Präsident und Aufsichtsratsboss, sieht Hoeneß als "perfekt geschaffen" für beide Aufgaben: "Wer Adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen."

Als perfekt passend für seinen kommenden Job sieht Hoeneß mittlerweile auch Oliver Kahn, der Karl-Heinz Rummenigge ab Ende 2021 als Vorstandschef beerben wird. Er bringe das zwingend nötige Prestige als ehemaliger Spitzenfußballer mit, sei "sehr reflektiert" und inzwischen auch mit der nötigen Wirtschaftskompetenz ausgestattet.

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Zudem bringt er eine weitere enorm wichtige Eigenschaft mit, die laut Hoeneß ein Klubchef benötige: Praxiserfahrung auf höchstem Niveau. "Es ist ganz wichtig, wenn du mit einem Franck Ribéry, einem Joshua Kimmich, Robert Lewandowski oder Leroy Sané diskutierst, wenn sie dir abnehmen, wie man einen Ball stoppt".

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"Es gab immer Diskussionen mit Karl-Heinz, aber das gehört dazu"

Auf die erste Reporter-Nachfrage widersprach Hoeneß der Darstellung von Verwaltungsbeirats-Boss Edmund Stoiber, dass Differenzen mit Karl-Heinz Rummenigge zu seinem Abschieds-Entschluss beigetragen hätten.

Hoeneß räumte zwar ein, dass es die immer wieder gegeben hätte – auch bei der letzten, dann zu Gunsten von Niko Kovac ausgefallenen Trainer-Entscheidung. Aber er bestand darauf, dass es nur Meinungsverschiedenheiten "in der Sache" gegeben hätte, und eine gute "Streitkultur", auch dann, wenn es mal laut geworden sei.

Auch der am Ende der PK als Überraschungsgast aufgetretene Rummenigge betonte in auffälliger Weise, dass er und Hoeneß gewiss Meinungsverschiedenheiten gehabt hätten, aber nur produktive.

"Wenn's gut ist, war's der Karl-Heinz oder ich. Wenn's schlecht ist, war's der Hasan"

Was Hoeneß bei dem Termin auch wichtig war: eine Lanze für den oft mit Häme überschütteten Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu brechen.

Hoeneß stellte klar: Die Innenwahrnehmung von Salihamidzic‘ Arbeit, insbesondere in Sachen Transfers, sei völlig anders als die Außenwahrnehmung, stellte ihm gar eine Beförderung zum Sportvorstand in Aussicht. Darüber werde der Aufsichtsrat entscheiden.

"Meine Tür steht immer offen. Aber ich werde mich auf keinen Fall aufdrängen"

Wird Uli Hoeneß zur grauen Eminenz, die seinen Nachfolgern vom Tegernsee aus ins Handwerk pfuscht? Gegen diese Vorstellung arbeitete Hoeneß bei der PK sehr aktiv an.

Nur wenn er "gefragt" werde, werde er sich intern weiter einbringen. Auch was sein künftiges Verhältnis zu den Spielern angeht, setzte Hoeneß klare Grenzen: "Wenn einer einen Rat will, wird ein gemeinsames Essen weiter möglich sein - mit mir als Person, nicht als Funktionsträger."

"Ich weiß mittlerweile, was für Leute hinter der Kampagne standen"

Hoeneß bestätigte zu Beginn der PK, dass die turbulente und von kritischen Tönen bestimmte Jahreshauptversammlung 2018 den Anstoß gab, über seine Zukunft beim FC Bayern nachzudenken – wobei er Wert auf die Feststellung legte, letztendlich sei sie "nicht ausschlaggebend" gewesen.

Aufhorchen ließ dann seine vielsagende Einordnung der vielbeachteten Rede des Klubmitglieds Johannes Bachmayr: "Ich habe unmittelbar nach der JHV den Gedanken gehabt, Herrn Bachmayr anzurufen. Ich habe es gelassen und bin froh darüber. Mittlerweile weiß ich, was für Leute hinter dieser Kampagne standen." Mit anderen Worten: Er spricht Bachmayrs Kritik die Legitimität bis heute ab.

Auch beim Verlassen der Allianz Arena betonte er noch einmal, dass er wisse, "wer dahinter stecke". Verraten will er es aber nicht.

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"Ich werde ab 16. November erstmals in meinem Leben ohne Plan sein"

Auch auf mehrfache Nachfrage bestand Hoeneß darauf, dass völlig offen sei, wie er seine persönliche Zukunft nach dem Abtritt gestalten werde. Er sei "gesund" und könne nun erstmals völlig frei über seine Zeit verfügen. Das sei "spannend".

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