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Kitzbühel - Schalkes Torhüter Alexander Nübel ist in aller Munde. Zu Recht, wie Toni Schumacher findet. Dennoch käme ein Wechsel zum FC Bayern für ihn zu früh.

Enttäuschung ja, schlechte Laune nein. Toni Schumacher wird noch bis zum 9. September als Vizepräsident des 1. FC Köln tätig sein.

Nach den letzten Saisonspielen der vergangenen Spielzeit war Schumacher vom Mitgliederrat darüber informiert worden, dass er und sein aktueller Mit-Vize-Boss Markus Ritterbach nicht mehr zur Neuwahl vorgeschlagen werden.

Doch die Torwartlegende, die zwischen 1972 und 1987 für die Geißböcke 422 Bundesligaspiele absolvierte, will sich nicht nachsagen lassen, er hätte nicht bis zum letzten Tag alles für seinen FC gegeben.

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"Mir geht es sehr gut", sagt Schumacher im Gespräch mit SPORT1. "Bis zum 9. September erfülle ich meine Aufgabe als Vize-Präsident. Für mich ist das ein Herzens-Job, den ich professionell durchziehe. Ich war ja schließlich ein Leben lang Profi."

Schumacher sorgt sich um Deutsche Torhüter

Der 65-Jährige ließ es sich folglich auch nicht nehmen, im Trainingslager in Kitzbühel vorbeizuschauen. "Zu sehen, wie die Truppe zu einem Team zusammenwächst und auch die Moral steigt - das tut gut."

Bei einem anderen Thema runzelt Schumacher, von 1979 bis 1986 Nationaltorwart und als solcher 1980 Europameister, dagegen die Stirn. Die die aktuelle Torhüter-Situation in der Bundesliga bereitet ihm Bauchschmerzen.

"Man kann heute leider nicht mehr sagen, dass Deutschland das Torhüter-Land schlechthin ist. Knapp die Hälfte der Torhüter in der Bundesliga kommt nicht aus Deutschland. Das war früher undenkbar", merkt Schumacher an.

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"Wir hatten selbst die großen Torhüter: Sepp Maier, Oliver Kahn, Jens Lehmann und wie sie alle heißen ... Das hat damals dazu geführt, dass sich die kleinen Jungs auch die Torhüter als Vorbilder ausgesucht haben und dann wieder Torhüter werden wollten."

Diese Situation sei mittlerweile nicht mehr gegeben. "Wir müssen aufpassen, dass uns dieser Nimbus als Torhüter-Land nicht verloren geht."

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Toni Schumacher im Trainingslager des 1. FC Köln in Kitzbühel
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Toni Schumacher im Trainingslager des 1. FC Köln in Kitzbühel © SPORT1

Neuer oder ter Stegen?

In der vergangenen Saison gab es erstmals auch Diskussionen um den Nimbus von Nationaltorwart Manuel Neuer. Der Keeper des FC Bayern hatte nicht den besten Stand, nicht wenige forderten einen Wechsel im DFB-Tor hin zu Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona.

"Für mich ist Manuel Neuer immer noch ein absoluter Weltklasse-Torwart", macht Schumacher deutlich, schränkt aber auch ein: "Es gibt aber auch andere Keeper, die hinter ihm kommen: Marc-André ter Stegen steht Manuel in nichts nach, nur sehen wir ter Stegen nicht jede Woche, weil er in Spanien spielt."

Und weiter: "Ihm würde es gut tun, wenn wir ihn jede Woche in der Bundesliga sehen könnten. Da hätte man dann den direkten Vergleich mit Neuer."

Nübel "zur Recht in aller Munde"

Dem Vergleich sieht sich bereits Alexander Nübel - wie einst Neuer in jungen Jahren schon die Nummer eins beim FC Schalke 04 - ausgesetzt. Wie SPORT1 weiß, steht der 22 Jahre Torhüter nicht nur bei Bayern, sondern auch bei Borussia Dortmund und RB Leipzig auf dem Zettel. Auch internationale Topklubs sind auf ihn aufmerksam geworden.

Auch Schumacher hält große Stücke auf ihn. "Nübel ist ein großes und richtig gutes Talent. Er ist zu Recht in aller Munde. Leider haben sie ihm bei Schalke ein zweites großes Talent in den Rücken gesetzt: Markus Schubert."

Ein Wechsel, den Kölns scheidender Vize nicht nachvollziehen kann. Aus Schalker Sicht könne Schumacher den Transfer verstehen, aus Sicht von Schubert, der von Dynamo Dresden zu den Königsblauen kam, dagegen nicht. "Als Torhüter reicht es nicht, immer nur regelmäßig zu trainieren. Ich hätte mich nirgendwo hinter einen anderen Keeper gesetzt. Ich wollte immer spielen, da ging es nicht ums Geld. Ich glaube, das hat sich ein bisschen geändert, das ist sehr schade."

Schubert müsse aufpassen, "dass die Zeit nicht an ihm vorbeigeht. Sonst bereut er es irgendwann. Nübel ist klar die Nummer 1 auf Schalke."

Nübel der neue Neuer?

Ob Nübel aber das Zeug hat, bei den Bayern in die Fußstapfen Manuel Neuers zu treten, werde vor allem "die Konstanz in seinen Leistungen zeigen", glaubt Schumacher.

"Wir haben viele gute Torhüter, die an einem Wochenende mal Weltklasse halten, aber dann auch mal Tore kassieren, bei denen man sich fragt, wie so ein Ding möglich ist."

Noch käme ein Wechsel nach München für Schumacher zu früh. "Ich würde ihm raten, noch auf Schalke zu bleiben. Für den Jungen ist es gut, dass er regelmäßig spielt und mehr und mehr Verantwortung bekommt."

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