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München - Marcel Reif analysiert in seiner SPORT1-Kolumne das Topduell zwischen Bayern und Leipzig - sowie die Situation beim BVB. Über Coach Favre spricht er Klartext.

Hallo Fußball-Freunde,

das Topduell zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern sorgt bei mir noch für einigen Nachhall. Die Bayern haben vergessen, die Tore zu machen - und dann hat Leipzig angefangen, den Fußball zu spielen, den sie können. Das war in der zweiten Halbzeit ein richtig gutes Spiel, ein Topspiel, wie ich es lange nicht gesehen habe.

Überraschend ist für mich, wie schnell Leipzig als neuen Trainer Julian Nagelsmann annimmt und akzeptiert. RB ist schon zwei Schräubchen weiter als mit Ralf Rangnick. Die Bayern dagegen befinden sich im Umbruch und sind noch nicht so weit, gegen so eine starke Mannschaft den Sack zuzumachen.

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Bei Bayern sehe ich auch ein Positionsdilemma: Joshua Kimmich und Thiago zusammen im Mittelfeld, das ist mir spielerisch zu gut. Javi Martinez wäre die Lösung, aber der ist verletzungsanfällig und wird ja nicht jünger. Mit ihm allerdings wäre dann immer einer da, der wortlos wegputzt - gerade gegen starke Gegner, die dann ab Februar kommen werden.

Zu Manuel Neuers Reaktion auf den sich beklagenden Marc-Andre ter Stegen mag ich nur so viel sagen: Ich finde nicht, dass er ter Stegen abgewatscht hat. Neuer hat seine Meinung als Kapitän kundgetan, und ter Stegen hat eben das Pech, mit Neuer  einen solchen Ausnahme-Torhüter vor sich zu haben.

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Die immer wieder hochkommende Kritik an Lucien Favre bei Borussia Dortmund würde ich nicht zu hoch hängen: Favre hat sich nicht verändert und wird sich nicht mehr ändern. Er ist ein Fußballlehrer. Mag sein, dass du von Favre nicht die großen Motivationsdemonstrationen bekommst - dann musst du das eben anders abfangen. Vielleicht war er letzte Saison etwas sehr zurückgenommen, aber damit war er nicht allein.

Gegen Leverkusen war es jetzt goldrichtig, Thomas Delaney gegen Kai Havertz zu stellen. Und der Einsatz von einem Spieler wie Achraf Hakimi ist schon auch eine Frage des Mutes - Favre wird sonst ja immer vorgeworfen, nicht mutig zu sein. Der BVB hat Bayer am Ende auseinandergenommen – wegen Favre, das hatte dann schon auch ein bisschen mit dem Trainer zu tun.

Und auch mit Mats Hummels: Manuel Akanji kann ein bemerkenswerter Innenverteidiger werden, er bringt alles mit. Aber er ist in vielem auch noch ein Kind. Da tut es gut, wenn ein Herbergsvater wie Hummels danebensteht. Hummels könnte für den BVB das Puzzleteil im Titelkampf werden.

Ein Lob möchte ich Eintracht Frankfurt um Sportvorstand Fredi Bobic aussprechen: Jetzt wissen sie in Frankfurt, wohin es gehen kann und wie man dahin kommen kann - in den vergangenen Jahren hat man das unheimlich gut hinbekommen. In Sachen Integration der Spieler und Kaderzusammenstellung können sich viele in der Liga von der SGE eine Scheibe abschneiden.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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