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München - Bixente Lizarazu freut sich über die vielen Franzosen beim FC Bayern und schwärmt. Im Gespräch mit SPORT1 spricht er über Pavard, Rummenigge-Nachfolger Kahn und Hoeneß.

Man spricht Französisch beim FC Bayern: Mit Lucas Hernández, Benjamin Pavard, Kingsley Coman und Corentin Tolisso hat der Rekordmeister aktuell gleich vier Franzosen im Kader - so viele, wie noch nie!

Bixente Lizarazu, einer ihrer berühmtesten und erfolgreichsten Vorgänger, ist stolz auf seine Nachfolger.

SPORT1 traf "Liza" bei der Einkleidung der Bayern-Legenden für die Wiesn und sprach mit ihm über seine Nachfolger, die Kritik an Pavard, die Rückkehr von Oliver Kahn zum FC Bayern und den Wirbel um Uli Hoeneß und seine Aussagen zum Keeper-Duell Manuel Neuer vs. Marc-André ter Stegen.

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Frage: Herr Lizarazu, wie fühlt es sich an, zur Wiesn wieder in Lederhosen zu sein?

Bixente Lizerazu: Ich fühle mich sehr gut in der Tracht, ich verbinde schöne Erinnerungen damit. Im ersten Bayern-Jahr war es eine Überraschung, weil ich das noch nie bei einem anderen Verein gesehen habe. Meine zweite Wiesn im nächsten Jahr konnte ich damals kaum erwarten. Es war schön, die Fans zu treffen und zusammen mit seinen Freunden zu sein. Vor allem mit Giovane Elber hatte ich einige lustige Momente. Gerade der Moment, wenn man die anderen zum ersten Mal in Janker und Lederhosen gesehen hat, war sehr schön. Ich freue mich, zurück zu sein und wieder auf die Wiesn zu gehen.

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Franzosen und FC Bayern: "Eine Erfolgsgeschichte"

Frage: Das aktuelle Bayern-Team ist gespickt mit Franzosen. Wie sehr freut Sie das?

Lizarazu: Ich bin stolz darauf, dass im Moment so viele Franzosen beim FC Bayern spielen. Mein Wechsel zu Bayern war für mich als Franzose wie die erste Mondlandung. Jean-Pierre Papin hatte damals zwar schon für Bayern gespielt, allerdings nur für ein Jahr. Ich war der erste Franzose, der sehr lange bei Bayern spielte. Achteinhalb Jahre. Danach kam Willy Sagnol, er hatte Erfolg. Franck Ribéry hatte auch große Erfolge. Und jetzt sind Kingsley Coman, Lucas Hernández, Corentin Tolisso und Benjamin Pavard hier. Es ist eine echte Erfolgsgeschichte mit den französischen Spielern und dem FC Bayern.

Frage: Sie haben bei Pavards Wechsel gesagt, er müsse für Bayern zwei Schritte nach vorne machen. Sind Sie von seiner Leistung bisher positiv überrascht?

Lizarazu: Es war keine Kritik, es war eine Analyse der damals aktuellen Situation. Er hat bei der WM 2018 sehr gut gespielt und ist dann in einer schwierigen Saison mit dem VfB Stuttgart abgestiegen. Was ich damals gesagt habe, war: Um bei Bayern zu spielen, muss er wieder seine WM-Form erreichen. Er hat zweifellos das Talent und die Qualität für die Bayern. Die Aussagen hatten nichts mit seinem Potenzial zu tun. Ich schätze Pavard sehr, er ist ein intelligenter Spieler, der Rechts- und Innenverteidiger spielen kann. Bei Bayern wird er viel lernen und hoffentlich erfolgreich sein. Wenn du bei einem Absteiger gespielt hast, und dann zu Bayern wechselst, ist es nie einfach.

Lizarazu: Pavard "hat großes Potenzial"

Frage: Uli Hoeneß hat bei SPORT1 geschwärmt, dass Benjamin Pavard einer der wichtigsten Transfers werden könnte. Stimmen Sie ihm zu?

Lizarazu: Ich glaube schon, dass Pavard erfolgreich sein kann, aber man kann die Zukunft von Spielern nie voraussagen. Er muss sich an den Klub anpassen, er muss seine Position finden, er darf sich nicht verletzen. Er hat großes Potenzial, jetzt liegt es an ihm. Als Spieler von Bayern muss man viel laufen, alle vier Tage ein Spiel gewinnen. Was sicher ist: Bei Bayern hat er eine große Möglichkeit hat, sich zu verbessern.

Frage: Lucas Hernández hat erzählt, dass sie in der Defensive Französisch reden. Wie war das zu Ihrer Zeit?

Lizarazu: Als ich bei Bayern gespielt habe, habe ich auch nur Französisch und Englisch gesprochen. Aber um die Wahrheit zu sagen: Bei Bayern gab es Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Im Fußball genügen ein paar Worte, die muss man verstehen.

Lizarazu traut Kahn Rummenigge-Nachfolge zu

Frage: Haben Sie Tipps für ihre französischen Nachfolger? Was ist wichtig, um mit dem FC Bayern erfolgreich zu sein?

Lizarazu: Bei Bayern habe ich gelernt, dass es keine Option ist, Zweiter zu werden. Platz zwei ist nicht akzeptabel. Das bedeutet, wenn man ein Spiel verliert, muss man noch stärker zurückkommen. In jedem Training muss man sein Bestes geben, das kostet viel Energie. Als Team muss man gemeinsam eine Kämpfer-Mentalität entwickeln. Das musste jede Bayern-Mannschaft. Meine Generation mit Effe, Kahn, Scholl, Elber und Jeremies - alles fantastische Einzelspieler - hat einen Weg gefunden, als Team zusammen zu kämpfen. Und wir hatten Erfolg. Genau das muss die neue Generation auch verstehen, sie müssen den FC Bayern verstehen lernen. Wenn man zurück in die Geschichte schaut, sieht man wie groß der FC Bayern ist. Sie haben jetzt das Potenzial, diese Geschichte weiter zu schreiben.

Frage:: Uli Hoeneß hat schon zu Ihrer Zeit für seine Spieler gekämpft, jetzt mit seinen Aussagen zum Duell Neuer vs. ter Stegen für Wirbel gesorgt. Stimmen Sie seiner Meinung zu?

Lizarazu: Ich muss mich nicht zur Torhüter-Situation der deutschen Nationalmannschaft äußern, das ist Sache des Bundestrainers. Beide sind fantastische Keeper. Klar ist es Ulis Selbstverständnis, sich vor seine Spieler zu stellen. Das ist sein Job.

Frage: Ihr alter Freund Oliver Kahn wird in einer Führungsposition zum FC Bayern zurückkehren. Trauen Sie ihm zu, in die Fußstapfen von Karl-Heinz Rummenigge zu treten?

Lizarazu: Ja, ich traue ihm zu, die Nachfolge von Rummenigge anzutreten. Als Torwart habe ich ihm blind vertraut. Er hat so viel Sicherheit ausgestrahlt. Er ist ein cleverer Typ. Ich bin überzeugt davon, dass er seine Mentalität und Energie auf den FC Bayern übertragen kann. Es ist eine gute Idee und ich freue mich für ihn. Es ist keine einfache Situation für den Verein. Männer wie Uli und Karl-Heinz werden älter und sie müssen den Übergang vorbereiten. Franz, Uli und Karl-Heinz sind sehr wichtig für den Verein. Ich glaube fest, dass Oliver einen positiven Effekt auf die Bayern hat.

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