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München - Geplant und scharf wie seit langem nicht mehr verteidigen die Bayern-Bosse Manuel Neuer - und kritisieren Marc-André ter Stegen und den DFB. SPORT1 nennt die Gründe.

Die "Abteilung Attacke" des FC Bayern hielt sich in den vergangenen Monaten zurück. Am Mittwochabend jedoch schlug sie zurück. Geplant und koordiniert. Mit aller Macht.

Verteidigt wurde Manuel Neuer und dessen Status als Nummer 1 - in der deutschen Nationalmannschaft. In München ist er es sowieso.

Erst wies Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Sky-Mikro die DFB-Verantwortlichen zurecht ("Ich wünsche mir, dass sie da klarer sind"). Bei SPORT1 legte Noch-Präsident Uli Hoeneß vor allem gegen Marc-André ter Stegen nach ("Er hat überhaupt keinen Anspruch"). Sportdirektor Hasan Salihamidzic ("Manuel verdient, dass wir und der DFB hinter ihm stehen") und Trainer Niko Kovac ("Er ist die Nummer 1 Deutschlands") pflichteten ihren Bossen bei.

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Sorge um Imageschaden und Leistungseinbruch

Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Vor allem Hoeneß, der im November vom Amt des Präsidenten zurücktreten wird, teilte heftig aus. Mit hochrotem Kopf nahm der 67-Jährige seinen Kapitän in Schutz. Was mit aller Macht verhindert werden soll, ist ein weiterer Imageschaden für den Verein - ausgetragen auf dem Rücken eines seiner Spieler, schlimmstenfalls einhergehend mit einem Leistungseinbruch.

Solch ein Imageschaden übrigens, den Bundestrainer Joachim Löw dem Rekordmeister mit seinem Blitzbesuch in München und seiner Rasur von Thomas Müller, Jérôme Boateng und dem heutigen Dortmund Mats Hummels im März zufügte.

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Dass Löw drei Bayern-Stars auf einen Schlag aus der Nationalmannschaft strich, sorgte an der Säbener Straße für Verärgerung - und weltweit für Verwunderung.

"Wir kriegen ständig Theater", wütete Hoeneß am späten Mittwochabend in Richtung des DFB und erinnerte ausdrücklich an die "unmögliche Ausbootung" der drei Genannten. Die Bayern sahen sich damals wie heute als Bauernopfer des auch seitens der Öffentlichkeit geforderten Umbruchs nach dem WM-Debakel. Dass Löw nun im Zwist um die Nummer 1 im DFB-Tor einknicken könnte, soll mit aller Macht verhindert werden.

Bislang hatte Neuer Löws Rückendeckung

Auch die Bayern wissen, dass Löw im Grunde genommen pro Neuer eingestellt ist. Er machte ihn trotz monatelanger Verletzungspause zur Nummer 1 bei der WM. Ter Stegen musste überraschend auf die Bank.

Bereits im Dezember 2018 erklärte Löw, dass Neuer bis zur EM 2020 die Nummer 1 sein werde, "wenn nichts Außergewöhnliches" passiere. Für den 27-jährigen ter Stegen ein Nackenschlag. Löw verzichtete zuletzt auch gegen Nordirland darauf, ter Stegen Spielpraxis zu gewähren, weil er mit Neuer im so wichtigen Qualifikationsspiel für Sicherheit sorgen wollte. Überhaupt kommt ter Stegen 2019 erst auf 45 Testspielminuten gegen Serbien (1:1).

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Auch deshalb entlud er vor wenigen Tagen seinen Frust. Nicht direkt mit Blick auf Neuer, sondern vielmehr gegen Löw, da sich die Nummer 1 des FC Barcelona einmal mehr seiner zugesagten Chance beraubt sah, sich empfehlen zu können.

Ein zweites Kahn/Lehmann soll verhindert werden

Unvergessen ist aus Sicht des FC Bayern auch, wie mit Oliver Kahn 2006 schon einmal ein Kapitän und unangefochtene Nummer 1 des FC Bayern kurz vor einem wichtigen Turnier vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann rasiert wurde. Löw war damals Klinsmanns Assistent. Jens Lehmann wurde überraschend die Nummer 1. Wie ter Stegen übte auch Lehmann damals öffentlichen Druck aus. Bei Sky bestätigte Lehmann am Sonntag, dies bewusst getan zu haben, um sein Ziel zu erreichen - mit Erfolg.

Auch ter Stegen wird sich bewusst gewesen sein, was seine geäußerten Gedanken zur jüngsten Länderspiel-Reise ("ein schwerer Schlag") medial bewirken würden. Womit er vielleicht nicht gerechnet hat, war Neuers Gegenschlag in Leipzig ("nicht hilfreich"). Ter Stegen reagierte somit erneut ("Manu muss nichts zu meinen Gefühlen sagen"). Neuer wollte sich am Dienstag dann nicht mehr äußern. Dafür sprachen andere.

Woher nimmt ter Stegen sein Selbstverständnis?

Was ihn stärkt, ist ein großer internationaler Zuspruch. Ter Stegen könnte am 23. September als einer von drei Torhütern zum Besten der Welt ernannt werden. Er ist Stammspieler bei einem Weltverein. Bei Löw allerdings konnte er sich noch nicht durchsetzen.

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Was die Bayern-Bosse nun provoziert, ist die aus ihrer Sicht ausbleibende öffentliche Klarstellung über die Machtverhältnisse im deutschen Tor seitens Löw und Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie - und deren mangelnde Rückendeckung. "Da wird nie so richtig Klartext gesprochen. In der Öffentlichkeit lässt man das wabern", klagte Rummenigge. "Wir lassen uns nicht gefallen, dass unsere Spieler geschädigt werden", polterte Hoeneß.

Salihamidzic persönlich suchte daher am Mittwoch das Gespräch mit Bierhoff und schilderte ihm, auch stellvertretend für seine Chefs, die Position der Bayern. "Ich glaube, er (Bierhoff, Anm. d. Red.) wird in den nächsten Tagen reagieren", verkündete der Sportdirektor geheimnisvoll. Hoeneß kündigte an, den DFB-Verantwortlichen zukünftig "etwas Feuer geben" zu wollen, "das können wir".

Volle Bayern-Unterstützung für Neuer!

Hoeneß, Rummenigge, Salihamidzic und Kovac verkörperten mit ihrer Neuer-Verteidigung auch die fast sagenumwobene Mia-san-Mia-Mentalität. Es war auch das Zeichen an die anderen Bayern-Stars: Werdet ihr angegriffen, verteidigen wir euch!

Der 33-jährige Neuer nahm dies zur Kenntnis, bedankte sich für die Unterstützung, aber ließ erkennen, dass er die Diskussion gerne beenden würde. Am Mittwochabend war er ob der Reaktion seiner Bosse jedoch noch mal gefordert, Stellung zu beziehen. Seine Botschaft: "Ich will keine großartige Debatte führen. Wir sind eine Mannschaft, wir sind Teamplayer. Wir haben vier sehr gute Torhüter und wir tun alles für die Nationalmannschaft."

Neuer will Taten folgen lassen, untermauert daher seit Wochen, was er unlängst selbst bestätigte: "Immer noch in Topform" zu sein. Auch ein Grund, warum der deutsche Rekordmeister den bis 2021 laufenden Vertrag mit Neuer langfristig verlängern will.

Schlusswort Hoeneß: "Der kann solange spielen, wie er gesund ist. Er wird immer der Beste sein."

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