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München - In seiner Kolumne "Auf den Punkt" spricht SPORT1-Experte Stefan Effenberg unter anderem über die Rangordnung im deutschen Tor und die Rückkehr von Hummels ins DFB-Team.

Liebe Fußball-Freunde,

zur Torwartsituation in Deutschland: Marc-André ter Stegen hat nicht erst seit gestern den Anspruch, die Nummer 1 zu werden. Aber wenn beide sich auf diesem Niveau bewegen, sehe ich auch aufgrund der Erfahrung die Vorteile bei Neuer.

Ich glaube, die Situation ist klar: Manuel Neuer ist die Nummer 1, wenn er sein Niveau hält und er seine Leistung bringt. Aber ter Stegen ist nicht weit weg, er ist absolut auf Augenhöhe. Von daher muss er einfach weiter auf seine Chance warten. Denn wenn es keine Verletzungen gibt, ist für mich Manuel Neuer gesetzt.

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"Löw muss jetzt ein klares Statement abgeben."

Dass sich die Bayern-Verantwortlichen jetzt einmischen, ist ganz normal und finde ich auch legitim: Sie verteidigen ihren Torwart. Das schlägt logischerweise hohe Wellen.

Und da geht es jetzt in erster Linie um eine Person und das ist Jogi Löw: Dass er ein klares Statement abgibt. Denn wenn er das tut, dann ist auch wieder Ruhe. Und wenn er es nicht tut, ist doch klar, dass weiter diskutiert wird. Was natürlich nicht gut ist. Denn man sollte das nicht auf dem Rücken der Torhüter austragen.

"Sportlich wäre es unfair, Hummels in der Form nicht ins DFB-Team zurückzuholen."

Ich habe ja schon den Wechsel von Mats Hummels nach Dortmund gefeiert. Das hat Dortmund definitiv stärker und stabiler gemacht. Das war das Puzzleteil, das noch gefehlt hat, für vielleicht eine ganz große Saison. Hummels zeigt immer wieder auf Topniveau, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist.

Wenn es wirklich nur nach Leistung geht, müsste Hummels beim DFB dabei sein, da gibt es keine zwei Meinungen.

Und manchmal kann man auch Entscheidungen revidieren und sagen, da habe ich mich zu früh oder falsch entschieden. Das ist nicht verkehrt, ich finde das eher menschlich. Und wenn Hummels weiter auf dem Niveau spielt, bin ich mir ziemlich sicher, dass kein Weg an ihm vorbeiführt. Dann muss er wieder zurückgeholt werden.

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"Nur einer wird spielen, Coutinho und Müller teilen sich den Job."

Coutinho zeigt schon in Ansätzen, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist. Wenn er an seine Leistungsgrenze kommt, wird er den Bayern helfen, überhaupt keine Frage. Er ist die Schaltzentrale, der die Offensivspieler mit seinen außergewöhnlichen Pässen einsetzen muss. Daran wird er gemessen.

Aber Kovac muss sich noch nicht festlegen. Es ist immer gut, Alternativen zu haben und hier und da am System zu schrauben. Zwischen Müller und Coutinho ist eine gesunde Rivalität.

Sie wissen natürlich: Wenn der eine spielt, wird der andere wahrscheinlich nicht spielen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie beide spielen – und die drei Offensiven dazu.

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Kovac ist in der guten Situation, mit Coutinho einen Spieler zu haben, der sich hinter Lewandowski sauwohl fühlt – und mit Müller einen Instinktfußballer, der Laufwege hat, die man nicht so wirklich versteht, aber immer erfolgreich sind. Diese zwei Möglichkeiten zu haben – etwas Besseres gibt es für einen Trainer nicht. Unterm Strich muss er immer entscheiden: Wer hilft mir im jeweiligen Spiel, gegen diesen speziellen Gegner weiter.

"Kovac muss sich nicht festlegen. Kimmich hilft den Bayern überall."

Kimmich hilft den Bayern auf der rechten Außenbahn, er hat unheimlich viele Vorlagen gegeben. Aber er hilft auch im Mittelfeld. Er ist unglaublich passsicher. Hat auch einen guten Rhythmus im Spiel, wenn er zentral spielt.

Aber da hat Kovac eben viele Alternativen. Thiago ist wahrscheinlich gesetzt. Martinez und Tolisso sind robustere Spieler, die eher gefragt sind als Kimmich, wenn du das Mittelfeld im Zentrum dicht haben willst.

Für einen Trainer ist es schön, wenn du einen Spieler hast, der flexibel ist. Ich war früher auch mal in der Situation, dass ich in der Nationalmannschaft nach rechts geschoben wurde, und ich habe mich da nie wohlgefühlt. Deswegen bewundere ich Kimmich, wie er diese Wechsel annimmt.

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Und ich glaube, für ihn ist einfach nur wichtig, dass er spielt. Er beschwert sich auch nie. Das spricht für ihn und seinen Charakter - und ich glaube, das ist viel, viel wertvoller als die Frage nach der Position.

Bis zum nächsten Mal

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 50-Jährige mit Marcel Reif und Reinhold Beckmann das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.

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