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Frankfurt am Main - Bas Dost wechselte im Sommer zu Eintracht Frankfurt. Im exklusiven SPORT1-Interview spricht der Neuzugang über seine Ziele in der Bundesliga und einen Vorfall in Lissabon.

Bas Dost ist zurück in der Bundesliga und gleich wieder mittendrin. Für Eintracht Frankfurt hat der Stürmer bereits zwei Saisontore auf dem Konto.

Im SPORT1-Interview spricht der Neuzugang darüber, wie Fredi Bobic ihn nach Frankfurt lockte, über seine Zeit in Lissabon, warum die Bundesliga die "geilste Liga" ist und wie er mit der Eintracht die Champions League erreichen will.

SPORT1: Herr Dost, es gibt kultige Songs über Sie, Filmtitel, die nach Ihnen umbenannt werden. Wie geht es Ihnen selbst bei dem ganzen Kult um Ihre Person?

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Bas Dost: So etwas ist doch lustig. Ich habe das nicht selbst gemacht, sondern das kommt von den Fans. Das macht Spaß. Ich lach' mich immer tot mit meinen Freunden.

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Bobic hat "einen sehr guten Job gemacht"

SPORT1: Jetzt sind Sie in Frankfurt. Sie hatten von Anfang an gesagt, Sie wollen unbedingt zur Eintracht. Was hat für Sie den Reiz dieses Klubs ausgemacht?

Dost: Ich habe mit Fredi Bobic gesprochen, er hat mich angerufen und er mir gesagt, dass sie mich haben wollen. Dann überlegst du dir das. Das Gespräch war einfach so gut, dass ich ein Gefühl hatte, das könnte was werden. Eigentlich war es mir schon ab dem ersten Moment klar. Wenn du mit jemandem telefonierst und der kann dir genau erzählen, was deine Qualitäten sind und wofür sie dich brauchen, dann hat er einen sehr guten Job gemacht. Er hat genau gewusst, was für ein Spieler ich bin. Das ist schon wichtig, dass du das Gefühl bekommst, dass der Verein weiß, wie du bist, und nicht, dass du einer von 40 bist. Dann habe ich auch mal geschaut, wie so die Stadt ist und wie weit sie von Holland weg ist. Und die Fans letztes Jahr waren natürlich auch überragend, was die hier geleistet haben. Dann war es für mich einfach.

SPORT1: Nun kennen wir Sie aus der Zeit in Wolfsburg - inwiefern hat sich Bas Dost verändert im Vergleich zu damals?

Dost: Schon ein bisschen, immerhin bin ich jetzt auch schon 30. Ich habe in Portugal gespielt, in einer ganz anderen Liga. Da war die Herausforderung auch eine ganz andere. Da wurde von mir erwartet, dass ich in jedem Spiel spiele und treffe. Aber das hat mich auch geprägt. Jetzt mit 30 Jahren kennst du das Fußballgeschäft besser. Ich bin nicht mehr so lange sauer, wenn es mal schlecht läuft.

SPORT1: Das heißt, Bas Dost ist reifer geworden?

Dost: Ja, das kann man so sagen.

SPORT1: Und fußballerisch? Wo war die größte Weiterentwicklung in der Zeit in Portugal?

Dost: In Portugal eigentlich gar nicht mehr so. Wenn du schon in einem gewissen Alter bist, dann kennst du die meisten deiner Fähigkeiten. In Sachen Denkweise habe ich viel dazugelernt, aber bei den fußballerischen Fähigkeiten, würde ich sagen, ist nicht viel hinzugekommen.

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Dost: "Habe lange gebraucht, um wieder Spaß am Fußball zu haben"

SPORT1: Wenn wir über diese Zeit in Lissabon sprechen, dann bleibt ja vor allem hängen: Torschützenkönig mit einer unglaublichen Torquote (76 in 84 Spielen). Aber dann waren da eben auch Vorkommnisse wie die Prügel-Attacke der Lissaboner Fans. Wie war die Zeit für Sie?

Dost: Sehr geil! Es war eine super Erfahrung. Ich habe da auch mit einem Trainer gearbeitet, dem Portugiesen Jorge Jesus, der mich sehr gut kannte. Der hat genau gesagt, was ich da vorne machen musste. So habe ich auch brutal viele Tore geschossen, das kommt nicht von allein. Das war nicht nur, weil ich so gut bin. Nein, es war auch, weil er genau gesehen hat, wie er mich da vorne Tore schießen lässt. Mit den Fans, das war natürlich auch eine super Zeit, die ich dort hatte. Sporting Lissabon ist auch ein Kultverein. Aber diese eine Geschichte - es ist traurig, dass so etwas passiert. Das nimmt man auch mit und wird es nie wieder vergessen. So etwas passiert hoffentlich nie wieder.

SPORT1: Welche Schlüsse zieht man aus einem Erlebnis, von dem man wahrscheinlich gedacht hatte, dass es nie passieren könnte?

Dost: Das ist nicht nur im Fußball so, sondern auch im Leben. Manchmal passieren Dinge, die man überhaupt nicht erwartet. Du gehst zu einem Verein, und auf einmal bekommst du Ärger mit den Fans. Damit rechnest du ja vorher nicht. Was ich davon mitnehme ist, dass ich einfach jeden Tag genieße, vor allem auch die Zeit mit der Familie. Die guten Zeiten sollte man immer genießen, denn es können auch wieder schlechtere kommen.

SPORT1: Hat man in so einer Situation auch Angst?

Dost: Klar, ich hatte richtig Angst, vor allem die ersten zwei drei Wochen nach den Attacken. Ich habe lange gebraucht, um wieder Spaß am Fußball zu haben. Ich hatte auch Leute zur Überwachung an meinem Haus. Zum Glück habe ich das jetzt nicht mehr.

SPORT1: Hat das eine Rolle bei Ihrem Wechsel gespielt?

Dost: Nein, das war nicht der Grund, warum ich gegangen bin.

Bas Dost erzielte für Sporting Lissabon insgesamt 93 Tore.
Bas Dost erzielte für Sporting Lissabon insgesamt 93 Tore. © Getty Images

Bas Dost, was ist ein typisches 'Kacktor'?

SPORT1: Wir haben die unglaubliche Torquote angesprochen, die Sie in Lissabon hatten. Ist eine ähnliche Torquote in Frankfurt möglich?

Dost: Das habe ich auch sofort zu Beginn hier gesagt: Ich komme nicht hierher, um noch ein bisschen locker zu spielen und dann mit meiner Karriere aufzuhören. Ich will hier Leistung bringen. Es hat gut angefangen. Es nervt mich ein bisschen, dass ich mit meiner Fitness noch Zeit gebraucht habe. Aber ich glaube, jetzt bin ich gut unterwegs. Ob man die gleiche Quote erwarten darf, weiß ich nicht. Aber meine eigenen Anforderungen an mich selbst sind schon hoch. Ich weiß, dass ich Tore schießen kann, ob das Bundesliga ist, portugiesische Liga, Holland - ich kann das, ich liebe das und dafür spiele ich Fußball, um der Mannschaft so zu helfen. Ich will alles dafür tun, um die Torquote wieder hochzubringen.

SPORT1: Legt man sich selbst eine Zahl fest?

Dost: Nein, überhaupt nicht. Ich denke nicht in Zahlen. Aber ich will oben mit dabei sein.

SPORT1: Sie haben die Fitness angesprochen. Was ist in Ihren Augen der Grund dafür, dass Sie da noch ein bisschen Nachholbedarf hatten in den ersten Wochen in Frankfurt?

Dost: Ich habe in der Vorbereitung nicht so viel gespielt. Ich habe gar nicht gewusst, wie es weitergeht, wohin ich gehe. Und natürlich ist die deutsche Mentalität, wie man hier trainiert, einfach härter als in Portugal. Und ich bin jemand, der braucht ein bisschen mehr Zeit. Wenn du zum Beispiel André Silva anschaust, hat er damit weniger Probleme. Egal, das muss man akzeptieren. Jetzt bin ich bereit.

SPORT1: Sie haben mal in einem Artikel gesagt, Sie hätten viele "Kacktore" geschossen. Was ist so ein typisches "Kacktor" von Bas Dost?

Dost: Zum Beispiel das letzte Tor, das ich in Frankfurt gemacht habe, wo der Torhüter den Ball berührt und ich schieße den Ball einfach rein. Man muss einfach da sein. Leute, die nichts mit Fußball zu tun haben, würden sagen, das ist ja einfach. Das stimmt natürlich ein bisschen. Aber ich liebe es einfach, am richtigen Platz zu stehen, wo man einfach nur noch den Ball berühren muss, um das Tor zu machen. Tor ist Tor. Am Ende ist es egal, wie man das Tor schießt. 

SPORT1: Können Sie sich eigentlich an Ihr schönstes Tor erinnern?

Dost: Wenn ich in die Bundesliga anschaue, war das, glaube ich, das Tor gegen Leverkusen damals. Die Flanke von Kevin De Bruyne kommt und mit meinem Außenrist habe ich den Ball ins Tor geschossen. Das war das geilste Tor.

Endziel Königsklasse? "Wäre das Beste"

SPORT1: Die Eintracht hat personell im Sommer viel gemacht. Wie viel ist da jetzt möglich?

Dost: Um Europa spielen wir sowieso. Man muss wieder die Europa League erreichen, aber die Champions League ist auch ein Ziel. Das wäre natürlich das Beste. Wenn wir alle zusammenbleiben und wie eine Mannschaft spielen und nicht wie Egoisten, dann haben wir die Möglichkeit, das zu erreichen.

SPORT1: Die Europa League läuft ja auch nicht nebenher, in Frankfurt wird sie immer regelrecht zelebriert. Sind die zwei Spiele, die jetzt gegen Lüttich kommen, schon K.o.-Spiele, weil das wahrscheinlich der entscheidende Gegner in dieser Gruppe ist?

Dost: Ja, das Spiel zuhause ist mir wichtig. Das ist das erste Spiel, das muss man gewinnen - und das werden wir auch. Wir sind bereit.

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Bundesliga ist für Dost "die geilste Liga"

SPORT1: In der Bundesliga ist derzeit alles relativ eng zusammen, zwischen dem Ersten und dem Frankfurter Platz sind es nur fünf Punkte Unterschied. Was ist Ihre Meinung dazu?

Dost: Ich würde sofort sagen, das spricht für die Qualität. Das ist ja überragend, das ist geil. Was willst du mehr? Dass Bayern schon wieder 20 Punkte vorne ist? So macht das doch Spaß. Du siehst in der Bundesliga, dass jeder Gegner etwas kann. Dortmund hat bei Union gespielt, macht nicht das beste Spiel und verliert. Das ist die Bundesliga, und das ist auch eine Sache, warum ich zurückgekommen bin. Jedes Spiel macht Spaß. Jedes Stadion hier ist ausverkauft. Für mich - ich habe natürlich nicht in England gespielt - aber für mich ist das die geilste Liga.

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