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Augsburg und München - Die Bayern trudeln nach dem 2:2 in Augsburg in die nächste Herbstkrise. Trainer Niko Kovac muss sich aber vor allem in der Causa Thomas Müller erklären und reagiert gereizt.

Niko Kovac drehte den Spieß diesmal um.

Auf der Pressekonferenz nach dem 2:2 in Augsburg wurde der Bayern-Trainer zur 13-minütigen Leistung des eingewechselten Frust-Bayern Thomas Müller befragt. Kovac, der angesäuert wirkte, fragte den Reporter postwendend: "Wie haben Sie es gesehen?"

Der Reporter stellte fest, dass Müller eine "dicke Chance" ausgelassen habe.

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"Stimmt", sagte Kovac. "Hätte das Siegtor bedeutet", legte der Reporter nach. "Stimmt", sagte Kovac wieder.

Das Reporter-Pingpong beendete der Trainer, indem er klarmachte, dass er Leistungen generell nicht an vergebenen Chancen festmache und er es als "schwierig" empfinde, eine Leistung zu bewerten, die ab der 80. Minute stattfand - wie an diesem Tag bei Müller.

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Die Frage, warum der Ur-Bayer, der seine Enttäuschung über sein Reservisten-Dasein vor ein paar Tagen über die Medien geäußert hatte, zum sechsten Mal in Folge auf der Bank saß, musste Kovac am Samstag mehrfach beantworten. Als er nach Abpfiff ein letztes Mal ebenjene Frage gestellt bekam, antwortete er zu Beginn: "Die Mannschaft, die auf dem Platz war, hat es außerordentlich gut gemacht, aber sich nicht belohnt. Dem gibt es nichts hinzuzufügen."

Kovac und Müller - ist das noch zu kitten?

Am Sonntag machte Müller an der Säbener Straße gute Miene zum bösen Spiel. Lächelnd schrieb er Autogramme für die Fans und trainierte anschließend mit den Reservisten. Während er um den Platz lief, führte Kovac ein Einzelgespräch mit Philippe Coutinho, klopfte ihm auf den Rücken. Müller joggte an den beiden vorbei. Mit dem Trainer sprach er selbst nicht auf dem Platz, zeigte sich dafür aber motiviert und lautstark bei den Übungen. 

Mit dem erneuten Bank-Platz für Müller am Samstag überraschte Kovac, zeigte aber erneut, dass er nicht vor Spielern kuscht, die ihren Frust öffentlich äußern. Er blieb konsequent. Das bekamen zuvor schon die Ex-Bayern Rafinha, Renato Sanches und James Rodríguez zu spüren, die einen ähnlichen Weg gingen, von ihrer Kritik aber nicht profitierten.

Im Falle Müllers, dessen Einwechslung von den Fans am Samstag lautstark gefordert wurde, lässt Kovac mit seinen Handlungen erneut Raum für Spekulation.

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Steht er am Dienstag in der Champions League gegen Olympiakos Piräus in der Startelf? Ist Müller derzeit nicht mehr gut genug für Kovac? Lässt Kovac Müller doch im Winter wechseln? Setzt er weiterhin auf Coutinho, weil die Bosse dessen Integration fordern?

Dass sein Team "außerordentlich gut" gespielt habe, diese Meinung hatte Kovac jedenfalls ziemlich exklusiv im Raum.

Die Bayern präsentierten sich so, wie es Kapitän Manuel Neuer zutreffend feststellte: "Lässig" und "vielleicht zu selbstbewusst". Etliche Fehlpässe prägten das Spiel der Münchner, die Bayern wirkten zwar in Teilen dominant, münzten das aber nicht in Tore um.

Überraschend war das 1:0 des FCA nach 32 Sekunden. Glücklich das 2:2 des FCA in der Nachspielzeit.

Coutinho kann nicht überzeugen

Am bereits vierten sieglosen Bundesliga-Spiel der Bayern in dieser Saison konnte auch Coutinho nichts ändern. Wieder einmal spielte er für Müller, konnte aber nicht überzeugen. Der Brasilianer mühte sich, fand aber keine Bindung zum Spiel und wirkte oft wie ein Fremdkörper.

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Müller kam spät für Coutinho in die Partie, versiebte dann aber freistehend vor dem Augsburger Tor die Riesen-Chance zum 3:1. Wortlos und mit gesenktem Kopf verschwand Müller dann im Mannschaftsbus, während Kovac an den Mikros stand.

"Ich war von Thomas Müller ein richtiger Fan", erklärte der langjährige Bundesligatrainer Hans Meyer im CHECK24 Doppelpass. "Aber Kovac hat schon seine Gründe, warum Müller nicht spielt. Müller hat früher die Bayern besser gemacht, aber er ist schon 30." 

Klar ist: Die Personalie Müller ist in den Anfängen einer Herbstkrise 2.0 ein Politikum, obwohl die Münchner, rein spielerisch betrachtet, ganz andere Sorgen haben.

Rummenigge rügte Kovac

Dennoch ist nicht zu vergessen, dass selbst Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge Kovac für dessen "Not-am-Mann"-Aussage in Richtung des Publikumslieblings rügte.

Kovac entschuldigte sich für seine Worte am Donnerstag öffentlich, was aber nichts an seinen Startelf-Plänen änderte. Auf seine Leistung bezogen, konnte sich Müller in Augsburg nicht für einen Startplatz in der Königsklasse empfehlen. Coutinho aber auch nicht.

Coutinho oder Müller? Es ist das wohl größte Problem, das Kovac aktuell lösen und besänftigend moderieren muss.

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