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München - Thomas Müller erlebt schwere Zeiten beim FC Bayern und spielt mit dem Gedanken eines Wechsels. Unter Niko Kovac sitzt er derzeit aus verschiedenen Gründen nur auf der Bank.

Thomas Müller war noch in den Anfängen seiner Bayern-Karriere als er in der Saison 2008/09 erlebte, was ihm erst elf Spielzeiten später erneut widerfahren sollte: fünfmal in Folge in einem Pflichtspiel auf der Bank zu sitzen.  

Müller, mittlerweile 30 Jahre alt oder jung - je nachdem wie man es im heutigen Fußball-Zeitalter auslegen mag - kann seine Situation heute allerdings nur schwer akzeptieren und spielt nun sogar mit dem Gedanken, den FC Bayern im Winter vorzeitig zu verlassen. Trotz eines Vertrags bis 2021. 

Ur-Bayer, Identifikationsfigur, Weltmeister, Champions-League-Sieger, vielfacher Meister und Pokalsieger - Müller ist nicht nur einer der erfolgreichsten Bayern-Spieler aller Zeiten, er ist auch das Gesicht des Vereins.  

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Warum aber kommt er derzeit unter Kovac nicht zum Zug?  

Einer der Hauptgründe ist Barcelona-Leihgabe Philippe Coutinho, den Kovac schon oft als "Weltstar" bezeichnet hat. Für den Samba-Star änderte Niko Kovac sein System, damit der 27-Jährige auf der Zehnerposition spielen kann. Seine Parade-Position, die aber auch von Müller favorisiert wird und auf der er in der Vorsaison stark spielte und maßgeblich dazu beitrug, dass die Bayern trotz zwischenzeitlich neun Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund doch noch Meister wurden. 

Coutinho glänzt mit Assists

Gegen Köln (4:0) und Paderborn (3:2) glänzte Coutinho mit zwei Toren und zwei Assists. Auch gegen die Tottenham Hotspur (7:2), wo Müller nur zuschauen durfte, lieferte er einen Assist. Konstante Zauber-Shows des Brasilianers blieben aber bislang aus.  

Müller kommt in der Liga bislang auf vier Assists, traf dafür gegen Roter Stern Belgrad (3:0). Sein letztes Tor in der Bundesliga erzielte er allerdings im März, am 25. Spieltag der Vorsaison gegen den VfL Wolfsburg (6:0). Dafür belebte er nach seinen Einwechslungen oft das Spiel der Bayern.  

Nachteil Müller: Von Kovac erwarten Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Noch-Präsident Uli Hoeneß, dass Coutinho (8,5 Millionen Euro Leihgebühr, schätzungsweise 25 Millionen Euro Gehalt) in das Bayern-System integriert wird.  

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Bei James Rodríguez, den wiederum Rummenigge oft als "Weltstar" bezeichnet hatte, klappte die Integration nicht. Er und Kovac harmonierten selten, weshalb James im Sommer zu Real Madrid zurückkehrte.  

Kovac selbst will nun den Beweis erbringen, dass er auch "Weltstars" einbauen kann. Zudem ist Coutinho jener Typ Spieler, den Robert Lewandowski vehement forderte. Kovac will beide sich einspielen lassen, damit sie zukünftig noch mehr voneinander profitieren.  

SPORT1 erfuhr: Coutinho spielte zuletzt auch deshalb regelmäßig, weil ihm Kovac die beste Defensivarbeit aller Offensivspieler attestiert. Coutinho gewinnt 62 Prozent seiner Zweikämpfe in der Bundesliga. Müller 52. Nur Niklas Süle gewinnt mehr bei den Bayern (66).

Zusammen in zentraler Rolle? 

Ein weiterer Nachteil für Müller ist, dass Kovac bislang ausgeschlossen hat, dass der Brasilianer aus Rio de Janeiro und der Oberbayer aus Pähl zusammen in zentraler Rolle auf dem Platz stehen. Dies sei dann doch ein wenig zu offensiv, verkündete Kovac vor ein paar Wochen.  

Da Serge Gnabry auf dem Weg zur Weltklasse und auch Kingsley Coman seit Wochen in guter Form ist, bleibt für Müller auch kein Platz auf der Außenbahn. Dort, wo er seinen Wert für die Bayern auch schon oft unter Beweis gestellt hat.

Wechselt Kovac auf der Außenposition, ist Inter-Mailand-Leihgabe Ivan Perisic zumeist die erste Wahl. Und in der Sturmspitze, wo Müller auch funktioniert, spielt Robert Lewandowski - immer. Nicht zu vergessen, dass Gnabry beim DFB als zentraler Stürmer überragt und dies für Kovac erklärtermaßen auch eine Alternative ist.  

Wäre noch die Option der Rotation. Auch darauf verzichtet Kovac aktuell. Denn der Kroate weiß nur zu gut, wie ihm diese vor rund einem Jahr fast den Job gekostet hat, als er es all seinen Stars recht machen wollte. Müller profitierte damals übrigens vom Einspielen einer Stammformation.  

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"Not-am-Mann"-Aussage überrascht Müller

Ob sich Müllers Bank-Dasein bald ändert?  

Müller bestätigte eine entsprechende SPORT1-Information, dass es zwischen Trainer und Spieler bereits eine Aussprache gab, nachdem Kovac seine Not-am-Mann-Aussage getätigt hatte. Diese hatte Müller "überrascht", wie er im kicker zugab.  

Kovac, der rhetorisch begabt ist und sich über Müller schon oft sehr lobend äußerte, war es wichtig klarzustellen, dass seine Wortwahl unglücklich war, er dies im Eifer des Gefechts gesagt hatte und seine Aussage keinesfalls als Notnagel-Botschaft in Richtung Müller verstanden werden sollte.

Kovac schätzt Müller und braucht ihn. Nicht umsonst ist er Vize-Kapitän und ein wichtiger Teil des Mannschaftsrats. Nicht zuletzt wegen des kleinen, verletzungsanfälligen Kaders. SPORT1 weiß: Stand jetzt will Kovac Müller im Winter keinesfalls wechseln lassen. Genau das will Müller aber tun, wenn er weiterhin nur auf der Bank sitzt.

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