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Mönchengladbach - Marco Rose grüßt mit Borussia Mönchengladbach von der Tabellenspitze. Im Interview spricht er über seinen Start in Gladbach, Ziele und Kumpel Jürgen Klopp.

Tabellenführer nach dem 7. Spieltag: Der neue Trainer Marco Rose hat mit Borussia Mönchengladbach einen Traumstart in der Bundesliga erwischt.

Das 0:4 in der Europa League gegen den Wolfsberger AC zeigte jedoch auch, dass der 43-Jährige, der von Red Bull Salzburg zur Borussia kam, noch einiges an Arbeit vor sich hat.

Vor dem Borussen-Gipfel beim BVB (Bundesliga: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach am Sa. ab 18.30 Uhr im LIVETICKER) spricht Rose im Interview über seine Bilanz der ersten Monate, die Bedeutung der Tabellenführung und seinen Kumpel Jürgen Klopp.

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SPORT1: Herr Rose, wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten drei Monaten in Gladbach aus?

Marco Rose: Aktuell ist es eine nette Momentaufnahme. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir wollten eine neue Idee implementieren. Ich glaube, dass wir dahingehend auf einem ordentlichen Weg sind, auch wenn es schon einige Momente gab, in denen man gemerkt hat, dass es uns nicht so leichtfällt. Es gab viele Momente, in denen Mannschaft, Trainerteam und Fans nicht zufrieden waren. Gegen Augsburg haben wir jetzt auch mal ein Spiel absolviert, in dem wir uns belohnt haben und gezeigt haben, wo es ungefähr hingehen kann und soll. Am Ende war der Spieltag dann so verrückt, dass wir auch das Glück hatten, mal oben zu stehen.

Rose: Wolfsberg-Pleite ein "herber Rückschlag"

SPORT1: Wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft und des Vereins?

Rose: Am wichtigsten ist immer die Offenheit im ganzen Verein und auch bei meiner Mannschaft. Die Spieler versuchen, Dinge anzunehmen und umzusetzen, und wollen sich weiterentwickeln. In vielen Teilbereichen, wie zum Beispiel der Zweikampfgestaltung, sehe ich schon Entwicklungen. Allgemein sind wir aber auf dem Weg. Man darf auch nicht vergessen, dass ich eine erfolgreiche Mannschaft übernommen habe. Wir nehmen also auch gerne Dinge mit, die hier vorher bereits integriert wurden.

SPORT1: Wie viel bedeutet Ihnen die gute Stimmung im Verein und die Glückseligkeit der Menschen?

Rose: Wenn die Leute zufrieden sind, dann ist es ein guter Beweis dafür, dass wir etwas richtig machen. Positive Stimmung ist auch immer ein guter Grundstein für gute Arbeit. Ich glaube aber, dass wir genug darüber geredet haben, wie toll das alles ist und wie gut sich das anfühlt. Jetzt sollten wir wieder richtig anpacken und weitermachen. Wir wissen alle, wie eng es ist.

SPORT1: Welche Bedeutung hat das 0:4 gegen Wolfsberg in der Europa League? Haben Sie daraus am meisten gelernt?

Rose: Das gehört zum Thema Entwicklung dazu. Du bekommst quasi im Drei-Tages-Rhythmus Ergebnisse und aus diesen ziehst du deine Schlüsse. Wenn es so ein herber Rückschlag wie gegen den WAC ist, dann musst du natürlich richtig ins Detail gehen und schauen, was nicht funktioniert hat. Es gehört aber auch zum Prozess dazu, zu spüren, was funktioniert und was nicht.

SPORT1: Wie schön ist es, wenn Neuzugänge voll einschlagen?

Rose: Sehr schön. Es haben sich aber auch Jungs sehr gut entwickelt, die schon da waren. Aber es ist natürlich immer wichtig, für Manager, für Trainer und auch die Fans, dass wenn neue Spieler dazukommen, diese auch zum Verein passen - fußballerisch und auch menschlich. Ich glaube, wir können in diesem Jahr bis hierhin alle sagen, dass wir da gut lagen.

Gladbach-Stürmer glänzen

SPORT1: Dass vorne alle drei Angreifer an den bisherigen 15 Saisontoren beteiligt waren, ist auch etwas ganz Besonderes. So etwas hätte eigentlich jeder Bundesligist gerne. Ist so etwas planbar?

Rose: Planbar ist das sicher nicht - aber ich bin davon überzeugt, wenn man gut und hart arbeitet und Qualität hat, dass man diese dann auch irgendwann auf den Platz bringt. Trotzdem brauchst du auch immer das Quäntchen Glück. Es ist wichtig, dass sich bis jetzt da vorne niemand schwer verletzt hat. Es ist genauso wichtig, dass sich ein Patrick Herrmann mittlerweile sehr, sehr gut adaptiert hat und den Jungs von hinten auch Druck macht. Das gehört auch dazu, dass Konkurrenzkampf da ist und jeder auch das Gefühl hat, er muss gut spielen, um im Team drin zu bleiben. Das Schönste ist, dass wir immer noch sehr viel Luft nach oben haben, bei allen Spielern.

SPORT1: Da muss der Konkurrenz ja angst und bange werden ...

Rose: Muss ihr nicht, weil ich glaube, dass es jedem Verein und jedem Trainer so geht. Auch wenn es eine Floskel ist, aber die Saison ist immer relativ lang und du durchläufst dabei so ein paar Phasen. Wir sind jetzt gerade ganz ordentlich gestartet aber wollen damit auf gar keinen Fall zufrieden sein und wissen auch, dass es mal eine Phase geben kann, in der wir dann vielleicht auch mit dem einen oder anderen zu kämpfen haben.

SPORT1: So ein Platz an der Sonne war für Sie mit ihrem Ex-Verein Salzburg komplette Normalität. Wird das irgendwann zur Gewohnheit?

Rose: Es kommt natürlich immer auf die Ansprüche an. Ich habe bei einem Verein gearbeitet, da war das normal, da war alles andere eine Enttäuschung. Dann entwickelt man dementsprechend auch eine Mentalität, einen Charakter, dass es immer darum geht, überall hinzufahren und Fußballspiele zu gewinnen. Wenn man das Spiel dann gewonnen hat, ist es normal. Und wenn man mal eins verliert, ist es relativ schwierig zu verkaufen. Ich glaube, dass wir hier in Gladbach eine etwas andere Konstellation haben. Ich sage immer, dass wir es der Geschichte des Vereins und den Fans schuldig sind, ambitioniert zu sein. Das ist nicht negativ behaftet, sondern total positiv. Da wurde hier in den letzten Jahren schon sehr viel großartige Arbeit geleistet, mit vielleicht nicht so riesengroßen Mitteln wie bei anderen Bundesligisten. Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch andere Mittel als der eine oder andere, der vielleicht ein bisschen hintendran ist - das wissen wir schon.

Rose: "Will Klopp nicht in die Bredouille bringen"

SPORT1: In den nächsten Wochen geht es zwei Mal gegen Dortmund, zwei Mal gegen AS Rom und auch gegen Leverkusen. Sind diese Gegner von der Wertigkeit höher als die bisherigen?

Rose: Gar nicht. Wir wissen, was in den nächsten Wochen für Kaliber auf uns warten, aber wir wollen immer gewinnen - ob gegen Wolfsberg, Augsburg, Dortmund oder Rom. Wir sollten diese Spiele so angehen, dass wir mit maximalem Selbstbewusstsein um unsere Ergebnisse kämpfen. Danach werden wir es dann wieder bewerten können.

SPORT1: Seine alte Liebe ist Borussia Dortmund, aber sein guter Kumpel Marco Rose trainiert Gladbach. Für wen ist denn Jürgen Klopp am Samstag eigentlich?

Rose: Da will ich ihn jetzt nicht die Bredouille bringen. (lacht) Ich glaube, Kloppo ist momentan vor allem für Mainz 05. Er sieht, dass seine Kumpels David (Wagner, Anm. d. Red.) und Rosi (Marco Rose, Anm. d. Red.) punktemäßig momentan genug Fell haben. Sandro Schwarz und Mainz 05 geht es momentan nicht so richtig gut und deshalb denke ich, dass er ein bisschen mehr Energie zum FSV schickt.

Jürgen Klopp (r.) und Marco Rose kennen sich bestens aus gemeinsamen Mainzer Zeiten
Jürgen Klopp (r.) und Marco Rose kennen sich bestens aus gemeinsamen Mainzer Zeiten © Getty Images

SPORT1: Wie ist denn die Beziehung zu Jürgen Klopp? Ziehen Sie ihn auch in guten Phasen wie jetzt zurate?

Rose: Wir haben jetzt länger nicht mehr telefoniert. Nach dem Spiel von Liverpool gegen Salzburg (4:3) haben wir mal ein bisschen hin- und hergeschrieben. Auch er spricht immer noch von Entwicklung. Liverpool hat zwar die Champions League gewonnen, aber trotzdem fängt die Saison neu an und du hast wieder eine neue Aufgabe.

Traditionsverein? "Ein tolles Gefühl"

SPORT1: Sie sind ein sehr gemeinschaftsorientierter Mensch, auch als Trainer. Warum ist das so wichtig für ihre Arbeit?

Rose: Wenn man eine Gemeinschaft zu schätzen weiß, dann kann man als Mensch ganz viel daraus ziehen. Es ist ein Geben und Nehmen. Es gibt nichts Schöneres, als sich mit einer Gruppe über etwas zu freuen oder etwas zu erreichen.

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SPORT1: Wie sehr fehlt Ihnen die Heimat und ihre Familie, die in Leipzig lebt?

Rose: Wir haben das richtig gut im Griff. Ich liebe meinen Job und bin wirklich gerne hier in Mönchengladbach. Wenn ich Zeit mit der Familie verbringe, dann genießen wir das richtig. Wir halten super zusammen - auch wir sind eine Gemeinschaft.

SPORT1: Für Sie ist die Arbeit in einem so großen Traditionsverein neu. Wie erleben Sie die Borussia?

Rose: Das ist ein tolles Gefühl, das muss man wirklich sagen. Du siehst, wie sehr die Leute den Verein leben und lieben. Trotzdem muss man immer darauf achten, dass man sich nicht in dem Thema Tradition verrennt. Man darf es nicht verpassen, weiterzugehen und etwas Neues zu entwickeln. Es geht mehr darum, irgendwann wieder neue Titel zu feiern, als den alten Errungenschaften hinterherzulaufen.

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