Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Berlin - Manager bei Union Berlin und Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Stadtrat Iserlohn - eine ungewöhnliche Kombination. SPORT1 stellt Oliver Ruhnert vor.

Uli Hoeneß und er, das wird interessant.

Wenn der FC Bayern am Samstag den 1. FC Union Berlin zu Gast haben wird (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER), trifft der deutsche Rekordmeister auch auf den wahrscheinlich ungewöhnlichsten Manager der Bundesliga.

Unions Geschäftsführer Sport Oliver Ruhnert, der die Fachwelt in diesem Sommer unter anderem mit dem Transfer von Neven Subotic erstaunt hat, sitzt in seiner westfälischen Heimat Iserlohn im Stadtrat, führt dort die Fraktion der Linkspartei.

Anzeige

Viel Diskussionsstoff ist also vorhanden, wenn Ruhnert in München auf den überzeugten CSU-Anhänger Hoeneß trifft, nicht nur sportlicher. Wobei auch Ruhnerts sportliche Vita eine sehr spannende ist.

Ruhnert als Architekt der Knappenschmiede

Ruhnert - am Sonntag auch Gast im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 - war selbst nie Profifußballer, machte sich aber hinter den Kulissen als Fachmann für das Aufspüren und Fördern von Talenten einen Namen.

In der Saison 2007/08 heuerte Ruhnert - vorher Oberliga-Trainer beim FC Gütersloh und dem heutigen FC Iserlohn - als Scout bei Schalke 04 an und stieg dort zum Leiter der Nachwuchsabteilung auf, zum Direktor der berühmten Knappenschmiede.

DAZN gratis testen und die Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Zusammen mit dem mittlerweile bundesweit bekannten A-Jugend-Coach Norbert Elgert war Ruhnert ein Architekt der vielfach bewunderten Nachwuchsarbeit des Klubs. In seiner sechsjährigen Amtszeit (2011-2017) wurde Schalke zweimal A-Jugend-Meister, aus der Knappenschmiede gingen Leroy Sané, Max Meyer, Thilo Kehrer und viele andere hervor.

Vom Chefscout zum Geschäftsführer bei Union

2017 hörte Ruhnert bei Schalke auf, sein Verhältnis zum damaligen Sportvorstand Christian Heidel soll suboptimal gewesen.

Durch den Erfolg der Knappenschmiede war Ruhnert nun aber endgültig ein gefragter Mann, er entschied sich für ein Angebot von Union, wo er zunächst Chefscout wurde und dann im Mai 2018 zum Geschäftsführer befördert wurde.

Der Aufstieg im Jahr darauf trug dann schon stark Ruhnerts Handschrift, neben vielen Spielern holte er auch Trainer Urs Fischer in die Hauptstadt.

Im Sommer ließ Ruhnert dann mit für Aufsteiger-Verhältnisse spektakulären Deals für Aufsehen, wie dem mit Subotic oder dem früheren Stuttgarter Kapitän Christian Gentner. Aber auch weniger namhafte Transfers erwiesen sich als Volltreffer – etwa der von Marius Bülter, der bis 2018 noch in der Regionalliga spielte und dann im August Matchwinner beim Sensationssieg über Borussia Dortmund wurde.

Ruhnert - der "magische Manager"

In Berliner Medien wurde Ruhnert schon als "magischer Manager" gefeiert, vor allem auch dafür, dass seine Hauptbeschäftigung anscheinend kein bisschen unter seinen weiteren Berufungen leidet.

Neben der als Politiker (Ruhnert gehörte auch zu den Erstunterzeichnern der linken Bewegung "Aufstehen") ist da auch noch eine ausgeprägte Schiedsrichter-Leidenschaft.

Jetzt das aktuelle Trikot von Union Berlin bestellen hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

"Er hat es bereits im ersten Halbjahr auf die nötigen zehn Einsätze im Kalenderjahr gebracht, die für eine Verlängerung seiner Lizenz als Unparteiischer notwendig sind", hielt die Berliner Zeitung im Sommer fest.

Die Widersprüche zwischen Fußball und Politik

Seine linke Weltsicht steht für Ruhnert übrigens nicht im Widerspruch zu seinem Job im ja doch sehr kapitalistischen Fußball-Geschäft, nicht in totalem jedenfalls.

Meistgelesene Artikel

"Auch wenn ich in einem anderen Bereich als dem Fußball tätig wäre, würden sich Widersprüche auftun", sagte Ruhnert kürzlich in einem Interview mit dem Neuen Deutschland: "Man muss die Probleme natürlich benennen. Aber der Profifußball steht ja auch für großes gesellschaftliches Engagement."

Seine Aktivität als Schiedsrichter sei für ihn ebenfalls ein wichtiger Ausgleich, körperlich und mental: "Ich mache das sehr gerne, weil ich dann Spiele Rot gegen Blau habe und es mir am Ende egal ist, wer gewinnt. Sonst will ich immer, dass Rot gewinnt."

Am Samstag, wenn Rot auf Rot trifft, ist die Lage aber natürlich wieder eine andere.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image