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München - Als ehemaliger "Eurofighter" trägt Youri Mulder den FC Schalke 04 immer noch im Herzen. Vor dem Revierderby lobt der Holländer seinen Ex-Klub bei SPORT1.

Die Vorfreude ist auch bei Youri Mulder groß. Immer wieder. Die Mutter aller Derbys elektrisiert auch den früheren Schalke-Profi.

"Für mich ist es immer wieder ein besonderes Duell, auch, wenn es jede Saison zwei Mal gespielt wird", sagt der 50-Jährige, der von 1993 bis 2002 das königsblaue Trikot trug, im Gespräch mit SPORT1.

Am Samstag (15.30 Uhr im LIVETICKER) ist es wieder soweit. Schalke empfängt Borussia Dortmund zum Revierderby. In der Vorsaison verlor S04 daheim gegen den BVB mit 1:2. Im Rückspiel allerdings triumphierten die Schalker, als sie im Signal Iduna Park mit 4:2 gewannen und so letztendlich die Meisterschaft der Dortmunder verhinderten.

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"In der vergangenen Saison habe ich im Vorfeld des Derbys gesagt, dass es manchmal so kommt, wie man es nicht erwartet", erinnert sich Mulder.

"Schalke hatte vorher eine schlechte Phase. Das Derby in Dortmund war dann für Schalke das erste Spiel, das überraschend gewonnen werden konnte. Das zeigte mir wieder, dass in diesem besonderen Spiel alles passieren kann."

"Schalke hat aufgeholt"

Mulder, der in der Saison 2008/2009 Co-Trainer auf Schalke war, kennt diese besonderen Spiele. Er gehörte zu den Eurofightern, die 1997 den UEFA-Pokal gewannen. Allerdings konnte er im Halbfinale und im Endspiel aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht eingesetzt werden. Seine Schalker hat der Niederländer bis heute nie aus den Augen verloren. Als SPORT1 am Donnerstagabend fragt, ob er Zeit habe über seinen ehemaligen Verein zu sprechen, ist er sofort gesprächsbereit.

"Schalke hat zuletzt aufgeholt und vom BVB hätte man vor der Saison mehr erwartet. Der Kader wurde top verstärkt, aber bisher enttäuscht Dortmund etwas. Schalke gar nicht", sagt Mulder, räumt aber ein: "Schalke wird am Samstag nicht als Favorit in das Spiel gehen, nur, weil sie zuletzt besser drauf waren als der BVB. Es wird ein ausgeglichenes Match.

Die Krise bei den Dortmundern nach zuletzt nur einem Sieg aus vier Liga-Spielen und dem enttäuschenden 0:2 bei Inter Mailand in der Champions League ist unverkennbar. Schalke dürfe sich deshalb aber nicht zu sicher fühlen, warnt Mulder. "Gerade dann ist man gefährlich, wie Königsblau in der vergangenen Saison im Derby in Dortmund gezeigt hat. Für dieses eine Duell ist die Form in den Wochen zuvor uninteressant."

Favre in der Kritik

Der in die Kritik geratene BVB-Coach Lucien Favre ist für Mulder weiter "ein guter Trainer". Er hat sogar Mitleid mit dem Schweizer. "Als Coach bist du nur so gut, wie es deine Spieler sind."

Dennoch ist Mulder weiter überzeigt vom 61-Jährigen. "Das Spiel, was Favre in seinen Vereinen hat spielen lassen, sah immer toll aus, war geprägt von gutem Passspiel und guter Organisation."

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Und weiter: "Nur fehlt bei ihm im Gegensatz zu Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel dieser offensive Vollgas-Fußball. Favres Spiel ist sehr von Taktik und Organisation geprägt und nicht, wie man so schnell wie möglich zum gegnerischen Tor kommt. Das wirkt manchmal so, als ob die Schnelligkeit fehlen würde. Dennoch ist er ein guter Coach."

Mulder von Wagner begeistert

Von Schalkes Trainer David Wagner, der seit Sommer auf Schalke arbeitet, ist Mulder geradezu begeistert. "Du kannst deine Spieler verbessern und das gelingt Wagner offenbar. Wenn ich Schalke jetzt spielen sehe, dann sieht es fit und ausgelassen aus. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider. Ich habe das Gefühl, dass Wagner es nicht so kompliziert macht. Taktisch wird da einfach gearbeitet und die Basis stimmt bei Königsblau. Schalke ist wieder ein Team. Der Verein wirkt neu belebt."

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Und auch ein Trainer-Kollege sieht da so. "Ich habe in den vergangenen Tagen zufällig mit Alfred Schreuder (Hoffenheims neuer Coach, d. Red.) gesprochen", berichtet Mulder, "und er meinte, dass Wagner das richtig gut machen würde und das Schalker Spiel viel besser aussehe als in der vergangenen Saison."

Auch dank Schalkes Torwart Alex Nübel. "Er ist ein großartiger Keeper, der Schalke gut tut. Und Schalke tut dem Jungen gut." Der 23-Jährige hat seinen 2020 auslaufenden Vertrag auf Schalke noch nicht verlängert. Mulder hat dazu eine eindeutige Meinung. "Er sollte noch einige Jahre auf Schalke bleiben. Der Verein ist im Aufwärtstrend und das wäre für Nübel auch gut. Er hat noch eine große Zukunft vor sich. Zu einem Topverein kann er immer noch gehen."

Tönnies? "Trifft im Hintergrund die Entscheidungen"

Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies wird am Samstag aller Voraussicht nach nicht im Stadion sein. Seit dem Rassismus-Skandal muss der 63-Jährige sein Amt für drei Monate ruhen lassen. Auch hier hat Mulder eine klare Meinung. "Das Thema Tönnies hat gezeigt, dass er den Klub immer noch fest im Griff hat. Und ich glaube, dass er die gleiche Macht wieder haben wird, wenn er zurück ist."

Lächelnd fügt der Ex-Profi hinzu. "Ich bin mir ganz sicher, dass Tönnies im Hintergrund weiter die Entscheidungen trifft. Man braucht doch nicht glauben, dass er drei Monate den Verein nicht führen wird." Doch Mulder merkt auch an: "Allerdings muss man auch sagen, dass es auf Schalke besser läuft seit Tönnies nicht präsent ist.“

Darf Schalke als lachender Dritter gar vom Titel träumen, weil Bayern und der BVB schwächeln? "Ich denke, dass das noch zu früh ist. Bayern müsste eigentlich wieder Meister werden, wenn sie auch ihre Probleme haben", meint Mulder. "Vielleicht kann Schalke am Ende ein Überraschungs-Meister sein. Am Samstag gibt es erstmal einen 2:1-Sieg für meine Schalker."

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