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Nächste Entlassung in der Bundesliga. Der 1. FSV Mainz 05 reagiert auf die sportliche Talfahrt der letzten Wochen und trennt sich von Cheftrainer Sandro Schwarz.

Der FSV Mainz 05 sieht nicht mehr Schwarz: Einen Tag vor dem Beginn der fünften Jahreszeit hat sich der selbsternannte Karnevalsverein von seinem Trainer Sandro Schwarz getrennt. Die Verantwortlichen reagierten damit auf die sportliche Krise. Wer Nachfolger von Schwarz wird, blieb zunächst noch offen.

"Mainz 05 und Cheftrainer Sandro Schwarz trennen sich einvernehmlich. Das ist das Ergebnis von intensiven Gesprächen am Samstagsabend und Sonntagmorgen", ließ der Klub in einer ersten Erklärung auf Twitter wissen.

Der 41 Jahre alte Schwarz trug die Verantwortung für zwei FSV-Negativrekorde innerhalb einer Woche. Auf die höchste Liga-Niederlage der Rheinhessen am vergangenen Spieltag bei RB Leipzig (0:8) folgte am Samstag gegen Aufsteiger Union die achte Saison-Niederlage (2:3). So viele Pleiten an den ersten elf Spieltagen setzte es für die Rheinhessen noch nie. Der FSV ist Drittletzter und weist die schlechteste Tordifferenz (12:30) auf. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

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Interimistisch wird Co-Trainer Jan-Moritz Lichte das Training leiten, teilte der FSV mit.

Mainz in einer prekären Situation

Angesichts der prekären Lage war es nicht verwunderlich, dass Rouven Schröder im Anschluss an die Partie gegen Union bei der Frage nach der Zukunft des Trainers keine klare Antwort zu entlocken war. "Ich muss jetzt nicht jede Woche ein Plädoyer halten. Ich habe Woche für Woche meine Statements abgegeben", hatte der Sportvorstand gesagt: "Wir werden die Dinge betrachten. Mainz 05 steht über allem. Es geht nicht um Personen, sondern um den Verein."

Einen Tag später wurde die Trennung bekanntgegeben. Eine Entscheidung, die Schröder und dem Klub "ungeheuer schwergefallen" sei.

"Wir haben mit großem gegenseitigen Vertrauen in der Vergangenheit schwierige Phasen durchgestanden und waren uns immer einig, dass wir den gemeinsamen Weg mit 100-prozentiger Überzeugung gehen wollen und müssen. Diese gemeinsame Überzeugung war leider nach den aktuellen Entwicklungen nicht mehr gegeben, das mussten wir uns offen und ehrlich eingestehen", wurde der Sportvorstand auf der Vereinshomepage zitiert.

Und um diesen Verein steht es schlecht. Der FSV gab gegen Berlin auf und abseits des Platzes ein desaströses Bild. Erst versagten die Profis auf dem Platz. Ein Eigentor von Kapitän Daniel Brosinski (30.) und der Doppelpack des Schweden Sebastian Andersson (45.+3/51.) brachten die völlig verunsicherten Mainzer auf die Verliererstraße. Die Treffer von Karim Onisiwo (81.) und Brosinski (90.+4) vor lediglich 24.349 Zuschauern kamen viel zu spät.

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Stress mit den Fans

Dann lagen beim Anhang die Nerven blank. Nach dem Abpfiff kam es zu Rangeleien im Fanblock. Einige Chaoten kletterten über die Zäune und wollten auf die Profis losgehen. Erst das Einschreiten der Ordnungskräfte beruhigte die Lage soweit, dass die Spieler "nur" verbal angegangen wurden. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan)

Angesichts dieser explosiven Gemengelage war es keine allzu große Überraschung, dass der seit Juli 2017 im Amt befindliche Schwarz nach der Länderspielpause im Punktspiel bei der TSG Hoffenheim nicht mehr auf der Bank sitzen wird. Bei der Aufarbeitung der besorgniserregenden Lage durfte der Coach, dessen Vertrag ursprünglich bis 2022 lief, noch dabei sein.

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"Sandro Schwarz ist unser Trainer und wir werden uns gemeinsam mit ihm kritisch hinterfragen", hatte Schröder geäußert, nachdem er sich zuvor mit Klubchef Stefan Hofmann beraten hatte: "Wir haben neun Punkte. Wir sind in einer Phase, mit der wir nicht zufrieden sein können. Das müssen wir schleunigst ändern."

Druck auf die Mannschaft groß

Schröder gestand zwar ein, dass der Druck "größer wird", die Mannschaft habe aber "Potenzial und kann Bundesliga spielen", deshalb sei "Aktionismus nicht angebracht". 

Der Trainerwechsel fiel offenbar nicht unter die Rubrik "Aktionsmus". Der geknickte Schwarz hatte schon direkt nach dem Berlin-Spiel nicht den besten Eindruck vermittelt. Die Fragen nach seiner Zukunft "berühren mich nicht", gab er zu Protokoll: "Ich habe keine Furcht. Es geht um die Mannschaft und um den Klub."

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