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München und London - Premier-League-Insider Seb Stafford-Bloor beschreibt den Trainertyp Mauricio Pochettino - und schätzt ein, wie er zu Bayern oder dem BVB passen würde - SPORT1-Gastkolumne.

Mauricio Pochettino ist ein leidenschaftlicher, ein emotionaler Trainer. Was seine Zeit bei Tottenham kennzeichnet, ist der Charakter, den er innerhalb des Teams entwickelt hat.

Trotz der finanziellen Nachteile gegenüber Premier-League-Giganten wie Manchester City, Arsenal, Chelsea oder Manchester United hat er ein Tottenham-Team aufgebaut, das von seiner Harmonie gelebt hat, von einer Leidenschaft innerhalb der Gruppe, von einem Verständnis unter den Spielern.

Pochettino hat das durch seine Persönlichkeit geschafft. Er hat auf Pressekonferenzen nie geprahlt, nie die Beherrschung verloren, so wie man es bei anderen Trainern sieht. Da ist eine echte Aufrichtigkeit in seiner Persönlichkeit.

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FC Bayern ist ein anderes Kaliber

Pochettino kann nicht nur ein Kandidat für den FC Bayern sein, er sollte einer sein. Aber Bayern ist ein anderes Kaliber als seine Trainerstationen Tottenham, Espanyol Barcelona oder Southampton (hier war er nicht lange genug, um ein angemessenes Erbe zu hinterlassen).

Ob er in der Lage ist, bei Bayern zu bestehen, wird sich zeigen. Er war immer ein Underdog - aber jetzt ist er älter und erfahrener.

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Was seinen Erfolg bei Tottenham ausgemacht hat, war seine Arbeit mit jungen Spielern sowie die Art und Weise, wie er sie inspiriert hat.

Aber er hat noch nie mit einem Charakter wie Thomas Müller zusammengearbeitet. Er ist ein Weltmeister, genauso wie Manuel Neuer oder Jérôme Boateng. Sie haben ganz andere Dinge erreicht als die Spieler bei Tottenham.

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Würde Pochettino im Bayern-Kosmos klarkommen?

Pochettino ist ein sehr fähiger Trainer und es wäre sehr spannend zu sehen, wozu er in der Lage sein könnte mit diesen Möglichkeiten und der finanziellen Vormachtstellung eines FC Bayern.

Aber mit dieser Dynamik innerhalb der Klub-Führung hat er nicht viel Erfahrung. Pochettino ist klub-politisch gesehen sehr clever. Erst gegen Ende seiner Zeit bei Tottenham wurde es offenkundig, dass eine Disharmonie hinter den Kulissen besteht.

Meine persönliche Meinung ist, dass er davon profitiert hätte, wenn er bei Tottenham mehr Unterstützung gehabt hätte.

Denn eines seiner Probleme war, dass er zuweilen nicht nur Trainer sein durfte. Neben seiner eigentlichen Tätigkeit hat er sich auch aufgerieben angesichts des Mangels an Transferaktivitäten. Es wäre positiv gewesen, wenn gewisse Jobs auf mehrere Schultern verteilt gewesen wären.

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Darum passt Pochettino besser nach Dortmund

Mit seiner Persönlichkeit passt Pochettino eher zu Borussia Dortmund, weil er ein geborener Underdog ist. Die Art und Weise, wie er ein Spiel angeht, die Taktik, die Emotionen, die er versucht, einem Team einzuimpfen – das passt zu einer Underdog-Situation.

Das hat er in Tottenham gezeigt. Wenn man auf seine fünf Jahre dort zurückschaut, sticht ein Makel aber deutlich ins Auge: Er hat es nicht geschafft, eine Trophäe zu gewinnen. Er war nahe dran, hat Endspiele erreicht, Halbfinals - aber mehr war nicht drin.

Deshalb denke ich, dass ihn Bayern München reizen würde. Dortmund passt zwar zu ihm, ist aber wahrscheinlich Tottenham zu ähnlich. Wenn du als Trainer in seiner Situation eine neue Herausforderung eingehen willst, warum sollte man sich dafür entscheiden?

Ohne Frage würde er aber in beiden Vereinen eine wirklich starke Identität entwickeln.

Premier-League-Insider Seb Stafford-Bloor ist seit 2011 als Freier Journalist in Englands Fußball unterwegs und schreibt unter anderem für das Portal FourFourTwo.

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