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München - In der Bundesliga könnten ab der nächsten Saison auch 16-Jährige auf dem Platz stehen. Manfred Schwabl erklärt bei SPORT1, warum der Schritt überfällig ist.

Der langjährige Mainzer Bundesligaspieler Bo Svensson wüsste bei einer Jobbeschreibung vermutlich selbst nicht, als was er sich angeben sollte: Jugend- oder Erwachsenentrainer?

Der 40 Jahre alte Coach verließ im Sommer 2019 die U19 der Mainzer und wechselte in die zweite österreichische Liga zum FC Liefering. Dort tritt er regelmäßig gegen Herren-Mannschaften an - obwohl er selbst ausschließlich Teenager trainiert.

Kein einziger Profi im Kader des Tabellenzehnten ist vor dem Jahrtausendwechsel geboren, im Durchschnitt ist die Startelf Lieferings 18 Jahre alt. Im Kader stehen sogar drei 16-Jährige, die im deutschen Profifußball noch nicht einmal zum Einsatz kommen dürften.

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"Über die Österreicher lacht man vielleicht immer ein bisschen", sagt Manfred Schwabl, Klubpräsident bei der SpVgg Unterhaching, bei SPORT1. "Aber was das angeht, sind sie uns weit voraus. Und nicht nur Österreich, sondern auch einige andere Länder."

Haching muss Supertalent Adeyemi ziehen lassen

Hierzulande ist gerade eine Diskussion entbrannt, ob die Altersgrenze zur kommenden Spielzeit ebenfalls auf 16 Jahre gesenkt werden soll. Ein entsprechender Antrag dürfte nach einem Bericht von Bild und Welt im März von der Vollversammlung der 36 Klubs im März beschlossen werden. Supertalente wie beispielsweise BVB-Juwel Youssoufa Moukoko dürften dann jetzt schon auf höchstem Level antreten.

Für Schwabl wäre dieser Schritt überfällig. "Ich bin auf jeden Fall ein Verfechter der neuen Altersgrenze, weil es in anderen Ländern auch geht", sagt der frühere Bayern-Spieler, der die Regelung dann auch zügig in der 3. Liga haben will. "Man macht es ja nur, wenn es für den Spieler auch körperlich schon Sinn ergibt. Wenn der Antrag kommt, werden wir als Verein den Antrag an den DFB stellen, mit der 1. und 2. Liga gleichzuziehen. Das wird ein Reflex sein, wie beim Gegenpressing."

Schwabl selbst kennt sich bei diesem Thema bestens aus. Lieferings Topstar heißt Karim Adeyemi. Der deutsche U17-Nationalspieler ist von Red Bull Salzburg ans Farm-Team ausgeliehen - und wurde bei Unterhaching ausgebildet.

Bis 2018 spielte Adeyemi noch bei den Münchner Vorstädtern in der Jugend. In Deutschland konnte ihm Unterhaching allerdings nicht die Perspektive Herrenfußball bieten, zu dieser Zeit durften in der 3. Liga keine Spieler unter 18 eingesetzt werden. Ein Antrag Hachings auf Herabsetzung dieser Grenze auf 17 Jahre war zwar erfolgreich, für Adeyemi aber nicht genug Argument für einen Verbleib.

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Dennoch kann Schwabl nur Gutes über seinen früheren Schützling berichten. "Er ist mit zehn Jahren zu uns gekommen und hat sich sowohl sportlich als auch als Person extrem nach oben entwickelt. Karim hat gerade die Fritz-Walter-Medaille in Gold für außergewöhnliche sportliche und außersportliche Leistungen bekommen und das macht uns als Verein natürlich stolz."

Über Salzburgs Farmteam zu Barca, Liverpool oder BVB?

Beim Farm-Team das österreichischen Meisters sammelte der heute 18-Jährige schon früh Erfahrung im Profifußball, bereits als 16-Jähriger sicherte er sich 2018/19 einen Stammplatz beim Zweitligisten. In der aktuellen Saison stehen in 13 Spielen acht Tore und sieben Assists in seiner Statistik, Adeyemi ist längst im Profifußball angekommen.

Ob der Mittelstürmer den nächsten Schritt in Salzburg macht oder schon im Sommer zu einem absoluten Topkub wechselt, ist offen. Angeblich sind der FC Barcelona, der FC Liverpool und Borussia Dortmund an ihm interessiert.

Adeyemi ist das nächste Tafelsilber des Meisters, Salzburg winkt bei dem 18-Jährigen aufgrund einer fehlenden Ausstiegsklausel eine noch höhere Ablösesumme als bei Erling Haaland, der sich vor wenigen Wochen für 20 Millionen Euro dem BVB anschloss. In den vergangenen fünf Jahren nahm der österreichische Meister 277 Millionen Euro durch Spielerverkäufe ein, die Ausgaben betragen gerade einmal 60 Millionen Euro.

Hat die Bundesliga durch die vergleichsweise hohe Altersgrenze also einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Top-Ligen? Für Schwabl ist das der Fall.

Schwabl: "Es darf keine Tabus geben"

"Die sind in den U-Mannschaften konstant besser, das muss ja irgendeinen Grund haben", erklärt der 53-Jährige. "Es darf bei dem Projekt Zukunft, was Oliver Bierhoff (DFB-Direktor, d.R.) ausgerufen hat, keine Tabus geben. Und für mich gibt es keinen Grund zu sagen, dass man im Ausland bereits mit 16 spielen kann und bei uns nicht."

Dabei ist Österreich sogar noch einen Schritt weiter: Der jüngste Debütant in der österreichischen Bundesliga heißt Marco Hesina und gab 2007 mit 15 Jahren und 165 Tagen sein Debüt.

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Nummer drei in der Liste der jüngsten Debütanten ist Michael Gregoritsch, zurzeit von Augsburg an Schalke verliehen. Der Offensivspieler gab 2010 vier Tage vor seinem 16. Geburtstag sein Profidebüt und traf gleich zum 1:1-Endstand gegen Austria Wien. Damit ist er der jüngste Torschütze in Österreichs Bundesliga überhaupt.

Insgesamt 22 Spieler waren in Österreich bei ihrem Erstligadebüt jünger als Nuri Sahin, der mit 16 Jahren und 335 Tagen der jüngste je in der Bundesliga eingesetzte Spieler war. 

Doch ein frühes Debüt geht nicht automatisch mit einer großen Karriere einher: Im besten Fußballalter von 28 Jahren kickt Hesina derzeit bei Union Innsbruck in der vierthöchsten Liga Österreichs. 

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