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München - Die Abwehr von Borussia Dortmund agiert in dieser Saison wenig überzeugend. Innenverteidiger Manuel Akanji stand zuletzt arg in der Kritik. Zu Recht?

28 Gegentore nach 19 Spielen. Mehr Gegentore kassierte Borussia Dortmund zuletzt in der Saison 2007/08 unter Thomas Doll.

Der Abwehrverbund bleibt die Schwachstelle im BVB-Kader. Das wurde beim 5:3-Sieg am 18. Spieltag gegen den FC Augsburg wieder einmal deutlich sichtbar und erklärt auch das intensive Interesse an Juventus' Defensiv-Allrounder Emre Can. Glücklicherweise läuft es unter Trainer Lucien Favre derzeit in den vorderen Reihen. 51 Tore sind Bestwert seit der Saison 2015/16.

Bei der Betrachtung der Abwehrproblematik scheiden sich besonders an Manuel Akanji die Geister, der in Augsburg bei allen drei Gegentoren nicht die beste Figur abgab. Es waren, freundlich formuliert, nicht die ersten Fehler Akanjis in dieser Saison.

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Dennoch hält Trainer Lucien Favre am Abwehrchef der letzten Saison fest, der diesen Platz in der Teamhierarchie im Sommer an Rückkehrer Mats Hummels hatte abtreten müssen.

In 18 von 19 Spielen durfte Akanji über die gesamte Spielzeit ran, einzig beim enttäuschenden 3:3 gegen den SC Paderborn schaute der Innenverteidiger von der Bank zu. "Ich will nicht über einzelne Spieler sprechen. Insgesamt müssen wir das besser machen. Fehler machen alle", bügelte Favre die nach Augsburg aufkommende Kritik ab.

Akanji ist die agilste Lösung

Kommt Akanji womöglich in der öffentlichen Wahrnehmung schlechter weg als angemessen? Die Zahlen des Datendienstleisters Opta liefern dazu Indizien.

Im Vergleich zu seinen Kollegen Hummels und Dan-Axel Zagadou führte Akanji vor dem 19. Spieltag die wenigsten Zweikämpfe der BVB-Innenverteidiger. Während der Schweizer sechs Mal pro Spiel ins direkte Duell ging, führte Hummels zehn Zweikämpfe, Zagadou neun. Außerdem gewann Akanji nur 60 Prozent dieser Zweikämpfe – ein eher schwacher Defensivwert.

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Überzeugen konnte Akanji im Vergleich zu seinen Mitspielern aber im Punkt "Schnelligkeit". Mit 34,1 km/h war der 24-Jährige in der Spitze fast zwei km/h schneller als Zagadou, Hummels' Bestwert liegt bei 32,9 km/h. Außerdem ist Akanji laut Statistik der passsicherste Part der BVB-Abwehrzentrale.

90 Prozent seiner Zuspiele kommen beim Mitspieler an, bei Hummels sind es nur 86 Prozent. Allerdings zeigt sich dieser viel öfter im Risikospiel, wählt häufiger den öffnenden Ball und hat mit dieser Art des Spiels mit derzeit drei Torvorlagen in dieser Spielzeit.

Wenig Alternativen - kommt Emre Can?

Im aktuellen Kader von Borussia Dortmund fehlt es Trainer Lucien Favre an gleichwertigen Alternativen. Akanji zeigt zwar nicht seine besten Leistungen, es gibt aber auch keinen stabileren Spieler auf der Bank. Zagadou fällt immer wieder durch Unsicherheiten am Ball auf, auch wenn er den ein oder anderen Zweikampf mehr gewinnt. Zum Ende der Hinrunde wusste Zagadou zu überzeugen, fehlte zu Beginn der Rückrunde aber verletzt.

Jungspund Leonardo Balerdi durfte erst zwölf Minuten Bundesligaluft schnuppern und muss erst noch aufgebaut werden.

Weil Akanji nicht gerade überzeugen konnte und die Alternativen rar sind, denkt der BVB über einen Transfer von Emre Can von Juventus Turin nach. Can kann im defensiven Mittelfeld spielen, aber eben auch in der Abwehr.

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Medienberichte über möglichen Winter-Transfer

Zudem ist Akanji aufgrund seiner Laufstärke eine akzeptable Lösung in der Außenverteidigung. Auch deswegen sind die aktuellen Wechselgerüchte um Akanji mit Vorsicht zu genießen.

Vor wenigen Tagen hatte die Sport-Bild berichtet, dass Akanji beim BVB auf der Verkaufsliste für den Sommer stehe. Das Online-Portal Foot Mercato schrieb, der siebenmalige französische Meister Olympique Lyon wolle den Innenverteidiger noch in der Winter-Transferperiode verpflichten.

Am Sonntag schob BVB-Sportdirektor Michael Zorc dieser Diskussion aber einen Riegel vor. "Ich wüsste nicht, was uns veranlassen sollte, Manuel Akanji abzugeben", wird Zorc von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zitiert. Der 2018 für 21,5 Millionen Euro vom FC Basel verpflichtete Nationalspieler mit Vertrag bis 2022 wird schlicht gebraucht. Damit sich an diesem Zustand auch über den Sommer hinaus nichts ändert, täte ihm eine stabile Rückrunde gut.

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