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Thomas Müller läuft wieder zu Bestform auf. Forderungen nach einem DFB-Comeback sind das Ergebnis. Sollte Löw ihn zurückholen? Pro und Contra aus der SPORT1-Redaktion.

Nach starken Leistungen für den FC Bayern ist die Debatte um ein DFB-Comeback von Thomas Müller neu entfacht. Sollte Löw ihn zurückholen?

Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer haben ein Comeback des 30-Jährigen in der Nationalmannschaft zuletzt ins Spiel gebracht. Und auch der Ur-Bayer selbst wäre einem erneuten Engagement keineswegs abgeneigt. 

Im ZDF Sportstudio ließ er nach dem 5:0 gegen Schalke ebenfalls aufhorchen, indem er auf die Olympia-Frage antwortete: "Man will sich ja die Tür nicht zumachen, aber es gibt erst mal noch viele andere Großveranstaltungen im Fußball: das Meisterschaftsfinale, das DFB-Pokalfinale, Champions League und die Europameisterschaft. Da ist noch einiges dazwischen. 'The Show must go on' erst mal hier."

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Ziemlich viel Show liefert Müller seit Wochen wieder auf dem Platz, weshalb der EM-Traum für ihn offensichtlich noch immer lebt.

Die SPORT1-Redaktion ist gespalten, ob Joachim Löw Thomas Müller zurückholen sollte. Das Pro und Contra von Maximilian Miguletz (Verantwortlicher Redakteur) und Carsten Arndt (Redakteur).

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Pro: Thomas Müller hat seinen Biss unter Beweis gestellt

Maximilian Miguletz: Thomas Müller muss wieder für die Nationalmannschaft auflaufen. Wer als deutscher Spieler für den FC Bayern ein Erfolgsfaktor ist, muss eine Option für das DFB-Team sein.

Sportlich liefert Müller nicht erst seit Rückrundenbeginn ausreichend Argumente für sich. Darüber hinaus ist er als Gesicht des deutschen Fußballs in zweierlei Hinsicht wertvoll.

Seit seiner Ausbootung durch Bundestrainer Joachim Löw im März 2019 hat Müller ein Tal durchschritten, sich aufgerafft und in den letzten Monaten nicht nur seine fortwährende Klasse, sondern auch seinen keineswegs schwindenden Biss unter Beweis gestellt.

In den letzten neun Spielen sammelte Müller vier Tore und acht Vorlagen. Über die gesamte Saison gesehen steht er bereits bei zwölf Assists, ist gemeinsam mit Jadon Sancho der Topvorbereiter der Liga – kein Deutscher ist hier besser.

Zudem ist er mit seinen 30 Jahren alles andere als müde und spult bei Bayern die zweitmeisten Kilometer pro 90 Minuten ab (12,04).

SPORT1-Redakteur Maximilian Miguletz
Maximilian Miguletz © SPORT1

Sportlich braucht sich der sechstbeste Scorer der Bundesliga-Historie also nicht vor denen verstecken, die für Löws Verjüngungskur des Nationalteams stehen.

Dass Spieler wie Julian Brandt, Serge Gnabry, Leroy Sané, Leon Goretzka, Timo Werner oder Luca Waldschmidt nachhaltig integriert werden, ist der richtige Schritt.

Dem widerspricht eine Rückkehr Müllers aber nicht. Er wäre eine wertvolle Ergänzung mit viel Erfahrung – und als Raumdeuter stets eine Spezialwaffe in Löws Arsenal.

Die, und das unterscheidet Müller von der nachfolgenden Generation, als eines der wenigen übrig gebliebenen Gesichter des WM-Triumphs 2014 den Gegnern mindestens Respekt einflößt.

Obendrein verzichtet Löw seit zehn Monaten ohne Not auf eine Identifikationsfigur des deutschen Fußballs, die dem von Fan-Kritik geplagten PR-Konstrukt "Die Mannschaft" guttun würde.

Wahrscheinlich ist es nicht, aber der Bundestrainer wäre gut beraten, von der "suggerierten Endgültigkeit" seiner Entscheidung, wie es Müller nannte, abzuweichen.

Löw muss es im Nationalteam wieder müllern lassen.

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Contra: Joachim Löw würde sich unglaubwürdig machen

Carsten Arndt: Thomas Müller mit dem Adler auf der Brust. Den EM-Pokal in den Nachthimmel von London stemmend. Einst ausgebootet, nun der große Held im Finale.

Was für eine Heldenreise. Was für eine romantische Vorstellung. Aber eben auch nicht mehr.

Joachim Löw wird Müller nicht zurückholen - und er tut gut daran.

Dass Müller sportlich noch lange nicht zum alten Eisen gehört, beweist er aktuell beim FC Bayern. Da gibt es wenig zu diskutieren.

Aber die Ausbootung Müllers sowie die seiner Kollegen Jérôme Boateng und Mats Hummels erfolgte nicht primär aus sportlichen Gründen.

Carsten Arndt
Carsten Arndt © SPORT1

Löw hatte erkannt - zugegebenermaßen zu spät - dass er nicht nur die sportliche Ausrichtung (Stichwort Umschaltspiel), sondern auch die Strukturen innerhalb der Mannschaft aufbrechen muss.

In den letzten Monaten war zu sehen - und auch von diversen Nationalspielern zu hören -, dass die Stimmung in der "neuen" Nationalmannschaft herausragend ist, dass der Teamgeist entscheidend auf den frischen Tempofußball des Teams einwirkt. 

Nun ist Müller bekanntermaßen kein Stinkstiefel. Ein "Gute-Laune-Onkel", der einfach nur dabei sein will, wäre er - aufgrund seiner Verdienste völlig zurecht - aber sicherlich auch nicht.

Jeder Mannschaftssportler weiß, wie sensibel ein Teamgefüge ist, und wie schnell es ins Wanken geraten kann.

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Als Löw Müller aus dem Kader strich, sprach er von einer lange gewachsenen Entscheidung.

Holt er das bayrische Aushängeschild nun zurück, handelt er inkonsequent, verliert die Glaubwürdigkeit vor seiner Mannschaft, gefährdet die neu geschaffenen Hierarchien und damit den Prozess des Umbruchs.

Löw hatte das Jahr 2019 als das des Neubeginns ausgerufen und einen radikalen, aber klaren Weg eingeschlagen. Er sollte 2020 nicht plötzlich vom Weg abkommen.

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