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München - Erling Haaland sorgt beim BVB für Erstaunen und Begeisterung. Auch in seiner norwegischen Heimat wird der Hype immer größer - und die Bundesliga wichtiger.

Beeindruckend, großartig, stark.

Fans und Experten stellen Borussia Dortmunds neuem Super-Stürmer Erling Haaland ein außergewöhnliches Zwischenzeugnis aus. Zwei Spiele als Joker, 57 Minuten, fünf Tore. Der Norweger lässt keine Fragen offen.

"Das ist wirklich beachtlich", sagt Haalands Landsmann, der ehemalige Bundesliga-Spieler Kjetil Rekdal, im Gespräch mit SPORT1. "Das liegt daran, dass er sehr intelligent spielt. Er bewegt sich gut und seine Abschlusstechnik ist großartig. Erling kommt immer in eine gute Position, natürlich abhängig von seinen Mannschaftskameraden."

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Der frühere Defensiv-Allrounder von Hertha BSC, heute TV-Experte in Norwegen, schiebt hinterher: "Ich war davon überzeugt, dass er seine Tore machen wird. Aber nach nur zwei Spielen schon fünf Dinger, das ist beachtlich."

Neuer Bundesliga-Boom in Norwegen?

Nicht nur Rekdal ist entzückt von dem langen Schlaks. In Norwegen erlebt die Bundesliga dank des 19-Jährigen einen Boom. Dabei wurde der Blick in den vergangenen zehn Jahren vor allem auf die Premier League gerichtet.

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"Viele Norweger sind Fans von den englischen Topklubs, aber auch von Leeds United", erzählt Rekdal. Der Hype um Haaland sei nun ganz wichtig für Norwegen. Dieser gebe "Mut und Hoffnung. In unseren Jugendzentren wird seit vielen Jahren gut mit den jungen Spielern gearbeitet. Auch, weil kein Geld für Stars da ist."

Und da könnte die Bundesliga in den kommenden Jahren einen deutlich größeren Wert für Norwegen bekommen.

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"Durch Haaland wird die Tür jetzt neu geöffnet", glaubt Rekdal, der von 1994 bis 2000 mit Haalands Vater Alfie in der Nationalmannschaft zusammenspielte. "Wir hatten immer norwegische Spieler in der Bundesliga, aber nicht so viele. Zu meiner Zeit in der Nationalmannschaft standen 20 Spieler in der Premier League unter Vertrag. Jetzt sind es nur wenige."

Norweger bei Hertha BSC angesagt

Bei Hertha BSC gab es in den zurückliegenden Jahren "einige Norweger", erinnert sich Rekdal, aktuell stehen noch Per Skjelbred und Rune Jarstein beim Hauptstadtklub unter Vertrag. Künftig würden auch andere Klubs in Deutschland wieder verstärkt nach Norwegen schauen, ist Rekdal überzeugt, "weil es dort gut ausgebildete und ehrgeizige Spieler gibt. Von der Taktik und der körperlichen Verfassung her passen diese Spieler gut in die Bundesliga."

Haaland sei das Parade-Beispiel - und in Rekdals Augen müsse man lange suchen, "wenn man einen deutschen Spieler mit 19 finden will mit so einer körperlichen Verfassung".

Das sorgt aber auch dafür, dass die norwegischen Top-Talente nicht lange in der Heimat bleiben. Nicht nur Haaland, auch Martin Odegaard, der mit 16 zu Real Madrid wechselte, und Sander Berge, den es mit 19 zu KRC Genk zog, haben Norwegen früh verlassen.

"Die drei haben noch eine schöne Karriere vor sich", kündigt Rekdal an, "und der Nationaltrainer freut sich schon auf sie".

Auch ein anderer Norweger freut sich über den Haaland-Hype: Jörn Andersen, 1990 selbst Torschützenkönig der Bundesliga. Der 56-Jährige ging in Deutschland unter anderem für den 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf auf Torejagd.

Medien fokussieren sich auf Haaland und BVB

"Wenn norwegische Spieler wie Erling Erfolg haben und im Mittelpunkt stehen, dann ist es klar, dass das norwegische Fernsehen mehr darüber berichtet als früher", sagt Andersen bei SPORT1: "Seit Erling in Dortmund ist, fokussieren sich alle Medien bei uns daheim auf ihn und den BVB. Ich denke, dass die Bundesliga dank Erling für mein Land einen höheren Stellenwert bekommt."

Haaland und der BVB - das passt offenbar in jeglicher Hinsicht. Die Entscheidung des Youngsters, nicht direkt aus Salzburg zu einem der allergrößten europäischen Top-Teams zu wechseln, scheint sich auszuzahlen.

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"Der BVB gehört zu den 20 besten Klubs in Europa. Wenn er von Dortmund wieder weggeht, dann nur in die Premier League zu einem Top-Klub, zu Juventus oder nach Spanien zu Real oder Barca", meint Rekdal - und ergänzt: "In Deutschland käme ja nur der FC Bayern infrage."

Noch ist all das jedoch Zukunftsmusik, schließlich ist Haaland gerade erst in Dortmund angekommen. Und Rekdal warnt davor, die Erwartungen in den Himmel wachsen zu lassen. "Es werden auch schwere Tage kommen", prophezeit der 51-Jährige.

Beim BVB werden sie hoffen, dass diese noch einige Zeit auf sich warten lassen. In Norwegen sowieso.

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