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München - Turbulente Tage bei Fortuna Düsseldorf. Erst musste der Trainer gehen, zuletzt erklärte der Sportchef seinen Abschied. Bei SPORT1 spricht der Ex-Torwarttrainer.

Claus Reitmaier hatte sich eigentlich auf die Rückrunde als Torwarttrainer bei Fortuna Düsseldorf gefreut. Doch dann kam alles anders.

Urplötzlich wurde er beurlaubt. Der 55-Jährige, der seine erfolgreichste Zeit als Torwart beim Karlsruher SC und beim VfL Wolfsburg hatte und als Torwarttrainer nach der Karriere unter anderem beim Hamburger SV und beim SC Paderborn arbeitete, fiel aus allen Wolken.

Bei Fortuna ging es kurze Zeit später drunter und drüber. Erst musste Trainer Friedhelm Funkel gehen, am vergangenen Dienstag gab der Verein die Trennung von Sportvorstand Lutz Pfannenstiel im Sommer bekannt.      

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Im SPORT1-Interview spricht Reitmaier, der sich nun um die Nachwuchstorhüter im Klub kümmert, über die turbulenten Tage in Düsseldorf. 

SPORT1: Herr Reitmaier, Sie sind seit der Rückrunde nicht mehr Torwarttrainer bei der Fortuna. Was ist passiert? 

Claus Reitmaier: Am 23. Dezember rief mich Lutz Pfannenstiel an und sagte mir, dass der Trainer nicht mehr mit mir plant. Ich war total überrascht. Es gab keinerlei Anzeichen, beziehungsweise irgendeine Ansage, wenn du das nicht änderst, könnte es sein, dass du gehst. Friedhelm rief mich Anfang Januar an - da war das Team schon im Training - und teilte mir die Entscheidung nochmal mit. In dem Gespräch sagte ich ihm 'Normalerweise sollte man so etwas im Trainerteam ansprechen, wenn irgendwas nicht stimmt', doch er meinte nur 'Du weißt ja selbst, im Fußball ist es manchmal so, dass es nicht passiert.' Da habe ich ihm nur gesagt 'Nein, das kenne ich so nicht'.

SPORT1: Sind Sie enttäuscht von ihm?

Reitmaier: Ja. Das hätte man schon ansprechen können. Und vor allem würde ich alles wieder so machen. Wenn Friedhelm irgendwann gesagt hätte 'Pass auf Claus, sei vorsichtig, mach dies nicht', dann hätte ich mit Sicherheit etwas anders gemacht. Aber das, was ich gemacht habe, war nur im Sinne meiner Torhüter, der Spieler und der Mannschaft. Es ist etwas schiefgelaufen und dagegen habe ich angesteuert und es ging mir einzig und allein um den Erfolg von Fortuna Düsseldorf. Alles andere ist unwichtig. Einzelpersonen sind total nebensächlich. Fortuna ist größer als wir alle.

SPORT1: Ist Lutz Pfannenstiel verantwortlich für den Absturz der Fortuna?

Reitmaier: Auf keinen Fall. Er ist total menschlich. Er hat kein Theater gemacht oder sonst irgendwie hintenrum gearbeitet. Es war angenehm, mit ihm zu arbeiten. Er war eigentlich zu lieb zu allen. Lutz hat mit Sicherheit nichts falsch gemacht, wo man sagen kann, das ist seine Schuld, so dass er jetzt gehen muss. Er hat es mir am Montag mitgeteilt, dass er vielleicht aufhören wird. Ich war total überrascht.

SPORT1: War er nicht nah genug dran an der Mannschaft?

Reitmaier: Er war nicht weniger da als andere Manager, die ich in meiner Karriere erlebt habe. Er hat sich während der Woche immer mal wieder blicken lassen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal einen Manager gehabt hätte - außer in Paderborn - der mit im Trainerbüro saß, der täglich auf dem Platz war. Didi Beiersdorfer beim HSV war auch nicht viel öfter beim Team bzw. auf dem Trainingsplatz wie Lutz. Sie waren ein, zwei Mal die Woche beim Training. Das war völlig normal.

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SPORT1: Sein Entschluss soll rein aus privaten Gründen erfolgt sein...

Reitmaier: Ja, das hat Lutz mir so gesagt. Ich kenne auch die Gründe und das ist absolut in Ordnung.

SPORT1: Wie sehen Sie generell die Situation bei der Fortuna?

Reitmaier: Trainerentlassungen sind oftmals überraschend. Für Friedhelm war es offensichtlich ebenso überraschend wie für mich. Der Verein hat ihn nicht vorgewarnt und ebenso ist Friedhelm ja mit mir verfahren. Dass der Verein auch so gehandelt hat, verurteile ich aber nicht, weil es dafür andere Gründe gibt. Wenn es nicht läuft und die Erfolge ausbleiben, dann ist es leider oft so, dass der Trainer gehen muss.

SPORT1: Kann man den Rauswurf von Funkel kritisieren?

Reitmaier: Dass man von außen Kritik üben kann, ist klar, aber wenn man näher dabei ist, ist das schon verständlich, weil es nicht mehr so gut lief. Selbst, wenn ein Trainer super Arbeit macht, dann muss er manchmal weg, damit frischer Wind in die Truppe kommt. Und das war wichtig für die Mannschaft. Jeder muss sich unter Rösler neu beweisen. Jeder fängt bei null an. Das war keine Fehlentscheidung. Die ersten Spiele waren sehr gut, da war neue Euphorie da. Zwar stimmte die Punkteausbeute natürlich nicht, aber es war aber auf jeden Fall wieder Feuer drin. So ist der Klassenerhalt absolut zu schaffen. Ich drücke auf jeden Fall alle Daumen.

SPORT1: Spüren Sie Genugtuung, dass Funkel auch gehen musste?

Reitmaier: Nein, warum? Ich will nur, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Uwe Rösler (Funkels Nachfolger, d. Red.) macht es sehr gut, es läuft auf jeden Fall wieder besser und es ist mehr Leben in der Mannschaft. Das ist das Wichtigste. Die Jungs müssen in der Liga bleiben. Das wünsche ich ihnen von ganzen Herzen, weil ich sie alle mag. Ich habe zu jedem immer noch einen super Draht. Sie vermissen mich alle. Jetzt müssen mal drei Punkte eingefahren werden. Was ich immer wieder gehört habe und überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, wenn es heißt, dass die Truppe nicht die Qualität hat, um in der Liga zu bleiben. Wenn man es aber immer wieder betont, dann glauben es die Spieler irgendwann, dass sie zu schlecht sind.

Claus Reitmaier (r., neben Friedhelm Funkel) startete nach seiner aktiven Zeit als Keeper 2007 seine Karriere als Torwarttrainer
Claus Reitmaier (r., neben Friedhelm Funkel) startete nach seiner aktiven Zeit als Keeper 2007 seine Karriere als Torwarttrainer © Imago

SPORT1: Gibt es ein Zurück für Sie?

Reitmaier: Keine Ahnung. Ich bin noch im Verein, wurde ja nicht rausgeworfen, so dass noch eine Tür offen ist. Das wurde auch so kommuniziert. Ich bin da entspannt. Ich mache meinen Job bei der U19, das macht mir großen Spaß. Das funktioniert auch sehr gut. Dennis Gorka, der nächstes Jahr zu den Profis kommen wird, arbeitet schon seit zwei Jahren unter mir. Mein Sohn ist auch dabei. Er ist bei der Fortuna in der U16. Mit ihm trainiere ich ein, zwei Mal in der Woche ebenso auch mit einigen anderen Nachwuchstorhütern, um sie weiter zu bringen.

SPORT1: Funkel sagte im CHECK24 Doppelpass, dass ein Grund für seine Beurlaubung war, dass den Bossen nicht gepasst hätte, dass er in den vergangenen Jahren das Gesicht der Fortuna war. Stimmt das?

Reitmaier: Nein. Definitiv nicht. Die Vereinsführung mit Röttgermann und Lutz, das sind keine Leute, die unbedingt im Mittelpunkt stehen wollen. Dass Friedhelm gehen musste, war einzig und allein dem Misserfolg geschuldet und nicht, weil er zu sehr das Gesicht der Fortuna war.

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SPORT1: Wird es nochmal ein Gespräch zwischen ihnen geben?

Reitmaier: Nein. Dazu gibt es keinen Grund.

SPORT1: Wollen Sie nochmal zurück auf die Bundesligabühne als Torwarttrainer?

Reitmaier: Ich habe vor zwei Jahren in Mönchengladbach ein Haus gekauft, da ziehe ich jetzt nicht mehr um. Meine Familie soll auch nicht mehr hin und her ziehen. Fortuna ist immer noch eine Herzensangelegenheit für mich. Ich war zwar immer ein großer Gladbach-Fan, aber danach kommt die Fortuna. 

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