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Berlin und München - Die Pressekonferenz der Hertha-Bosse entwickelt sich zu einer knallharten Abrechnung mit Jürgen Klinsmann. SPORT1 erklärt, wie es beim "Big City Club" weitergeht.

Für einen kurzen Moment herrschte um 11.30 Uhr im Pressesaal von Hertha BSC Unklarheit über die Sitzordnung.

Mit Präsident Werner Gegenbauer, Investor Lars Windhorst und Geschäftsführer Michael Preetz war das Podium zwei Tage nach dem überraschenden Rücktritt von Cheftrainer Jürgen Klinsmann prominent besetzt. Mit Windhorst in der Mitte, flankiert von Gegenbauer und Preetz fanden schließlich alle drei ihre Plätze.

Es folgten über 50 Minuten Klartext. Die Hertha-Bosse machten dabei keinen Hehl daraus, von Klinsmanns Rücktritt "kalt erwischt" (Gegenbauer) worden zu sein - und konterten die vor allem am Mittwochabend via Facebook geäußerten Vorwürfe des 55-Jährigen.

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SPORT1 hat die Kernaussagen der denkwürdigen Pressekonferenz zusammengestellt und zeigt, wie es mit Klinsmann und dem Hauptstadtklub weitergeht.

Wie geht es mit Klinsmann bei Hertha weiter?

In seiner Rücktrittserklärung schrieb Klinsmann am Dienstag, dass er sich "wieder auf meine ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen" werde.

Doch daraus wird nichts! "Rein technisch ist Herr Klinsmann derzeit nicht Mitglied im Aufsichtsrat, weil sein Mandat ruht. Und er wird nicht mehr in den Aufsichtsrat berufen", betonte Windhorst am Donnerstag.

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Der Unternehmer machte dabei seine Enttäuschung über Klinsmanns "Kurzschlusshandlung" deutlich. "Leider ist die Art und Weise des Abgangs so unakzeptabel, dass wir im Sinne des Vereins eine zielführende und konstruktive Zusammenarbeit nicht fortführen können."

Präsident Gegenbauer meinte, Klinsmann habe "damit nicht nur Hertha BSC, sondern auch das gemeinsame Projekt verlassen".

Vor diesem Hintergrund scheint eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft, wenn sich die Wogen geglättet haben, unrealistisch – gänzlich ausschließen wollte Windhorst aber nichts: "Ich schlage die Tür nicht zu, ich schlage auch niemanden k.o."

Was sagen Preetz und Co. zu Klinsmanns Vorwürfen?

Dass der Manager am Spielfeldrand sitze und seine Kommentare zu den Spielern oder den Schiedsrichtern abgebe, habe Klinsmann "unglaublich aufgestoßen".

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Das wollte Preetz so nicht stehen lassen und sprach von Dingen, "die wir nie miteinander besprochen haben. Wenn möglicherweise Problemfelder auftreten und es Konfliktsituationen gibt, bin ich es gewohnt, diese miteinander zu besprechen und gemeinsam zu lösen. Das kann man nicht, wenn man sich umdreht und davonläuft."

Investor Windhorst warf Klinsmann im Zusammenhang mit dessen Rücktritt kindisches Verhalten vor. "Das kann man als Jugendlicher machen, aber nicht im Berufsleben unter Erwachsenen, wo man Vereinbarungen zu erfüllen hat."

Klinsmanns Vorwurf eines fehlenden Vertrags konterte Gegenbauer: "Natürlich gab es mündlich einen Arbeitsvertrag seit dem 27.11. und seit dem 2.12. lag ihm auch ein schriftlicher Arbeitsvertrag als Cheftrainer vor."

Wer wird jetzt Cheftrainer der Hertha?

Alexander Nouri, bisher Co-Trainer, übernimmt den Posten als Chefcoach.

"Wir werden mit Alex Nouri, Markus Feldhoff und seinem Trainerteam in die nächsten Wochen gehen. Wir haben schwere Aufgaben und müssen punkten. Sie verdienen die volle Unterstützung, wir sind gemeinsam überzeugt, dass wir die nötigen Punkte holen werden", bekräftigte Preetz.

Der von Klinsmann ausgemusterte Torwarttrainer Zsolt Petry kehrte zuvor bereits wieder in den Betreuerstab der Profimannschaft zurück. Auch "Performance Manager" Arne Friedrich behält seinen Posten.

Eine langfristige Lösung ist Nouri aber offenbar nicht. Aktuell laute jedenfalls das Primärziel Klassenerhalt, betonte Preetz: "Darüber hinaus ist es die Aufgabe für den Sommer die Nachbesetzung der Cheftrainerstelle vorzunehmen."

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Es gelte, einen Cheftrainer zu finden, "der mit uns die Ziele der nächsten Jahre angeht, der ambitioniert ist und der hier richtig etwas bewegen kann", ergänzte Preetz - ohne Namen zu nennen.

Der kicker berichtete, dass der ehemalige Bayern-Trainer Niko Kovac weiterhin sein Wunschkandidat sein soll.

Geraten das Projekt "Big City Club" und Windhorsts Investitionen in Gefahr?

Als Unternehmer sei er Rückschläge gewohnt, meinte Windhorst. Das Projekt "Big City Club" ist nach Klinsmanns Rückzieher aber nicht gescheitert.

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"Das sind kurzfristige Momentaufnahmen, die keinen Einfluss auf eine Zehn- oder Zwanzig-Jahres-Strategie haben", sagte Windhorst. Der 43-Jährige hatte im vergangenen Sommer für 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der Klub-Anteile erworben und stellte der Hertha in den kommenden Jahren weitere Millionen in Aussicht.

"Das Ziel ist kurzfristig - aufgrund der Lage der letzten Monate - der Klassenerhalt", erklärte Windhorst. "Das Ziel nächstes Jahr ist Europa. Das langfristige Ziel ist auch klar: Wir müssen uns in Europa etablieren."

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