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Karl-Heinz Rummenigge verurteilt die Schmähungen gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp scharf und schämt sich. Der Bayern-Boss fordert ein Umdenken. Die Stimmen.

Bayern-Fans haben mit Schmähungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp für einen Skandal gesorgt.

Die Partie stand kurz vor dem Abbruch, am Ende siegte Bayern 6:0 - doch das war Nebensache.

In der Schlussphase nach der Unterbrechung schoben sich die Spieler beider Mannschaften gegenseitig den Ball zu, sorgten somit für ein Novum.

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Die Verantwortlichen der Bayern und der Hoffenheimer gehen von einer im Vorfeld abgesprochenen Aktion unter Ultra-Gruppierungen der Liga aus. Dafür sprechen auch die zeitgleichen Schmähungen gegen Hopp beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem SC Freiburg.

Karl-Heinz Rummenigge verurteilte die Aktionen, die zu einer Spielunterbrechung führten, scharf und kündigte Konsequenzen an.

SPORT1 fasst die Stimmen zu dem Spiel zusammen:

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern): "Ich schäme mich zutiefst aus Sicht des FC Bayern für die Chaoten. Jetzt ist der Moment gekommen, wo der DFB und alle Verantwortlichen gegen diese Chaoten vorgehen müssen. Ich schäme mich und entschuldige mich, aber es ist eigentlich nicht zu entschuldigen. Das ist das ganz hässliche Gesicht des FC Bayern München. Wir werden mit aller Schärfe gegen diejenigen vorgehen, die heute den FC Bayern diskreditiert haben. Wir haben alles mitgefilmt und werden die Leute zur Rechenschaft ziehen. Mit dem heutigen Tag muss ein Umdenken stattfinden. Die ganze Bundesliga, die DFL und der DFB müssen zusammenstehen und gegen diese Chaoten vorgehen. Wir haben viel zu lange die Augen zugemacht."

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Hansi Flick (Trainer FC Bayern): "Ich wusste, dass vielleicht etwas geplant ist. Wir haben mit unserem Fanbeauftragten versucht diesen Aktionen entgegenzuwirken. So etwas kommt leider immer wieder vor. Trotz der Kontrollen bekommen sie solche Plakate ins Stadion. Das geht einfach nicht."

Jérôme Boateng (Spieler des FC Bayern): "Leider ist das Ergebnis heute in den Hintergrund gerückt. Wir stehen für einen respektvollen Umgang, Menschlichkeit und ein Miteinander im Fußball und in unserer Gesellschaft. Starkes Zeichen von beiden Mannschaften."

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Thomas Müller (Spieler des FC Bayern): "Ist das der Fußball, den wir wollen? NEIN! Gebt Hetzkampagnen, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und allen anderen Anfeindungen keine Chance. Aus Liebe zum Spiel! Für mehr Toleranz in unserer Gesellschaft!"

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Rosen: "Es wurde eine Grenze überschritten"

Alexander Rosen (Sportdirektor TSG Hoffenheim): "Ich muss ein Kompliment an die Schiedsrichter, die vernünftigen Fans und an die Spieler des FC Bayern aussprechen. Es wurde eine Grenze überschritten, die wir so nicht durchgehen lassen können. Es geht hier gegen eine Person und um einen Klub, aber hauptsächlich geht es um einen Menschen. Respekt an die Solidarität von Karl-Heinz Rummenigge."

Dr. Peter Görlich (Geschäftsführer TSG Hoffenheim): "Ich muss ein Kompliment an die Schiedsrichter aussprechen, die das mit einer wirklichen Ruhe und Souveränität durchgezogen haben. Kompliment aber auch an das Publikum und natürlich an den FC Bayern, die dafür Verständnis hatten und diese Situation gut erkannt haben. Hier wurde eine Grenze überschritten, wo wir uns als Fußball-Deutschland solidarisch zeigen müssen und sollten. Das war ein Zeichen für den Umgang auf dem Fußballplatz bis runter in die Amateurligen. Wir können als Zuschauer sehr viel dazu beitragen, dass wir solche Dinge schon im Keim ersticken. Es geht hier gegen eine Person, einen Klub - aber am Ende des Tages geht es gegen einen Menschen. Da braucht man Empathie und Feingefühl, das haben die Spieler und die Zuschauer. Deshalb war das ein hervorragendes Zeichen, wo sich Fußball-Deutschland solidarisieren kann und sollte."

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... zu Rummenigge und Hopp am Spielfeldrand: "Ich finde es zum einen sehr traurig, dass diese zwei Personen, die für den deutschen Fußball so viel getan haben, am Spielfeldrand stehen müssen, in so einer Situation. Ich würde mir eher wünschen, dass es ein wunderbares Spiel ist. Aber es freut mich natürlich auch, dass jemand wie Rummenigge eine solche Solidarität an den Tag legt und gemeinsam mit Dietmar Hopp diese schweren Minuten durchsteht."

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DFL-Boss Seifert: "Dafür gibt es keine Entschuldigung"

Christian Seifert (DFL-Geschäftsführer): "Die permanenten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp sind schon lange nicht mehr hinnehmbar und auf das Schärfste zu verurteilen. Wir haben diesbezüglich heute einen traurigen Höhepunkt erlebt. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Alle Beteiligten - Spieler, Schiedsrichterteam und die Verantwortlichen von Bayern München und der TSG Hoffenheim sowie sehr, sehr viele Stadion-Besucher - haben in dieser Situation vorbildlich gehandelt und damit ein klares Signal an einige selbsternannte Herrscher über die Fußball-Kultur gesetzt, derartige Entgleisungen nicht mehr zu dulden. Dies muss der Anspruch des gesamten deutschen Profifußballs sein."

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Dietmar Hamann (Sky-Experte): "Da muss sich die ganze Liga zusammensetzen, damit wir diese Leute aus dem Stadion bekommen. Es kann nicht sein, dass 20, 50 oder 100 dieser Chaoten ein Spiel an den Rande eines Abbruchs bringen. Das kann und darf nicht toleriert werden. Ein beschämender und trauriger Tag. Auf der anderen Seite aber auch ein absoluter Gänsehautmoment für mich, als Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel mit Dietmar Hopp auf den Platz geht, sich beim Schiedsrichtergespann bedankt, alle Spieler von Bayern und Hoffenheim gehen in die Kurve, Hopp-Gesänge im Stadion. Das ging von einem der schwärzesten Momente zu einem der schönsten Momente innerhalb einer Viertelstunde."

"Es braucht Maßnahmen, dass es nicht so weit kommt. Wir können in Zukunft keine Banner dieser Art dulden, ein-, zwei-, dreimal - und erst dann wird das Spiel abgebrochen. Das mag möglicherweise jetzt für die Übergangsphase ok sein - aber in Zukunft ist es keine Lösung, dass diese Schmäh-Plakate zweimal gezeigt werden können. Man darf diesen Leuten keine Plattform geben."

Zorc und Kehl verurteilt Hopp-Schmähungen in Dortmund

Auch die Partie von Borussia Dortmund gegen den SC Freiburg (1:0) wurde wegen Schmähgesängen gegen Hopp zu Beginn der zweiten Halbzeit unterbrochen.

Michael Zorc (Sportdirektor Borussia Dortmund): "Das hat bei uns im Stadion nichts zu suchen. Wir können uns nur mit aller Kraft distanzieren. Bisher hat es die Bundesliga nicht in den Griff bekommen. Wir haben einen Punkt erreicht, der nicht mehr zu tolerieren ist. Das ist scheiße"

Sebastian Kehl (Leiter Lizenzspielerabteilung Borussia Dortmund): "Über Konsequenzen habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. der Schiedsrichter hat das Spiel unterbrochen, so wie es auch besprochen war. Es gibt ja einen Drei-Stufen-Plan, der auch so an die Vereine kommuniziert wurde. Es wurde kurzfristig unterbrochen aufgrund einzelner Schmähungen, die in unserem Stadion nichts verloren haben und gegen die wir uns als Klub in der Vergangenheit schon mehrfach klar positioniert haben. Es gibt hier keinen Raum für solche Themen. Deswegen hat der Schiedsrichter hier richtig unterbrochen und dann hat sich das Spiel weiter fortgesetzt."

... über einen grundsätzliche Beschädigung des Fußballs: "Natürlich verändert sich die Welt ein wenig. Es sind ein paar Themen, die uns auch nachdenklich machen. Natürlich haben wir auch ein paar Themen auf den anderen Plätzen mitbekommen, das beunruhigt ein wenig. Aber noch mal: Wir haben uns als Klub klar positioniert. Es gibt keinen Raum hier bei Borussia Dortmund für persönliche Anfeindungen, egal ob sie nach irgendeiner Hautfarbe oder Religion zu bewerten sind. Wir stehen hier für Vielfalt bei Borussia Dortmund und deswegen finden wir es nicht in Ordnung."

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Streich: "Ein großes gesellschaftliches Problem"

Christian Streich (Trainer SC Freiburg): "Dass heute ein Spiel unterbrochen wurde, weil Menschen diffamiert werden, das ist in unserer Zeit ein großes gesellschaftliches Problem. Was über das Netz verbreitet wird und wie Menschen miteinander umgehen, ist absolut inakzeptabel. Wir sind in schwierigen Zeiten, wir haben einen Rechtsruck, der bedenklich ist in ganz Europa. Es ist furchtbar, was in den letzten zehn Monaten in diesem Land passiert ist. Es werden Menschen wegen ihres Glaubens angegriffen, ein Politiker in diesem Land wurde erschossen, dann ist das in Hanau passiert, wo Menschen in einer Shisha-Bar sind und über den Haufen geknallt werden. Es ist schrecklich, was passiert. Und Fußball hat ein gewichtiges Wort. Genauso muss gehandelt werden. Wenn Menschen beleidigt werden, die einen anderen Glauben oder eine andere Hautfarbe haben, müsste man einfach vom Platz runtergehen und nicht mehr weiterspielen. Denn es gibt Wichtigeres als Fußball."

Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach): "Mir fällt es nach dem Spiel gerade schwer, Lösungsvorschläge zu bringen. Ich denke, dass auch Bayern und Hoffenheim eine Reaktion gezeigt haben, wie wir Sportler uns das vorstellen. Wir wollen hier Fußballspiele sehen, wir wollen Spaß am Spiel haben, wir wollen Kontrahenten versuchen zu schlagen und nicht solche Schmähplakate oder Hetzjagden starten. Das wollen wir nicht im Stadion. Das scheint momentan ein tief-gesellschaftliches Problem zu sein, das ist traurig. Ich würde mir wünschen, dass wir im Stadion wieder das sehen, was wir über Jahrzehnte geschätzt haben, nämlich Freude, Spaß oder Trauer, wenn man verloren hat, an diesem Spiel. Und nicht diese Bühne nutzt, um irgendwelche schwachsinnigen Gedanken nach außen zu tragen."

... zu möglichen Lösungsansätzen innerhalb der Liga: "Natürlich werden wir uns darüber Gedanken machen. Die Frage ist, ob diese Kollektivstrafe in Dortmund richtig war, wenn man das Wort gegeben hat und wieder zurückgerudert ist. Wie hat man es dann kommuniziert? Wir müssen uns alle hinterfragen, müssen uns zusammensetzen. Wir müssen versuchen, das Problem zu lösen. Wir sind ja nicht die Ursache, die Ursache ist außerhalb des Platzes. Das sind Menschen, die mit gewissen Dingen nicht einverstanden sind und das in einer gewissen Art und Weise kundtun, mit der wir uns alle nicht anfreunden können. Aber ich würde mir wünschen, dass wir die Solidarität in der Bundesliga haben und da einen Weg fänden, wieder ein sauberes Stadion zu haben."

Jochen Schneider (Sportvorstand FC Schalke 04): "

„Ich habe auch die Rufe gegen Hopp von unseren Schalkern gehört. Ich kann das nicht nachvollziehen. Hopp, Nübel – ich weiß nicht, wo das alles hinführen soll. Wir sind in unserer Gesellschaft auf einem schlimmen Weg. Und wir im Fußball sind da leider ganz vorne dabei. Ich habe leider keine große Hoffnung. Da ist nicht nur die Bundesliga gefragt oder die Vereine, sondern insbesondere auch die Fans, weil ich stell mir schon die Frage: Da sind 3000 Leute in dem Block drin, wo ist der Selbstreinigungsprozess? Wo sind die Menschen, die danebenstehen, die dann sagen: Hör auf mit dem Müll, wir wollen das nicht! Sie lassen das geschehen und machen sich damit auch schuldig. Das ist so was von sinnbefreit. Der Veranstalter oder die Vereine tun sich natürlich ein Stück schwer. Es gibt diesen Dreistufenplan, heute ist es bis zur Stufe zwei gegangen. Das ist wie mit der Kindererziehung. Wenn ich meinem Kind zwei Mal drohe, dass was passiert und am Ende passiert nichts – was bringt das?

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