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München - Marcel Reif spricht in seiner SPORT1-Kolumne über die Coronakrise, 50+1 und die Zukunft des Fußballs. Auch zu Watzke hat der SPORT1-Experte eine klare Meinung.

Hallo Fußball-Freunde,

eines vorneweg in dieser Coronakrise: Mir fehlt der Fußball, ich will mein normales Leben zurück. Aber wie geht es nun weiter? Dass Beratungen der DFL stattfinden, ist gut - man muss ja eine gemeinsame Linie finden. Wir werden es mitgeteilt bekommen, wann wir wieder mit Fußball beginnen können.

Doch was die Zukunft angeht - der Fußball, wie wir ihn kennen, wird nicht mehr derselbe sein. Vor allem mit Blick auf das Finanzielle: Es wird zu einer Bereinigung kommen. Es gibt Klubs mit Investoren, die Geld haben, weil sie es kriegen. Andere dagegen nähen alles auf Naht.

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Und das wird so nicht funktionieren. Irgendwann müssen wir uns klar machen: Wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Dann allerdings musst du auch das Recht vereinheitlichen. Du kannst nicht sagen, wir machen andere Arbeitsverträge als im Rest Europas. Bei so einer Lösung, kannst du den internationalen Profi-Fußball vergessen.

Ich spreche mich nicht für die Aufhebung von 50+1 aus, ich sage nur: es ist ein Modell. Wenn sich Paris einen Neymar für 222 Millionen leisten kann, stellt sich diese Frage für Paderborn jedenfalls nicht.

Um es zu präzisieren: Ich bin überzeugt, nur 50+1 wird die Lösung nicht sein. Aber wenn wir von vornherein sagen, wir wollen auf gar keinen Fall 50+1, ist das auch nicht die Lösung.

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Ich gebe zu: Ich bin Fußballromantiker. Ich habe aber auch das Gefühl, dass die Dinge auseinanderdriften. Ich fürchte, Fußball als Kulturgut unter einem Dach gibt es nicht mehr lange.

Ich glaube, dass sich der Fußball in Sparten aufsplitten wird. Es wird ein amerikanisches Modell geben, zumindest an der Spitze des Profifußballs. Da wird 50+1 dann nicht mehr furchtbar wichtig sein - siehe die NBA oder NFL, die sich um 50+1 keine Gedanken machen, weil sie eh alle von Investoren unterstützt werden.

Da drunter jedoch wird es wieder einen anderen Fußball geben. Soll heißen: Vereine wie der FC Paderborn und der FC Bayern haben dann nichts mehr miteinander zu tun.

Ergibt es auf Dauer also überhaupt einen Sinn, dass sie noch in einer Liga spielen?!

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Manch einer hat hierzu nun bereits von einem Solidarfonds gesprochen, mit dem sich Bundesliga-Klubs in der Krise gegenseitig helfen könnten. Da steigt ein Hans-Joachim Watzke bei Borussia Dortmund aus dem Sessel. "Wir sind auch im Wettbewerb", hat er gesagt. Das mag inhaltlich nicht falsch sein - aber es war in diesem Moment von Watzke der falsche Moment, in der Stunde der Solidarität.

Bis demnächst,

Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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