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München - Dietmar Hopp wird von den Fans des FC Bayern übel beleidigt. Der Mäzen der TSG Hoffenheim wird zum wiederholten Mal Ziel von Anfeindungen, doch woher kommt das?

"Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen", sagte Dietmar Hopp am Sonntag, einen Tag nach den denkwürdigen Ereignissen rund um das Bundesligaspiel in Sinsheim, zu SPORT1.

Wenn der Mäzen der TSG Hoffenheim einen Grund für die heftigen Anfeindungen gegen seine Person sehen würde, dann wäre es für ihn leichter, die Schmähungen zu verstehen, die er nicht zum ersten Mal über sich ergehen lassen musste.

Das Heimspiel der Hoffenheimer gegen den FC Bayern war mit einem einzigartigen Nichtangriffspakt geendet, nachdem die Partie zuvor wegen geschmacklosen Plakaten und üblen Beschimpfungen der Gäste-Fans zwei Mal unterbrochen werden musste.

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Die Hetze der Bayern-Ultras hatte ein Ziel: Hopp, der mehrmals den Tränen nahe war. Doch woher kommt der blanke Hass, der dem 79-Jährigen schon lange entgegenschlägt?

Hopp ist das Gesicht der Kommerzialisierung

Alles begann im Jahr 2008, dem Jahr, in dem den Hoffenheimern der Aufstieg in die Bundesliga gelungen war. Dank des Engagements des SAP-Gründers Hopp entwickelte sich der Dorfklub, bei dem Hopp früher selbst noch in der Kreisliga gespielt hatte, schnell zu einem Europapokal-Teilnehmer.

Bei vielen Fans gilt Hopp seitdem als Zerstörer des romantischen Fußballs und bekommt das in den deutschen Stadien zu spüren. Sie sehen in ihm einen Mann, der mit seinem Privatvermögen den Erfolg eines Vereins gekauft hat, der keine Fußballtradition besitzt. Er ist das Gesicht des großen Feindbilds der Ultra-Szene: der Kommerzialisierung des Sports.

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Schon vor dem Erfolg der TSG gab es Werksklubs wie Bayer Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg. Für die Fans scheinen sie allerdings nicht so greifbar zu sein, weil hinter ihnen ein großes Unternehmen steht. Ein einzelnes Gesicht ist nicht auszumachen.

Mit RB Leipzig kam für die Ultras zwar ein weiteres Feindbild hinzu, da war der Hass gegen Hopp aber schon zu einem ihrer Markenzeichen geworden. Das hat auch noch einen anderen Grund.

Kollektivstrafen entfesseln Zorn der Ultras

Als Hopp in einem Spiel von Fans Borussia Dortmunds erstmals lautstark als "Hurensohn" bezeichnet wurde, nahm er dies persönlich. "Meine Mutter war eine ehrbare Frau", ließ er nach der Partie wissen und stellte Anzeige gegen die Übeltäter.

"Ich finde, dass sich Herr Hopp von Beginn an nicht sonderlich geschickt verhalten hat", verriet der freie Journalist und Ultra-Experte Christoph Ruf bei SPORT1. "Wenn er die ersten Rufe aus der Dortmunder Kurve ignoriert hätte, würden wir schon lange nicht mehr über dieses Thema reden. Weder über Kollektivstrafen noch über Spielabbrüche oder Sonstiges."

Ruf, der sich als Buchautor eingehend mit der Ultra-Szene beschäftigt hat, führt weiter aus: "Die Fans haben gemerkt: 'Ah der reagiert so. Dann machen wir das weiter.'" Die Folge: Der DFB griff mit Kollektivstrafen durch.

Den Fans des BVB wurde für zwei Spiele der Besuch der Begegnungen bei Hoffenheim verboten. Der Gäste-Fanblock blieb in diesen Partien leer. Besonders brisant: Der DFB hatte den Fans zuvor versprochen, keine Kollektivstrafen mehr auszusprechen.

"Das hat dann kaum noch ein Fan verstanden. Jetzt ist Hopp also das Symbol für Kollektivstrafen", erklärte Ruf SPORT1. "Jetzt solidarisieren sie sich damit und sagen: Was soll passieren? Will man uns alle ausschließen?"

Die Hetze gegen Hopp ist also gleichzeitig als heftige Kritik am DFB zu verstehen, bei der sich die verschiedenen Fan-Lager verbrüdern, wie es an diesem Wochenende deutlich wurde. Die Ultras wissen, dass sie durch die Anfeindungen gegen Hopp Aufmerksamkeit generieren können.

"Das ist auf jeden Fall koordiniert", meint Ruf: "Die Ultra-Szenen haben auch in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie, wenn sie ein gemeinsames Anliegen haben, Rivalitäten und Feindschaften ruhen lassen können."

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Hopp als Wohltäter

Dass die Ultras Hopp für ihre eigenen Interessen diskreditieren, ist für den Geschäftsmann wahrlich schwer zu verstehen. Was sie dabei ignorieren ist das Lebenswerk Hopps, der rund 800 Millionen Euro in gemeinnützige Zwecke investiert hat. Doppelt so viel, wie er in die TSG Hoffenheim gesteckt hat.

"Eigentum verpflichtet, steht im Grundgesetz. Reichtum noch viel mehr", sagte Hopp kürzlich der Rhein-Neckar-Zeitung. Er hat das Krankenhaus in seiner Geburtsstadt Heidelberg gestiftet, seine "Dietmar Hopp Stiftung" realisiert gemeinnützige Projekte und sein Engagement für den Klimaschutz ist allgegenwertig.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge nannte Hopp nach den Anfeindungen am Samstag einen "Ehrenmann", DFB-Präsident Fritz Keller verteidigte Hopp im ZDF eindrucksvoll: "Herr Hopp hat viel Vermögen verdient - durch harte Arbeit. Er gibt das ganze Vermögen für Sport, für soziale Projekte, für Medizin aus. Und dafür wird man an den Pranger gestellt? Wo sind wir hingekommen in diesem Land?

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