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München - Schon in gut einer Woche geht es in der Bundesliga wieder los. Die Sportmediziner Michael Lehnert und Evren Atabas erklären bei SPORT1 die Risiken der kurzen Vorbereitung.

Die Fußballfans freuen sich auf den Neustart der Bundesliga. Doch wie steht es eigentlich um die Spieler?

Vorfreude auf Fußball werden wohl alle Profis nach der langen Unterbrechung der Liga verspüren. Viel Zeit, sich auf den Ernstfall Bundesliga vorzubereiten, haben sie allerdings nicht.

Das wirft die Frage auf, ob sie überhaupt ihr gewohntes Niveau erreichen können und inwieweit auch Gefahren durch Verletzungen auf sie zukommen. 

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Subotic: Angst vor Verletzungen

Wegen der extremen Belastung für die Profifußballer ist nach einer kurzen Vorbereitung auf den Wettbewerb gerade die Sorge um körperliche Folgen ein großes Thema. 

"Wir sind alle bereit, aber wir müssen in Betracht ziehen, dass wir als Spieler jetzt ein großes Risiko aufgebürdet bekommen haben - mit Blick auf die Belastung", erklärte beispielsweise Neven Subotic von Union Berlin bei BBC World Service. Er fürchtet Verletzungen durch das straffe Restprogramm, gerade in Teams, deren Kader nicht auf englische Wochen ausgelegt ist.

Sportmediziner Dr. Michael Lehnert teilt im Gespräch mit SPORT1 diese Sorge. "Man muss davon ausgehen, dass es eine höhere Anfälligkeit für muskuläre Verletzungen geben kann", glaubt er. Lehnert war Mannschaftsarzt des Frauen-Teams des VfL Wolfsburg und ist seit Jahren für die ärztliche Betreuung der Bundesliga-Mannschaft von Turbine Potsdam verantwortlich.

"Das Verletzungsrisiko ist natürlich höher"

Eine große Gefahr sieht der Mediziner in der Ermüdung der Spieler, die früher einsetzen könnte, als dies normalerweise der Fall ist. Daraus könnten vermehrt Verletzungen des vorderen Kreuzbandes auftreten. "Da sehe ich eine erhebliche Gefahr. Das sind schwere Verletzungen."

"Das Verletzungsrisiko ist natürlich höher", pflichtet ihm Dr. Evren Atabas, Leiter des Moduls Sportmedinzin an der Sporthochschule Köln, bei SPORT1 bei: "Ich glaube aber nicht, dass es massiv erhöht ist."

Man müsse beachten, dass es um "Profisportler geht, die eine gewisse Grundfitness haben", wie es Atabas ausdrückt: "Durch ihre Betreuer werden sie schon adäquat vorbereitet sein."

Trainer Achim Beierlorzer vom 1. FSV Mainz 05 betont auf SPORT1-Nachfrage, dass die Spieler ja nicht komplett frei hatten ("Das war jetzt keine Sommerpause"), räumt aber ein, dass es nach so langer Zeit ohne Mannschaftstraining Defizite gibt und erklärt: "Wir haben jetzt eineinhalb Wochen, um diese Zweikampf-Gewöhnung wieder hinzubekommen. Ich bin überzeugt, dass die Spieler da schnell wieder reinkommen."

"Teams brauchen normalerweise vier Wochen"

"Die Herausforderung für das Trainerteam ist sehr groß", meint Atabas. Gerade im Zusammenspiel könnte sich die Pause bemerkbar machen.

Lehnert vergleicht die Zeit jetzt mit der Saisonvorbereitung, in der die Mannschaften im Normalfall schon einige Testspiele absolvieren. "Die Teams brauchen normalerweise um die vier Wochen, um auf einem guten spielerischen Niveau zu sein", sagt Lehnert

So viel Zeit haben die Bundesliga-Teams jetzt bei weitem nicht. Testspiele wird es ohnehin nicht geben.

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Klubs fürchten Wettbewerbsverzerrung

Atabas arbeitet unter anderem als Berater von Spitzensportlern auf internationalem und nationalem Niveau. Er stimmt Lehnert mit Blick auf die kurze Vorbereitung zu: "Ich glaube nicht, dass in zwei Wochen das Trainingsniveau erreicht werden kann, das in einer normalen Vorbereitung von sechs bis acht Wochen erreicht wird. Eine volle Leistungsfähigkeit ist bestimmt nicht da."

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Es ist daher nicht komplett überraschend, dass erste Stimmen laut wurden, die eine Wettbewerbsverzerrung befürchten.

Nicht nur Mainz hätte sich eine längere Vorbereitung gewünscht, auch Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann gab schon vor der DFL-Mitgliederkonferenz zu bedenken: "Aus Bundesliga-Sicht wäre es wünschenswert gewesen, dass man in Bezug auf das Mannschaftstraining für die minimale Vorbereitung auf die Restsaison gleiche Bedingungen gehabt hätte. Es wäre wichtig gewesen, dass man zumindest zwei Wochen Mannschaftstraining gehabt hätte, weil die Unterschiede davor doch deutlich waren."

Das Niveau könnte geringer sein

"Keiner kann sich nach einer zweimonatigen Unterbrechung ideal vorbereiten", räumte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert auf der Pressekonferenz am Donnerstag ein. Darunter könnte auch das Niveau leiden.

Zuletzt hatte Gladbachs Christoph Kramer in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Vermutung geäußert, dass allen Spielern ab der 80. Minute die Puste ausgehen könnte. 

An der körperlichen Fitness dürfte das aber nicht liegen, da die Spieler sich mit individuellen Trainingsplänen fit halten konnten und sich auch schon wieder im Lauftraining befinden. Trotzdem könnte Kramer mit seiner Einschätzung recht haben.

"Fußballspezifische Fitness kann Problem werden"

"Die fußballspezifische Fitness kann zum Problem werden. Diese kann ich allein, in einem individuellen Training nicht trainieren", erklärt Lehnert: "Der Fußball zeichnet sich durch häufige Tempowechsel und schnelles Abstoppen aus." 

Die körperliche Belastung auf einen Fußballer erläutert er anhand des Vergleichs mit einer anderen Sportart: "Fußball ist nicht Biathlon, wo man am Samstag einen Zehn-Kilometer-Wettkampf abhalten kann und am Sonntag dann noch einen über 15 Kilometer. Im Biathlon ist es eine gleichförmige Belastung. Im Fußball ist das durch diese schnellen Wechsel von Belastung und Entlastung anders und kann problematisch werden."

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"Ich glaube, dass es ein bisschen holprig sein kann, sich das Niveau aber nur minimal unterscheidet", bremst Atabas die Befürchtungen. "Ich rechne nicht damit, dass die Profis großartig eingeschränkt sind."

Alle Antworten gibt es ab dem 16. Mai, wenn der Ball wieder rollt.

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