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Gelsenkirchen - Schalke 04 spielt in der Offensive so mies wie zuletzt vor mehr als einem halben Jahrhundert - und das aus vielerlei Gründen. Vor allem ein Name sticht negativ heraus.

Die 0:4-Pleite im Derby bei Borussia Dortmund war für Schalke 04 der Tiefpunkt einer bisherigen Grusel-Rückrunde.

Mit Blick auf die sportliche Leistung in der zweiten Saisonhälfte spielen die Königsblauen wie ein Absteiger. Die Knappen holten nur sieben Punkte aus neun Spielen und erzielten vier mickrige Treffern – nur Augsburg, Bremen und Paderborn sind schlechter.

"Wir haben eine viel höhere Qualität und müssen das jetzt schnellstmöglich auch in die Spiele transportieren", war Trainer David Wagner nach der BVB-Klatsche um Wiedergutmachung bemüht.

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Ob er nach dem Re-Start ins Teamtraining denn gezielt an den Schwachstellen in Angriff und Abwehr gearbeitet hatte, wurde Wagner nach dem Derby-Debakel gefragt. Seine kurze und knappe Antwort: "Ja!"

Schalkes Offensive historisch schlecht

Beim Debakel in Dortmund war das allerdings nicht unbedingt erkennbar. Die Schalker hatten nicht den Hauch einer Chance, waren gegen die giftigen und zweikampfstarken Dortmunder körperlich unterlegen und nach vorne total harmlos.

Allen voran im Angriff hapert es zurzeit gewaltig. Schalkes Offensive ist sogar historisch schlecht. Vier Tore in den ersten neun Rückrundenspielen – so wenige Treffer erzielten die Knappen zuletzt vor 54 Jahren. In der starken Hinrunde hatte Schalke gegen die gleichen Gegner noch 14 Tore erzielt.

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Doch nicht nur das: Schalke blieb in Dortmund im fünften Auswärtsspiel in Folge torlos und schoss alle 15 Auswärtstore in der Hinrunde. Nur im Herbst 1972 gab es für Königsblau eine längere Serie dieser Art (6 Spiele).

Das 0:4 in Dortmund war schon die vierte dicke Packung für den Revierklub in der Rückserie nach Bayern und Leipzig (je 0:5) sowie Köln (0:3).

Chancenverwertung enorm eingebrochen

Warum drückt vor allem im Angriff derart der Schuh? SPORT1 hat in Zusammenarbeit mit Datenanbieter Opta auf die schwache Offensive geschaut.

Schossen die Schalker in der Hinrunde noch 1,7 Tore pro Spiel, sind es aktuell nur 0,4.

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Erschreckend: Sowohl die Chancenverwertung (6 Prozent) als auch die Großchancenverwertung (9,1) gingen in der Rückrunde deutlich zurück – ligaweit sind das Tiefstwerte für das Jahr 2020. Zum Vergleich: In der Hinrunde waren es noch 17,5 und 36,4 Prozent.

Auch die Laufleistung ging um drei Kilometer pro Partie zurück! Tiefpunkt war die Minus-Leistung im Derby. Da liefen die Blau-Weißen gerade mal 107,8 Kilometer – niedrigster Wert am 26. Spieltag!

Burgstaller Europas zweitschlechtester Stürmer

Die Offensivschwäche ist allerdings kein Zufall. In Benito Raman, Michael Gregoritsch und Guido Burgstaller enttäuschten zuletzt alle Stürmer.

Burgstaller schoss sein letztes Bundesliga-Tor vor mehr als einem Jahr! Der 31-jährige Routinier gab in 1148 torlosen Minuten 35 Schüsse ab – so viele wie kein anderer Stürmer.

In Europas Top-5-Ligen gab mit David McGoldrick von Sheffield United nur ein Stürmer mehr Schüsse ohne Torerfolg ab (36) als der Österreicher.

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Seine bislang 24 Ligatore für Schalke schoss Burgstaller allesamt aus dem Strafraum heraus. Nur: Futter bekommt er von seinen Teamkollegen momentan nicht. 199 Flanken schlug Schalke aus dem Spiel heraus in dieser Saison – wieder ein ligaweiter Minuswert!

Auch in der Vorsaison, in der Burgstaller nur vier Tore erzielte, lagen die Knappen in dieser Kategorie auf Rang 17.

Gregoritsch nur ein Strohfeuer

Raman, in der Hinrunde mit vier Treffern und drei Vorlagen noch total im Aufwind, bleibt im Jahr 2020 hinter den Erwartungen zurück. Der Sommer-Zugang (kam von Fortuna Düsseldorf) hängt oft in der Luft, was auch am mangelnden Zusammenspiel mit den Kollegen liegt.

Winter-Zugang Gregoritsch (aus Augsburg ausgeliehen) netzte beim 2:0-Rückrundenauftakt gegen Gladbach, ab dann kam aber nichts mehr von ihm. In den letzten beiden Spielen saß der Österreicher nur auf der Bank.

Schalke hat ein echtes Sturmproblem! Viele Fans würden deshalb Eigengewächs Ahmed Kutucu gerne mal von Anfang an sehen. Der 19-Jährige kommt in dieser Runde auf 17 Kurzeinsätze (drei Tore, zwei Vorlagen).

Vor der Saison gingen die Stürmer Breel Embolo und Mark Uth. Während Embolo (sieben Tore, fünf Vorlagen) in Gladbach gefällt, überzeugt Uth beim 1. FC Köln. Auf Schalke fand Uth in 28 Ligaspielen (nur zwei Tore, 1 Assist) nie zu seinem Spiel. In der Domstadt dagegen blüht der Leih-Stürmer auf, war in acht Spielen für die Geißböcke immer mindestens an einem Tor beteiligt (fünf Tore, vier Vorlagen).

Harit und Todibo fallen aus

Schalke muss sich die Frage gefallen lassen, warum Embolo und vor allem Uth bei S04 nicht funktionierten.

Klar ist auch: Schalke fehlt der Plan B. Das erfolgreiche Hinrunden-System wurde von vielen Gegnern entschlüsselt. Zu viel hängt von Top-Torjäger Suat Serdar (sieben Treffer) und Marokko-Star Amine Harit ab.

Während Serdar in der Rückrunde vier Spiele verletzt fehlte, tauchte Harit total ab.

Und der fällt neben Abwehrspieler Jean-Clair Todibo im ersten Geister-Heimspiel gegen den FC Augsburg (So., 13.30 Uhr im LIVETICKER) nun "bis auf weiteres", wie der Klub bekannt gab, wegen eines Innenbandanrisses im Knie aus.

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Caligiuri: Der Kopf spielt eine Rolle

Defensiv-Mann Weston McKennie fordert: "Das Augsburg-Spiel ist wichtig für uns, weil wir eine Reaktion zeigen wollen." Und Flügelspieler Daniel Caligiuri, der um einen neuen Vertrag kämpft, sagt: "Der Kopf hat in Dortmund eine Rolle gespielt. Wir müssen das Spiel so schnell wie möglich abhaken und nach vorne schauen."

Viel Hoffnung macht die aktuelle Situation aber nicht.

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