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Salomon Kalou hat mit einem Kabinen-Video für einen Eklat in der Bundesliga gesorgt. Jetzt meldet sich der suspendierte Hertha-Profi zu Wort - und sagt sorry.

Mit seinem Live-Video schockte Salomon Kalou die Bundesliga.

Im Exklusiv-Interview mit SPORT1 entschuldigt sich der Star-Stürmer, der vom Trainings- und Spielbetrieb suspendiert wurde - und blickt auch gleich auf die letzten sechs Jahre bei Hertha BSC und die Zeit mit Jürgen Klinsmann zurück.

SPORT1: Herr Kalou, was denken Sie einen Tag später über ihr Live-Video?

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Kalou: Ich möchte mich an der Stelle aufrichtig entschuldigen: Es war ein großer Fehler! Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich alle respektiere und niemanden in Schwierigkeiten bringen wollte.

SPORT1: Viele Menschen werfen Ihnen Ignoranz und leichtfertigen Umgang mit dem Coronavirus vor.

Kalou: Ich war gut drauf an dem Tag und wollte die Fans mit auf meinen Weg zum Training nehmen. Deshalb habe ich schon aus dem Auto heraus gefilmt. Ich mag es, in direktem Kontakt mit den Fans zu sein und Fragen zu beantworten. Es war im Übrigen mein erstes Live-Video dieser Art. Ich wollte das mal ausprobieren und den Fans zeigen, wie es bei uns so abläuft. Der Unterschied zu einem normalen Video, das du postest, ist eben, dass du keine Zeit hast, das hinterher in Ruhe anzusehen. Du kannst hinterher nicht mehr auf Details achten, auf verschiedene Blickwinkel. Wenn du live bist, musst du einfach vorsichtiger sein. Das habe ich wirklich unterschätzt.

SPORT1: In dem Video geben Sie Fitnesscoach Henrik Kuchno die Hand, begrüßen ihre Mitspieler per Handshakes und platzen auch noch in den Corona-Test von Jordan Torunarigha rein. Clever war das nicht, oder?

Kalou: Klar ist, dass ich niemanden mit diesem Video in Schwierigkeiten bringen wollte. Ich hätte einfach mehr aufpassen sollen. Wer steht hinter mir? Wen filme ich? Was wird gesagt? Gerade mit Blick auf die aktuelle Situation ist das nicht gut gewesen. Hiermit möchte ich aber auch erwähnen, dass wir zuvor allesamt negativ auf das Coronavirus getestet wurden. Ich wollte zeigen, dass es uns allen gut geht, dass bei uns alles okay ist und wir Spieler und Mitarbeiter, die getestet wurden, wohlauf sind. Darum geht es in diesen Zeiten ja: Gesund und glücklich sein.

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SPORT1: Hertha BSC hat Sie mit sofortiger Wirkung vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt. Sind Sie verärgert darüber?

Kalou: Ich habe mich sofort danach bei allen entschuldigt. Ich respektiere meine Teamkollegen. Sie sind in all den Jahren wie Brüder für mich geworden. Mit vielen habe ich lange zusammengespielt. Mit Peka (Peter Pekarik, Anm.d.Red.) zum Beispiel hatte ich fünf wunderschöne Jahre in Berlin. Sie wissen, wer ich in Wirklichkeit bin. Bei ihnen kann ich mich nur aufrichtig entschuldigen. Sie haben mir aber zu verstehen gegeben, dass sie wissen, dass es keine böse Absicht von mir war. Es ist mir wichtig, dass meine Brüder mir verzeihen. Wir haben schließlich viele heiße Duelle zusammen auf dem Platz ausgetragen. Ich hatte jedenfalls eine tolle Zeit bei Hertha.

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SPORT1: Nach sechs Jahren läuft Ihre Zeit in Berlin ab. Hätten Sie sich ein schöneres Ende gewünscht?

Kalou: Natürlich. Aber daran bin ich selbst schuld. Ich trage die Verantwortung für diesen dummen Fehler.

SPORT1: Sind Sie sauer?

Kalou: Ich bin nicht sauer oder wütend. Nein. Ich weiß, wer ich wirklich bin. Ich weiß, dass ich ein guter Mensch bin. Ich helfe den Menschen, setze mich gerade auch mit meiner Stiftung für hilfsbedürftige Menschen in Afrika ein. Darüber hinaus möchte ich auch erwähnen, dass ich in all den Jahren bei Hertha meinen Teamkollegen geholfen habe. Vor allem den jungen Spielern stand ich immer mit voller Unterstützung zur Seite und habe versucht, meine Erfahrung weiterzugeben.

SPORT1: Sie haben mit Chelsea die Champions League gewonnen, waren Afrikameister und haben in 151 Bundesligaspielen 48 Tore für Hertha gemacht. Gerade mit Blick auf Ihre Erfahrung hat das Video doch überrascht.

Kalou: Nochmal: Das Video wurde im falschen Moment gemacht.

SPORT1: Sind Sie traurig über Ihr Ende bei der Hertha?

Kalou: Ich respektiere die Entscheidung des Vereins. Es geht hier nicht um mich, sondern um Hertha, die Fans und die Mannschaft. Ich möchte nicht in den Schlagzeilen stehen und zum Thema der Medien werden.

SPORT1: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die letzten sechs Jahre in Berlin zurück?

Kalou: Ich habe viele tolle Leute kennengelernt, die immer für mich da waren - auch in schwierigen Zeiten. Ich habe für einen großartigen Klub in einer wundervollen Stadt gespielt. Ich kann sagen, dass ich eine sehr gute Zeit hatte. Wenn ich den Fehler rückgängig machen könnte, würde ich es tun. Ich hoffe auf ein Happy End.

SPORT1: Im Winter hatten Sie sich über fehlenden Respekt der Verantwortlichen beklagt. Hatte sich das zuletzt geändert?

Kalou: Ich muss etwas loswerden: Bruno Labbadia kam hierher nach Berlin mit seinem Team und hat uns alle sofort gepusht. Er hat mir geholfen, dass ich mich wieder aufraffe, mich fokussiere und mein Bestes gebe. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Wenn ich morgen spielen müsste, wäre ich topfit und motiviert. Das war zuletzt nicht immer so. Ich habe mich in den letzten Monaten nicht immer wertgeschätzt gefühlt.

SPORT1: Jürgen Klinsmann hatte über Sie geschrieben: "Zu alt, satt und ohne Mehrwert". Wie finden Sie das? Hatten Sie hinterher Kontakt zu ihm?

Kalou: Nein, wir hatten keinen Kontakt mehr. Ich möchte auch nichts Negatives über ihn erzählen, möchte mich dazu nicht äußern. Jürgen Klinsmann ist ein großer Name und ich respektiere ihn für das, was er als Spieler erreicht hat. Es gibt aber Momente im Leben, in denen man nicht so gut mit Menschen zurechtkommt. Ich wünsche ihm jedenfalls alles Gute.

SPORT1: Wie sind Ihre Pläne jetzt?

Kalou: Das kann ich zurzeit nicht sagen. Das ist alles noch viel zu früh. Im Leben kann alles passieren. Das Wichtigste ist, dass wir alle gesund sind. Ich nehme das Virus jedenfalls sehr ernst, auch wenn mein Video vielleicht nicht den Eindruck gemacht hat. Ich werde mich jetzt Zuhause fithalten und dann sehen wir weiter. Parallel dazu werde ich meine Kraft in meine Stiftung stecken. Darüber haben wir kürzlich wieder 20.000 Masken an meine Heimat gespendet.

SPORT1: Gesetzt den Fall, die Saison geht wieder los, was trauen Sie Hertha zu?

Kalou: Zunächst einmal hoffe ich, dass bald wieder gespielt wird. Das wäre für viele Menschen in dieser schwierigen Situation wichtig. Der Fußball gibt den Leuten Kraft. Ich bin auch von einem Re-Start überzeugt, weil die Pläne der Liga gut sind. Meinen Teamkollegen drücke ich ab jetzt die Daumen. Wir haben in den letzten vier Wochen hart gearbeitet. Die Jungs sind bereit, zu spielen und die Klasse zu halten. Sie sollen es genießen, wenn es wieder losgeht.

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