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München - Sven Ulreich ist auch von der Ersatzbank unermüdlicher Antreiber. Die Corona-Krise schließt seinen Verbleib nicht aus, seine Wechsel-Gedanken aber bleiben.

Null Einsatzminuten stehen für Sven Ulreich in der laufenden Saison zu Buche. Zur kommenden Spielzeit wechselt Alexander Nübel von Schalke 04 zum FC Bayern, während Ulreichs eigener und noch bis 2021 laufender Vertrag wohl nicht verlängert wird.

Von Frust und Resignation ist beim derzeitigen Neuer-Vertreter aber nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil, denn durch die Hellhörigkeit in den landesweiten Arenen wurde seit dem Re-Start umso deutlicher, dass der 31-Jährige auch abseits des Rasens aktiv ist - verbal und teilweise mit vollen Körpereinsatz verfolgt er das Spielgeschehen seiner Mitspieler.

"Das ist bei mir sehr situationsabhängig. Ich versuche immer am Spiel teilzunehmen, auch, wenn ich auf der Bank sitze. Ich möchte mein Team anfeuern und pushen", sagt Ulreich im Gespräch mit SPORT1.

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"Vor allem bei den Geisterspielen ist es wichtig, dass Input von außen kommt", erklärt der frühere Stuttgarter. "Es ist sogar hilfreich, denn mit entscheidenden Kommandos kann man seine Mitspieler coachen. Durch die Geisterkulisse hört man uns von außen nun viel besser."

Sven Ulreich: "Ich bin die Zwei"

Dass Ulreich im Zuge von Neuers Vertragsverlängerung und dem Nübel-Transfer zuletzt auffällig oft von zahlreichen Experten und vor allem von seinem Cheftrainer gelobt wurde, hat Ulreich mitbekommen.

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"Ich bin nicht die Eins, ich bin die Zwei", sagt er über seine Rolle. "Ich habe meine klare Aufgabe beim FC Bayern und die versuche ich bestmöglich umzusetzen. Natürlich wird mir das Lob zugetragen. Es freut mich, dass mein Auftreten und meine bisher gezeigten Leistungen von den Experten geschätzt wird. Aber vor allem von Hansi Flick. Darauf kann ich mich aber nicht ausruhen, denn ich muss jeden Tag im Training meine Leistung zeigen", sagt Ulreich.

Und er fügt ehrlich hinzu: "Es ist nicht einfach, wenn man gar nicht spielt. Das muss ich zugeben."

Nahezu unvorstellbar ist für ihn daher die Perspektive, beim FC Bayern in der kommenden Saison nur noch die Nummer drei zu sein, bei Pflichtspielen der Bayern also nicht mal auf der Bank sitzen zu dürfen.

Sind Hertha, Augsburg und Schalke Kandidaten?

Aber auch Ulreich weiß: Die Corona-Krise wirbelt den Transfermarkt mächtig durcheinander. Sogar sein Verbleib in München ist möglich. "Vorstellbar ist alles. Vor allem in der aktuellen Situation weiß man nicht, was sich noch alles ergibt", sagt Ulreich auf seine Zukunft angesprochen.

"Aber klar ist auch, dass ich in der kommenden Saison nicht die Nummer drei sein möchte. Ich werde versuchen, einen neuen Verein zu finden. Wenn sich aber nichts Passendes ergeben sollte, ist es möglich, dass ich meinen Vertrag in München erfülle. In diesem Fall werde ich mich voll reinhängen, um die Nummer zwei zu bleiben."

Mit anderen Worten: Ulreich scheut den Konkurrenzkampf mit Nübel nicht. Vereine wie Hertha BSC, der FC Augsburg oder Schalke 04, die allesamt einen neuen Torwart suchen, dürften Ulreich aber längst auf dem Zettel haben.

"Zukünftig würde ich mich über mehr Einsätze freuen"

Sein Berater Jürgen Schwab sondiert längst den Markt. Auch er wird wissen: Bei Union Berlin und im Falle des Aufstiegs auch beim VfB Stuttgart und dem Hamburger SV wird es im Sommer ebenfalls zu Bewegung zwischen den Pfosten kommen.

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Damit beschäftigen will sich die wohl beste Nummer zwei der Liga aber nicht. "Zukünftig würde ich mich über mehr Einsätze freuen. Man muss aber realistisch sein: Beim FC Bayern ist das zukünftig eher nicht möglich", so der zweifache Familienvater, dem es wichtig ist zu betonen, "dass ich nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich in München sehr wohlfühle. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und mit den Bayern die Saison erfolgreich bestreite, schließlich haben wir das ganze Jahr für unsere Ziele gekämpft."

Bis es soweit ist, hofft Ulreich aber zunächst, einen Haken hinter die aktuelle Saison zu machen: "Wir wollen der erste Corona-Meister der Bundesliga werden!"

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