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Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke macht im CHECK24 Doppelpass aus seiner Unzufriedenheit zum Saisonabschluss keinen Hehl. Der Auftrag für Trainer Lucien Favre sei nun klar.

Mit einer Nacht Abstand ist Hans-Joachim Watzke schon wieder gefasst. Auch wenn der Geschäftsführer von Borussia Dortmund im CHECK24 Doppelpass bei SPORT1 keinen Hehl daraus macht, dass er nach dem 0:4 zum Saisonabschluss gegen Hoffenheim "ziemlich geladen" war und die kommende Analyse nicht unbedingt harmonisch werde.

Vorwürfe aus Wolfsburg, wonach der BVB durch mangelnde Einstellung Wettbewerbsverzerrung betrieben habe, konterte Watzke indes harsch: "Wenn ich selber 0:4 verloren hätte, würde ich einfach die Klappe halten. Wenn sie gegen uns gewonnen hätten, wären sie auch durchgewesen. Haben sie aber nicht geschafft, also sollen sie lieber ruhig sein." So muss Wolfsburg anstatt Hoffenheim in die Qualifikation zur Europa League.

Die Klappe hielt Watzke im CHECK24 Doppelpass unterdessen nicht – und bezog ausführlich Stellung: welches Duo der Titelgarant bei den Bayern ist, wie die Borussia die Dominanz der Münchner doch brechen will und wie es um die Zukunft der BVB-Juwelen wie Jadon Sancho und Erling Haaland steht. 

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SPORT1 fasst Watzkes Aussagen zusammen. 

Watzke über...

das 0:4 gegen Hoffenheim: Die Einstellung stimmte nicht. Ich war gestern Abend ziemlich geladen. Der Schlüssel für die gestrige Leistung lag in der letzten Woche gegen Leipzig. Wir wollten RB unbedingt zeigen, wer die Nummer zwei in Deutschland ist. Das hat geklappt, aber hat zu einem extremen Spannungsabfall geführt. Gestern war eine Nichtleistung, da muss man sich fast schon für entschuldigen. Wir werden das morgen analysieren, das wird weniger harmonischer als hier. 

die Saison: In der Bundesliga sind wir Zweiter geworden, gegen Paris in der Champions League kann man ausscheiden. Der Pokal war indiskutabel, das muss man sagen.

"Favre kann mit den Vorurteilen aufräumen"

den Abschied von Mario Götze: Mario ist alt genug, der weiß, was er macht. Wir haben eh keinen Einfluss mehr. Er hat mich nicht gefragt, da hätte er mir auch sagen müssen, was auf dem Tisch liegt. Mir ist der Kontakt zur Mannschaft durch Corona ziemlich verloren gegangen. Ich konnte nicht mehr in die Kabine, es gab nur noch Telefon. Bei der Verabschiedung hatte ich sogar Angst, ihn zu umarmen. Da gibt es sofort einen Shitstorm, weil man gegen das Gesundheitskonzept verstößt. Wir hatten sogar Masken an, da geht jede Emotion verloren. 

Trainer Lucien Favre: Gestern hätte jeder Trainer der Welt dieses Spiel verloren, weil es an der Mannschaft lag. Gegen Leipzig haben wir mit dem Trainer eines der besten Spiele der letzten Jahre gemacht. Lucien Favre ist mit uns zweimal Vizemeister geworden und hat noch Vertrag. Die Vorurteile gibt es medial, damit kann er in der nächsten Saison aufräumen.

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Neuzugang Thomas Meunier: Wir haben ihm gesagt: Wenn du in der Champions League spielen möchtest, ist das okay. Im Viertelfinale der Champions League geht der richtige Fußball los. Wenn er das will, müssen wir mit Paris die Rahmendaten aushandeln. Er ist noch am Überlegen und wir werden versuchen, das mit Paris zu lösen. Er hatte eine so lange Pause, dass ihm der Urlaub zum Halse raushängt. Er ist ausgeruht und könnte nach den CL-Spielen bei uns einsteigen. Das ist für uns von der Vorbereitung ein bisschen schlechter. Wenn ein Spieler so was möchte, muss man das mit einfließen lassen.

"Keinen Cent Corona-Rabatt"

Haaland und Sancho: Ein Wechsel steht bei Haaland vollkommen außerhalb jeder Diskussion. Wenn Jadon auf uns zukommt und sagt, ich möchte unbedingt weg - was bisher nicht der Fall gewesen ist - und ein Verein das zahlen will, was wir wollen, dann werden wir das besprechen. Ich glaube nicht, dass ein Verein kommt und die Summe zahlt. Da gibt es auch keinen Cent Corona-Rabatt drauf. Wir haben die Phase hinter uns gelassen, wo wir Spieler verkaufen mussten. Ich glaube nicht, dass es da einen Transfer im Sommer geben wird. Wir haben nächstes Jahr eine Situation, die untypischer ist als sonst. Mit Ausnahme von Achraf Hakimi wird die Mannschaft zusammenbleiben. Das hilft bei der Entwicklung.

Bayerns Dominanz: Ich war bei den letzten Meisterschaften, die Bayern nicht gewonnen hat, dabei. Ich wage die steile These, dass den Unterschied von damals zu heute zwei Spieler ausmachen: Manuel Neuer und Robert Lewandowski. Wir waren damals nicht so viel besser als heute, aber Bayern ist heute dramatisch besser als damals. Das ist die Wahrheit.

Solange Bayern 82 Punkte holt, wird es für jede andere Mannschaft schwierig. Es muss das Ziel sein, sie in den direkten Duellen zu schlagen. Als wir die letzten beiden Titel geholt haben, haben wir alle vier Spiele gewonnen. Wir wissen, dass Robert Lewandowski druckresistenter ist als Erling Haaland. Er ist in seinem Alter aber wahrscheinlich schon weiter als Robert in diesem Alter. Wir haben noch sehr viele Spieler, die wir weiterentwickeln müssen, damit sie diese Mentalität kriegen.

mögliche Titel: Wir sind in diesem Jahrzehnt fünfmal Vizemeister und zweimal Meister geworden. Der kollektive Frust, dass Bayern immer Meister wird, richtet sich immer gegen uns. Das ist für uns ein Problem. Es kann noch lange dauern, es kann auch nicht so lange dauern. Wir haben jetzt alle Jürgen Klopp bejubelt. Bei Liverpool hat es 30 Jahre gedauert und sie waren auch in der Zeit dazwischen immer ein großer Klub und haben sich nicht aufgelöst. Ich hoffe, dass es nicht so lange dauert bei uns.

RB Leipzig: Ich komme mit den handelnden Personen in Leipzig hervorragend aus. Sie haben nicht uneingeschränkt Geld zur Verfügung. Die Verantwortlichen haben da super Arbeit geleistet, das ist einfach so. Das Konstrukt ist eine andere Sache. Wir haben 160.000 Mitglieder, da kann dir jeder die Meinung sagen. Das ist vielleicht altmodisch, ich finde es aber schön. Es gibt andere Modelle und vielleicht ist das bei Leipzig die Zukunft. Ich liebe das andere halt.

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