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München - Mehrere Bundesliga-Profis senden eine Botschaft zum Tod von George Floyd durch Polizeigewalt. Vom DFB droht aber eine Strafe. Rainer Koch erklärt den Grund dafür.

Weston McKennie, Jadon Sancho, Achraf Hakimi und Marcus Thuram: Sie alle ernteten für ihre Solidaritätsbekundungen mit dem durch Polizeigewalt in den USA ums Leben gekommenen George Floyd am Wochenende viel Lob.

Zumindest den drei Erstgenannten könnte nun aber Ungemach drohen: Während Gladbachs Thuram sich nach seinem Tor zum 2:0 gegen Union Berlin bei seinem Kniefall für eine stille Botschaft entschied, trugen der Schalker und die beiden BVB-Profis ihre Botschaft gegen Rassismus deutlich sichtbar auf ihrer Ausrüstung - was eigentlich verboten ist.

"Der Kontrollausschuss des DFB wird sich im Laufe der nächsten Tage dieser Angelegenheit annehmen und den Sachverhalt prüfen", kündigte der Vorsitzende des Kontrollausschusses, Anton Nachreiner, am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur an.

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Koch bemüht sich, Wogen zu glätten

DFB-Vizepräsident Rainer Koch bemühte sich am Montagnachmittag, die Wogen zu glätten und verwies auf dfb.de auf die grundsätzliche Aufgabe des Kontrollausschusses, "die Einhaltung der Satzung und Ordnungen des DFB zu überwachen und bei Verstößen den Sachverhalt zu überprüfen."

Bei diesen Überprüfungen gehe es auch darum festzustellen, "ob das Spiel und das Spielfeld der richtige Ort für diese Handlungen sind." Weiter erklärte Koch: "Ob es in den vorliegenden Fällen zu Sanktionen kommen muss, bleibt abzuwarten."

In der DFL-Richtlinie zu Spielkleidung und Ausrüstung heißt es in Paragraph 36: "Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt." Unions Geschäftsführer Oliver Ruhnert sagte dazu: "Wenn der Kontrollausschuss dagegen ermittelt, dann muss man sich fragen, ob wir noch die gleichen Werte haben. Es geht um ein globales Thema: Dem Nein zu Rassismus."

DFB-Präsident Fritz Keller zeigte grundsätzliches Verständnis für die Aktionen der Spieler: "Ich habe großen Respekt vor Spielerinnen und Spielern, die Haltung haben und ihre Solidarität zeigen, solche mündigen Spielerinnen und Spieler wünsche ich mir, auf sie bin ich stolz." Moralisch könne er die Aktionen am vergangenen Wochenende "absolut verstehen. Was in den USA passiert ist, kann niemanden kalt lassen."

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McKennie mit Armbinde "Justice for George"

McKennie trug bei Schalkes 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen eine Armbinde mit der Aufschrift "Justice for George", Sancho und Hakimi entblößten beim 6:1-Erfolg in Paderborn jeweils ein T-Shirt mit der Aufschrift "Justice for George Floyd".

In einem ähnlichen Fall hatte der DFB 2014 beim damaligen Kölner Anthony Ujah jedoch ein Auge zugedrückt.

Nach dem Tod von Eric Garner, der am 17. Juli 2014 bei seiner Festnahme durch die Polizei in New York ums Leben gekommen war, zeigte Ujah beim Torjubel ein T-Shirt mit der Aufschrift "Eric Garner #cantbreathe #justice".

Der DFB ermittelte, verzichtete jedoch auf eine Strafe - und kündigte lediglich für den Wiederholungsfall eine Sanktion an.

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