Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Mainz - Die Causa Adam Szalai hat die Welt von Mainz 05 erschüttert. Die Profis haben ein Statement gesetzt, Trainer Achim Beierlorzer hat so keine Zukunft mehr beim FSV.

Wenn Sportvorstand Rouven Schröder sich zu Beginn einer Pressekonferenz rund neun Minuten Zeit nimmt und über eine Situation referiert, dann ist vor einem ganz normalen Bundesligaspieltag etwas Denkwürdiges passiert.

Statt sich erstmals wieder über rund 3.000 Fans gegen den VfB Stuttgart zu freuen, stand nur ein Thema im Mittelpunkt: Der Spielerstreik! Am Mittwochnachmittag haben sich die Spieler des FSV Mainz 05 mit ihrem suspendierten Mitspieler Adam Szalai solidarisiert und sind nicht auf den Trainingsplatz gegangen.

"Für uns alle, die Fußball lieben und leben, ist eine Sache passiert, die sehr unangenehm ist. Auch nach einer Nacht ist uns bewusst geworden, dass es eine einzigartige Situation ist", gab Schröder offen zu.

Anzeige

Werde Deutschlands Tippkönig! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden  

Beierlorzer ist endgültig angezählt

Eine schnelle Rückkehr in den Alltag wird es bei den Rheinhessen nicht geben können, auch ein Gespräch mit dem Mannschaftsrat kann die entstandenen Risse nicht auf Anhieb kitten. Tollhaus statt Wagenburgmentalität in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz.

Dazu passt die Meldung vom frühen Donnerstagabend. Szalai wolle seine Rückkehr ins Mannschaftstraining notfalls erzwingen. "Wir werden standhaft bleiben und durchsetzen, dass Adam nächste Woche wieder teilnehmen darf", machte Oliver Fischer, Berater des Ungarn, in der Mainzer Allgemeinen Zeitung deutlich.

Ebenso werde der Stürmer, der in Mainz noch einen Vertrag bis 2021 besitzt, beim Karnevalsverein bleiben. "Adam wird keinen neuen Verein suchen", sagte Fischer. Nach Szalais Suspendierung hatten seine Mainzer Mitspieler am Mittwochnachmittag geschlossen das Training verweigert. Der 32-Jährige darf sich derzeit nur bei der U23 fit halten.

Meistgelesene Artikel

Der für ein familiäres Umfeld bekannte Klub befindet sich nun zum Saisonstart in einer veritablen Krise, viele Probleme im gesamten Gefüge liegen nun öffentlich auf dem Tisch.

Da ist vor allem die Rolle von Trainer Achim Beierlorzer. Rein sportlich ist die Entscheidung gegen Szalai auf den allerersten Blick nicht zu kritisieren. Es gehe darum, andere und jüngere Spieler zu fördern - so weit, so gut. Im Widerspruch dazu steht dann aber die Tatsache, dass der 32-Jährige in der ersten DFB-Pokal-Runde als Joker noch wichtig war.

Dennoch entschieden sich die Mainzer für diesen Schritt – und trafen dabei einen empfindlichen Nerv. Das Team hat sich mit dem äußerst beliebten Ungarn solidarisiert und gegen den Klub gestellt. Der Plan Beierlorzers, mit der Aussortierung Konflikte zu vermeiden, ging gewaltig schief.

Mannschaft hat ein klares Statement gesetzt

Das Gegenteil ist eingetreten: Die Risse sind unübersehbar groß, der für den Klassenkampf nötige Zusammenhalt kann so nicht entstehen. "Das war keine populäre Entscheidung", wusste auch Schröder. Die Welle, die nun auf sie zurollt, sahen die Verantwortlichen nicht kommen.

Schröder, der nun seine größte Krise in Mainz meistern muss, kann man die unglückliche Kommunikation sicherlich vorwerfen. Der 44-Jährige bewies in der Vergangenheit oftmals Weitsicht und hatte die Antennen zumeist oben, diesmal aber verließ ihn sein glückliches Händchen. Er kann dieses Problem aber noch einfangen.

Doch Beierlorzer hat in der Causa Szalai nicht nur mangelndes Feingefühl nachgewiesen. Ihm fehlte der Riecher für die Situation, die Rolle des Sturmtanks in der Mannschaft war ihm offenbar nicht bewusst. Das viel größere Probleme aber ist: Eine Mannschaft, die hinter ihrem Trainer steht, lässt die Situation nicht dermaßen eskalieren. Schröder stellt sich auf einen langen Prozess ein – doch bleiben die Profis ruhig oder gibt es bei nächster Gelegenheit eine weitere Revolte?

"Ich habe dafür Verständnis, dass eine Mannschaft zusammenhält und ein Statement abgibt. Ich habe aber kein Verständnis dafür, wenn der Konflikt in den sportlichen Bereich geht. Training ist ja Kern der Sache im Fußball", so Beierlorzer, der betonte: "Ein Zerwürfnis nehme ich nicht wahr."

Zugang zum Team verloren

Tatsächlich nicht?

Offenbar hat der Franke den Zugang zum Team verloren. Szalai sportlich zu opfern, mag verständlich sein, doch musste der als Integrationsfigur so wichtige Sympathieträger tatsächlich komplett aussortiert werden? Die Argumente, er fürchte um seinen Platz in der ungarischen Nationalmannschaft mit Blick auf die Europameisterschaft im nächsten Jahr, wirken vorgeschoben.

Szalai wollte die Freistellung nicht annehmen und weiter nah am Team sein. Und die Mannschaft hat auf ihre Art und Weise geantwortet: Pro Szalai – und contra Beierlorzer.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image