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München - Der SC Freiburg verliert mit Robin Koch, Luca Waldschmidt und Alexander Schwolow wichtige Leistungsträger. Im Breisgau weiß man aber mit dem Aderlass umzugehen.

Im Trainingslager des SC Freiburg schlüpfte Robin Koch noch einmal in eine neue Rolle.

Der Defensivallrounder streifte sich die Torwarthandschuhe über und bewies beim Wettschießen gegen seine Teamkollegen verborgene Talente auf der Linie.

Bewarb sich der 24-Jährige damit etwa nach dem Abgang von Stammtorhüter Alexander Schwolow als neue Nummer 1 bei den Breisgauern? Wohl kaum, schließlich kehrte Koch nur wenige Tage später dem Sport-Club ebenso den Rücken.

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Koch, Waldschmidt und Schwolow füllen Freiburgs Kasse

Für 13 Millionen Euro wechselte der Nationalspieler zum Premier-League-Rückkehrer Leeds United. Zuvor hatte neben Keeper Schwolow (für sieben Millionen Euro zu Hertha BSC) schon Luca Waldschmidts Abschied in Richtung Benfica Lissabon 15 Millionen Euro in die Freiburger Kasse gespült.

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Dazu verließ mit Kapitän Mike Frantz (ablösefrei zu Hannover 96) ein weiterer wichtiger Führungsspieler die Freiburger, auch wenn er sportlich in der abgelaufenen Saison nur noch eine Nebenrolle gespielt hatte.

Während andere Vereine an einem derartigen Aderlass zerbrechen, ist ein solcher Umbruch beim Sport-Club Teil der Philosophie. Spieler aus- und weiterbilden, um diese dann auch gewinnbringend zu verkaufen, gehört in Freiburg zum Geschäft. "Wir strampeln alle gemeinsam jeden Tag", erklärte Sport-Vorstand Jochen Saier vergangene Saison im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Wir haben im Innenverhältnis eine echte Zusammenarbeit. Da sind wir stabiler als andere Vereine. Wir arbeiten alle sehr eng und lange zusammen und wir kennen uns in- und auswendig."

SC-Vorstand Saier zuversichtlich

Entsprechend zuversichtlich gab sich Saier jetzt beim Trainingsstart: "Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir solche Situationen auch lösen können."

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Während sich in der jüngeren Vergangenheit allerdings maximal ein bis zwei absolute Stammspieler pro Jahr verabschiedeten, erinnert dieser massive Verlust an Leistungsträgern eher an das letzte Abstiegsjahr 2015 als mit Roman Bürki, Admir Mehmedi, Vladimir Darida und weiteren Eckpfeilern fast die komplette erste Elf ging.

"Natürlich macht mich die Situation nicht glücklich", räumte Trainer Christian Streich in einer Medienrunde zum Abschluss des Trainingslagers in Schruns ein. "Wir hatten schließlich eine schöne Breite im Kader, das war auch für mich angenehm, weil ich viele Variationsmöglichkeiten hatte."

Wirbel um Haberer

Mit Janik Haberer könnte sogar noch ein weiterer Spieler wegfallen. Schon vor einem Jahr hegte der 26 Jahre alte Mittelfeld-Allrounder Wechselgedanken.

Eigentlich wäre Haberer in diesem Sommer auch ablösefrei gewesen, doch wie der kicker im April berichtete, soll der SC den Vertrag nochmals verlängert haben, ohne dies öffentlich zu kommunizieren. Potenzielle Interessenten müssten für Haberer demnach zehn Millionen Euro Ablöse zahlen.

Janik Haberer spielt seit 2016 für den SC Freiburg
Janik Haberer spielt seit 2016 für den SC Freiburg © Imago

In der Vorbereitung war der U21-Europameister von 2017 verletzungsbedingt außen vor, im Trainingslager war er wegen individueller Reha nicht dabei. "Zu Haberer kann ich nicht mehr sagen, weil ich nicht mehr weiß, aber es kann sein, dass er am Ende der Transferphase nicht mehr bei uns ist", sagte Streich.

Demirovic einziger Neueinkauf

Dass die Freiburger selbst nochmals auf Einkaufstour gehen, ist nicht auszuschließen. "Im zentralen Mittelfeld fehlt mindestens ein Spieler, der noch kommen soll", erklärte Streich.

Laut dem Algemeen Dagblad könnte Guus Til dieser Spieler sein. Der 22-jährige Niederländer spielte zuletzt unter Domenico Tedesco bei Spartak Moskau, strebt nach drei Kurzeinsätzen aber offenbar eine Rückkehr Richtung Westen an.

Von den bisherigen 35 Millionen Euro Transfereinnahmen wurden nur 3,7 Millionen in Neuzugang Ermedin Demirovic investiert. Benjamin Uphoff als neue Nummer 2 hinter Schwolows Nachfolger Mark Flekken kam ablösefrei vom Karlsruher SC.

Aufgrund der ausbleibenden Zuschauereinnahmen und des bevorstehenden Umzugs ins neue Stadion, der sich Corona-bedingt voraussichtlich bis zur Rückrunde der neuen Saison verzögern wird, sind die Freiburger froh um das etwas komfortablere finanzielle Polster. Sündhaft teure Neuverpflichtungen auf einem in diesen Zeiten besonders schwierigen Markt sind daher nicht zu erwarten. Der Verlust der Stammspieler soll daher auch zu einem Großteil von eigenen Nachwuchskräften aufgefangen werden.

Freiburg setzt auf Youngster - Keitel spielt sich in den Fokus

Yannik Keitel, der zuletzt beim überzeugenden 3:1-Erfolg im Test gegen den Schweizer Vizemeister FC St. Gallen zusammen mit Nicolas Höfler die Doppelsechs bildete, könnte der nächste Youngster aus der Freiburger Fußballschule sein, der sich dauerhaft bei den Profis etabliert. Der 20-Jährige wurde nun erstmals für die deutsche U21 nominiert.

Mit Carlo Boukhalfa punktete ein weiteres Mittelfeldtalent in der Vorbereitung. Und mit Noah Weißhaupt, 18-jähriger Sohn des früheren Freiburger Stürmers Marco Weißhaupt, mischte zuletzt auch ein nicht ganz unbekannter Name bei den Profis mit. Außerdem ist Keven Schlotterbeck nach erfolgreicher Leihe zu Union Berlin wieder fest beim SC eingeplant, insbesondere nach Kochs Abschied.

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Auch Woo-yeong Jeong, der in der Rückrunde beim FC Bayern II in der 3. Liga Spielpraxis sammelte, soll mithelfen, die Lücke, die Waldschmidt hinterlassen hat, zu schließen. Er habe "eine gute Entwicklung gemacht, steht körperlich anders da", erklärte Streich. "Er ist eh ein sehr guter Junge, sehr fleißig und ist mittendrin in der Mannschaft, ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er soll hier bei uns bleiben."

Streich hofft, "wieder Außergewöhnliches" zu schaffen

Dennoch steht Streich, der als dienstältester Coach der Liga in seine neunte komplette Spielzeit mit dem SC geht, mit seinem Trainerteam wieder einmal vor einer großen Herausforderung. Die starke Vorsaison, in der die Breisgauer nie in die untere Tabellenhälfte abrutschten und am Ende auf Platz acht landeten, dürfte nur schwer zu bestätigen sein. Das ist aber auch gar nicht der Maßstab, Streichs Fokus liegt einzig und allein auf dem Klassenerhalt.

"Wir werden am Ende der Saison wissen, wie wir die Abgänge vertragen. Ich mache mich jetzt noch nicht verrückt, das geht schon früh genug los", sagte Streich dem SWR. "Vielleicht können wir ja trotzdem wieder Außergewöhnliches schaffen."

Und vielleicht entfaltet ja auch einer seiner Schützlinge dabei wieder bislang verborgene Talente.

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