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Frankfurt am Main - Eintracht-Stürmerstar André Silva spricht mit SPORT1 über seine Ziele mit den Hessen, die Beweggründe für den festen Wechsel und seine Beziehung zu Cristiano Ronaldo.

Die auf zwei Jahre angelegte Leihe wurde schon nach einer Saison zum festen Kaufgeschäft: André Silva hat sich bewusst für seinen endgültigen Wechsel vom AC Mailand zu Eintracht Frankfurt entschieden.

Kein Wunder, ist er doch unter Trainer Adi Hütter gesetzt und mit 20 Treffern und sieben Vorlagen in 43 Pflichtspielen sehr erfolgreich. 

Auch der Saisonstart ist ihm drei Bundesligatoren geglückt.

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Mit SPORT1 spricht er über seine Ziele mit den Hessen, die Beweggründe für den festen Wechsel und seine Beziehung zu Cristiano Ronaldo.

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Silva schwärmt von Bayerns Defensivqualitäten 

SPORT1: Herr Silva, nach einem guten Saison-Start mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen gab es am vergangenen Spieltag ein 0:5 beim FC Bayern. Warum kam das Team am Ende so unter die Räder? 

André Silva: Die Spiele gegen den FC Bayern München sind immer sehr schwer. Sie sind Champions League-Sieger und befinden sich auf einem Top-Level. Obwohl wir mit voller Energie und Willenskraft angereist sind, ist es viel schwerer, selbst ein Tor zu schießen als einen Gegentreffer zu kassieren. Wenn die Bayern ihr Tor dann erzielt haben, wird ein Punktgewinn noch schwieriger. Wir waren nach dem 0:2 zur Halbzeit zwar noch in der Partie. Doch nach dem dritten Gegentreffer hatten wir keine Chance mehr.

SPORT1: Die Angreifer kamen vorne kaum durch. Ist die Defensive des FC Bayern so eine Klasse für sich, dass man da bei aller Qualität einfach keine Chance kreiert? 

Silva: Die Defensive der Bayern ist tatsächlich sehr stark. Sie bauen das Spiel über die Innenverteidiger auf, und Joshua Kimmich bewegt sich geschickt zwischen den Linien. Die Abwehr steht immer sehr hoch und stellt die Stürmer oft ins Abseits. Es ist für uns Stürmer sehr schwer, sich dort durchzusetzen. Und wenn man bei einem Konter einmal alleine durchkommt, dann sind sofort wieder drei Verteidiger da. Das ist eine weitere sehr große Qualität der Bayern.

SPORT1: Unabhängig von dem Ergebnis in München: Bas Dost, Daichi Kamada und Sie harmonieren immer besser miteinander. Wenn in dieser Saison ein Tor erzielt wird, dann ist immer mindestens einer aus diesem Trio beteiligt. Was ist da seit dem Re-Start passiert?  

Silva: Je länger Bas, Daichi und ich zusammenspielen, desto besser verstehen wir uns in vielen Situationen. Wir arbeiten daran, dass die Dinge, die gut laufen, noch besser werden und wir unsere Fehler weiter abstellen.

SPORT1: Was können Sie zum Erfolg beitragen? 

Silva: Meine größte Qualität ist, dass ich viele Tore schießen und Chancen kreieren kann. Bas, Daichi und ich unterscheiden uns allerdings in unseren Fähigkeiten. Wir wissen aber um die jeweilige Stärke des Mitspielers und versuchen, diese Qualitäten zu vereinen. 

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"Natürlich vermissen wir Filip Kostic"

SPORT1: Bislang erzielte die Eintracht sieben Tore in dieser Saison. Dabei muss mit Filip Kostic ein Schlüsselspieler ersetzt werden. Wie sehr fehlt er Ihnen? 

Silva: Natürlich vermissen wir Filip. Ich harmoniere im Spiel und Training sehr gut mit ihm. Filip fehlt uns leider wegen seiner Knieverletzung. Er arbeitet aber sehr hart an seinem Comeback und will noch stärker zurückkehren. Filip zeichnet vor allem diese unglaubliche Power aus. Dazu kommen seine vielen Flanke sehr präzise in die gefährliche Zone. Das ist ein Vorteil für uns Stürmer.

SPORT1: Sie waren dabei häufiger Abnehmer seiner Flanken. Haben Sie sich für dieses Jahr eine bestimmte Treffermarke als Ziel gesetzt? 

Silva: Ich habe in der letzten Saison zwölf Bundesliga-Tore erzielt. Natürlich will ich mich weiter verbessern. Doch der Fußball ist keine Individualsportart. Ich muss die gesamte Mannschaft im Blick behalten. Es wäre egoistisch, wenn ich nur auf das Tor schießen würde, um irgendwie zu treffen. Aber natürlich will ich auch meine Qualitäten zeigen.

SPORT1: Das ist Ihnen schon häufiger gelungen. Sie haben sich in ihrem ersten Jahr nach holprigem Start bei der Eintracht integriert. Haben Sie sich im Sommer deshalb auch so schnell dazu entschieden, dass die auf zwei Jahren angelegten Leihe mit dem AC Mailand beendet und ein fester Transfer fixiert wird? 

Silva: Ich habe mich schon vor einem Jahr bewusst für den Wechsel vom AC Mailand nach Frankfurt entschieden. Ich wollte die Bundesliga unbedingt kennenlernen und das Projekt Eintracht Frankfurt hat mich sofort gereizt. Das erste Jahr lief dann auch wirklich gut. Deshalb war mir klar, dass ich hier bleiben und den Weg bei der Eintracht fortsetzen will. Frankfurt ist der richtige Standort für meine weitere Entwicklung.

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"Die Eintracht-DNA steht für aufopferungsvollen Kampf"

SPORT1: Ein wichtiger Baustein im Sommer war auch die Vertragsverlängerung des Trainers. Welche Rolle spielt Adi Hütter für Ihre Entwicklung? 

Silva: Die Arbeit vom Trainer ist immer wichtig für die Entwicklung der Spieler. Adi Hütter versucht, das Beste für das Team und auch für mich herauszuholen. Er schaut auf meine Stärken und erklärt mir, wo ich mich verbessern kann. Diese gute Zusammenarbeit hilft mir sehr weiter.

SPORT1: Haben Sie trotz ihres endgültigen Abgangs noch im Blick, wie es in Mailand weitergeht?  

Silva: Natürlich verfolge ich gespannt, was in Mailand passiert. Sie sind gut in die neue Saison gestartet und aktuell Tabellenführer. Das freut mich sehr.

SPORT1: Ihre Profikarriere haben Sie beim FC Porto begonnen. Der Klub steht dafür, dass er Talente zu Topstars ausbildet und dann teuer verkauft. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic verfolgt einen ähnlichen Ansatz, Sébastien Haller und Luka Jovic verließen den Klub für rund 100 Millionen Euro. Haben Porto und die Eintracht eine ähnliche Vereins-DNA? 

Silva: Nein, dieser Ansicht widerspreche ich. Es ist nicht möglich, Mannschaften miteinander zu vergleichen. Jeder Klub arbeitet auf seine Art und Weise. Die Eintracht-DNA steht für aufopferungsvollen Kampf und die Fans, die uns tragen und pushen. Das kannte ich so noch nicht.

SPORT1: Sie scheinen sich in Frankfurt gut aufgehoben zu fühlen. Wie wichtig ist diese gute Atmosphäre für Ihr Spiel? 

Silva: Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen. Ich fühle mich wirklich sehr wohl in Frankfurt, mir gefällt der gesamte Verein. Und wenn es mir gut geht, dann kann ich meine volle Leistungsstärke abrufen. Das war auch schon bei meinen alten Vereinen oder in der Nationalmannschaft so.

"Ich traue Portugal die Titelverteidigung zu"

SPORT1: Stichwort Nationalmannschaft. Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft vor der Tür. Würden Sie sagen, dass Sie einen Platz sicher haben? 

Silva: Wenn ich mich im Sommer in einer schlechten Verfassung befinde, dann nimmt mich der portugiesische Nationaltrainer Fernando Santos nicht mit zur Europameisterschaft. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Ich kann mich nur auf das Hier und Jetzt konzentrieren und mich für weitere Nominierungen anbieten.

SPORT1: Portugal startet als Titelverteidiger in das Turnier. Ist ein erneuter Triumph realistisch? 

Silva: Ich traue Portugal die Titelverteidigung zu. Unser Team wird wirklich jedes Jahr stärker. Wir haben so viel Qualität, und die portugiesischen Spieler entwickeln sich bei ihren Vereinen immer weiter. Seit dem Titelgewinn werden wir von den Gegnern anders wahrgenommen. 

SPORT1: Im Nationalteam haben Sie mit Cristiano Ronaldo einen großen Befürworter. Erzählen Sie doch mal von Ihrer Beziehung zu ihm? 

Silva: Es stimmt, Cristiano Ronaldo hat mich öffentlich gelobt. Als ich zum ersten Mal in der Nationalmannschaft dabei war, standen wir gemeinsam auf dem Feld und haben viele Tore erzielt. Es ist schön, dass wir auch neben dem Platz ein gutes Verhältnis haben. Von Cristiano können wir alle immer lernen. Neben seiner generellen Klasse sind es die kleinen Details, die mich faszinieren: Wie präzise er einen Pass spielt und wie fokussiert er jeden Tag an sich arbeitet.

Ronaldos Coronatest "ein gewaltiger Schock"

SPORT1: Hat sich Cristiano Ronaldo bei Ihnen auch über Eintracht Frankfurt erkundigt? 

Silva: Wir haben uns bei der Nationalmannschaft auch über unsere Vereine unterhalten. Ich habe ihn gefragt, wie es bei Juventus Turin für ihn läuft. Darüber hinaus haben wir aber keinen intensiveren Kontakt.

SPORT1: Doch zuletzt gab es eine schlechte Nachricht, Ronaldos Coronatest war während der Länderspielreise positiv. Wie haben Sie das aufgenommen? 

Silva: Der positive Coronatest war für uns alle natürlich ein gewaltiger Schock. Aber Ronaldo hat so eine gewaltige Kraft. Er will schnell zurückkommen und das machen, was er am liebsten macht: Fußball spielen. 

SPORT1: Hatten Sie persönlich danach auch Angst vor einem positiven Coronatest? 

Silva: Corona ist generell für uns alle ein schwieriges Thema. Da gibt es andere Leute, die besser involviert sind und viel mehr als ich wissen. Die gesamte Lage ist so komplex und nicht einfach für uns. Natürlich bin ich vorsichtig, aber ich bleibe auch positiv gestimmt. Doch wirklich beeinflussen kann ich das alles nicht.

"So einfach geht das im Fußball natürlich nicht"

SPORT1: Was Sie hingegen beeinflussen können, ist der sportliche Erfolg der Eintracht. Am Samstag wartet die Partie gegen Werder Bremen. Sie und Ihre Teamkollegen sprechen von der Qualifikation für den Europapokal. Ist ein Sieg dann nicht Pflicht? 

Silva: Wenn wir uns für Europa qualifizieren wollen, dann müssen wir am besten gegen alle Teams gewinnen. Doch das ist nicht so einfach, wir kennen die große Qualität der Bundesliga. Unser Ziel muss dennoch lauten, dass wir besser als die Konkurrenz sind und uns möglichst viele Punkte erkämpfen.

SPORT1: Für Sie persönlich liefen die Partien gegen Werder bislang sehr erfolgreich ab. In drei Partien gelangen Ihnen drei Treffer. Gehen Sie deshalb besonders positiv gestimmt auf den Platz? 

Silva: Die Bilanz ist natürlich gut. Aber ich gehe immer mit einem guten Gefühl auf das Feld. Gegen Bremen habe ich immer getroffen und es wäre gut, wenn mir das wieder gelingt. Aber so einfach geht das im Fußball natürlich nicht. Ich gebe trotzdem immer alles, was ich kann. Doch am Ende zählt nur, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind.

SPORT1: Beim Blick auf Ihre persönlichen Statistiken sticht eine besonders hervor: Acht Spiele, vier Tore und zwei Vorlagen – so lautet die Bilanz in der Champions League für den FC Porto. Ist es realistisch, dass Sie mit der Eintracht die Königsklasse erreichen? 

Silva: Ja! Ich glaube, dass wir das Level für die Qualifikation zur Champions League haben. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Ich träume davon, dieses große Ziel mit der Eintracht zu erreichen. Wir wissen natürlich, wie schwer das zu realisieren ist und dass wir jeden Tag am oberen Limit arbeiten müssen, aber wir haben einen guten Teamgeist. Ich mag meine Teamkollegen und unsere vielen Betreuer. Es wäre schön, wenn wir am Ende alle freudig strahlen können.

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