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Mainz - Die Lage für den FSV Mainz 05 wird immer schlimmer. Jan-Moritz Lichte verliert auch sein zweites Spiel als Interimstrainer, Bayer Leverkusen atmet auf.

Jan-Moritz Lichte hatte gerade seine geschlagenen Spieler getröstet, da schritt der Mainz-Trainer zur Bande und stellte einen aufgebrachten Fan zur Rede. Minutenlang diskutierten der neue Coach der 05er und der Anhänger sichtlich erregt - der punktlose Fehlstart erhitzt bei den Mainzern die Gemüter.

"Ich habe gehört, dass es ein bisschen lauter wurde", sagte Luca Kilian bei Sky zu der Szene nach dem 0:1 (0:1) gegen Bayer Leverkusen. Lichte sprach von einer "Meinungsverschiedenheit" mit der Kritik, "dass wir uns keine richtigen Torchancen herausgearbeitet haben"

Mainz bleibt punktlos auf Rang 17 im Tabellenkeller der Bundesliga, der Fehlstart nimmt immer krassere Züge an. Interimstrainer Lichte gehen nach der zweiten Pleite im zweiten Spiel die Argumente aus (Spielplan der Bundesliga 2020/21). Der Wechsel von Ex-Coach Sandro Schwarz zu Dinamo Moskau erhöhte den Druck auf Lichte weiter.

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Leverkusen dagegen feierte dank Lucas Alario (30.) den ersten Saisonsieg und sprang auf Rang neun. Der Champions-League-Aspirant hatte in den vorangegangenen drei Partien jeweils unentschieden gespielt (Tabelle der Bundesliga).

"Ich bin sehr zufrieden", sagte Bayer-Trainer Peter Bosz: "Das war wichtig für uns, das hat man gesehen."

Lichte unter Druck

Vor der Länderspielpause hatte Lichte mit Mainz mit 0:4 gegen Union Berlin verloren.

Sportvorstand Rouven Schröder sagte während der Länderspielpause zwar auf Nachfrage von SPORT1: "Jan-Moritz Lichte ist unser Cheftrainer und er arbeitet nicht auf Abruf. Wir trauen ihm zu, diese Mannschaft neu auszurichten und zu entwickeln, dafür möchten wir ihm die nötige Zeit geben."

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Schröder fügte allerdings an: "Klar ist auch: Wir müssen in dieser Saison schnellstmöglich den Fuß in die Tür bekommen."

Gegen Leverkusen misslang dieser Versuch.

Alario lässt Bosz und Bayer aufatmen

Der argentinische Stürmer Alario (30.) sorgte mit seinem Tor dafür, dass Leverkusen-Trainer Peter Bosz auch aus seinem vierten Duell mit den Mainzern als Sieger hervorging. Die zwar kampfstarke, aber zu ideenlose Vorstellung der Gastgeber reichte nicht, um Trainer Lichte im zweiten Pflichtspiel auf der Mainzer Bank das erste Erfolgserlebnis zu bescheren.

"Wir haben auch für ihn gekämpft", betonte Kilian nach seinem Startelfdebüt, Jean-Paul Boetius sprach von einer "bitteren Pille, die wir schlucken müssen".

Der Wille war den zuletzt gebeutelten Mainzern vor der Mini-Kulisse von 250 Zuschauern nicht abzusprechen, sie hielten gegen die um Spielkontrolle bemühten Leverkusener gut dagegen. In gefährliche Räume, geschweige denn zu Torchancen, kamen die Gastgeber so jedoch zunächst nicht. Nach 25 Minuten spitzelte Jonathan Burkardt eine Hereingabe knapp am langen Pfosten vorbei.

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Aber auch Bayer brachte außer einem Heber von Leon Bailey (7.), der das Tor knapp verfehlte, in der Anfangsphase offensiv wenig Sehenswertes zustande. Da aus dem Spiel heraus wenig ging, war der Führungstreffer durch Alario nach einem Eckball folgerichtig - und aufgrund der größeren Spielanteile auch durchaus verdient.

Rote Karte nach Videobeweis zurückgenommen

Die Werkself war zuletzt vom Verletzungspech verfolgt gewesen: So fehlte nicht nur das 17 Jahre alte Toptalent Florian Wirtz (Bauchmuskelzerrung), sondern in den Neuzugängen Santiago Arias (Wadenbeinbruch) und Patrick Schick (Muskelfaserriss) weitere prominente Namen. Auch nach dem Führungstreffer blieben beide Teams offensiv recht harmlos, die Torhüter Robin Zentner und Lukas Hradecky verlebten weitestgehend ruhige Nachmittage.

Mainz-Coach Lichte war im Vergleich zur heftigen Niederlage zum Einstand in Berlin mit vier neuen Spielern in die Partie gegangen, unter anderem kam Verteidiger Luca Kilian zu seinem Startelfdebüt für die Mainzer. Zumindest wirkten die 05er so wesentlich stabiler als noch zuletzt, nach dem Seitenwechsel wurden sie auch mutiger und störten die Gäste früher. Einen Schuss aus guter Position von Levin Öztunali (55.) blockte Sven Bender stark.

Leverkusen nahm im Vorwärtsgang nur noch wenig Risiko, die beste Konterchance scheiterte an der ungenauen Flanke von Flügelstürmer Moussa Diaby (51.). Auch die Mainzer gingen mit ihren wenigen aussichtsreichen Gelegenheiten zu schlampig um - eine Rote Karte (78.) gegen Bayer-Verteidiger Edmond Tapsoba wegen vermeintlicher Notbremse nahm Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) nach Rücksprache mit dem Videoassistenten wegen Abseitsstellung von Karim Onisiwo zurück.

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