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Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurt hat - unüblich für einen Bundesligaklub - keinen Mannschaftsrat. Trainer Adi Hütter setzt nicht auf den einen Leader, eine Achse trägt das Team.

Es war eine unangenehme Phase, die Eintracht Frankfurt im Mai noch erlebte.

Gegen Borussia Mönchengladbach gab es gerade die vierte Niederlage in Serie, der Abstiegskampf drohte vor der Partie beim FC Bayern München und Sky-Experte Lothar Matthäus stellte alarmiert fest: "Da gibt es keine Spieler, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen."

Damit traf der Rekordnationalspieler durchaus den Nerv eines Teils der Anhängerschaft. Als Sinnbild für den Begriff "Leitwolf" steht für die Fans seit zwei Jahren ein Name: Kevin-Prince Boateng. 

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Eintracht hat keinen Leader wie Boateng 

Der 33-Jährige führte die Eintracht 2018 zum triumphalen DFB-Pokal-Sieg gegen den FC Bayern München, er riss Mannschaft und Fans mit seiner Art und Weise mit. Angst? Zurückstecken? So etwas gibt es beim inzwischen für den Berlusconi-Klub Monza tätigen Mittelfeldspieler nicht.

Adi Hütter stellte zuletzt bei der Vorstellung seiner auf drei Jahre angelegten Werbepartnerschaft mit dem Tiroler Wärmepumpenhersteller "iDM" im österreichischen Restaurant "Lohninger" in Frankfurt-Sachsenhausen auf Nachfrage von SPORT1 fest: "Wir haben keinen klaren Leader wie Boateng."

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Im Gegensatz zu anderen Bundesligaklubs, die einen Mannschaftsrat zusammenstellen, wählt Hütter überraschenderweise einen anderen Kommunikations- und Führungsweg. "Es ist grundsätzlich wichtig, dass man eine Achse hat. Das ist nichts anderes als ein Mannschaftsrat", erklärte der Österreicher.

Er habe sich bewusst dafür entschieden, die "Verantwortung auf mehrere Schultern" zu verteilen: "Wir haben nicht diesen einen absoluten Leader. In der jetzigen Konstellation funktioniert das aber sehr gut."

Hütter setzt auf eine Achse 

In der Tat gelang der Turnaround auch ohne den Typen Boateng. Saisonübergreifend holten die Frankfurter starke 24 von 33 möglichen Punkten aus den vergangenen elf Bundesligapartien.

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Ein Vorteil für den guten Start in die neue Spielzeit war sicherlich auch der in diesem Sommer ausgebliebene große Umbruch. Mit Gelson Fernandes, Jonathan de Guzman und Marco Russ sind zwar drei erfahrene Akteure nicht mehr da. Doch der sportliche Wert des Trios war am Ende nur noch begrenzt da, die Führung bezog sich eher auf die Kabine.

Hütter hatte deshalb vor dem Saisonstart schon keine Bauchschmerzen: "Wir haben Spieler in unseren Reihen, die 26 bis 29 Jahre alt sind. Die schon unglaublich viele Spiele absolviert haben, davon auch unglaublich viele internationale. Und die auch in diese Rolle schlüpfen können, müssen und werden."

Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Sebastian Rode, Filip Kostic, Bas Dost und Stefan Ilsanker gelten als Achse für Hütter, auch die nicht immer gesetzten Danny da Costa und Dominik Kohr zählte er im Sommer auf: "Alle haben das Alter, wo ich sage, dass sie Führungspositionen übernehmen können." 

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Kohr etwa zeigte sich dafür offen: "Das kann ich mir gut vorstellen." Trapp stellte ebenfalls fest: "Wir haben ein sehr, sehr gutes Gerüst mit Spielern, die wirklich Verantwortung übernehmen können." 

Flache Hierarchie statt Alleinherrschaft 

Flache Hierarchien werden solche Strukturen in der Wirtschaft gerne genannt, die alleinige Führungskraft hat zumindest bei der Eintracht unter Hütter ausgedient.

Der Coach setzt auf das Kollektiv, das Zusammenspiel mehrerer erfahrener Kräfte. Sie sollen auch in Zukunft das Gerüst der Eintracht bilden. 

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