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München - Karl-Heinz Rummenigge sieht die Zukunft des Fußballs angesichts der Corona-Auswirkungen als höchst gefährdet an. Am DFB übt der Bayern-Boss harte Kritik.

Karl-Heinz Rummenigge schlägt angesichts der teilweise verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Fußball Alarm. "Die Zukunft des Fußballs steht wirklich auf tönernen Füßen. Ich weiß nicht, wie lange der Fußball das aushält. Es ist alles sehr traurig", sagte der Vorstandsvorsitzende von Bayern München der Bild am Sonntag.

Sogar der deutsche Branchenprimus haben wegen der ausbleibenden Zuschauer-Rückkehr massive finanzielle Probleme. Die Gehälter würden zwar wieder "normal" bezahlt, "aber wir werden in diesem Geschäftsjahr kämpfen müssen. Ich schließe nicht aus, dass wir zum ersten Mal in meinen 19 Jahren als Vorstandsvorsitzender Verlust machen", sagte Rummenigge (65).

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Sollte der Champions-League-Sieger bis zum Saisonende vor leeren Rängen spielen müssen, erwarte er "rund 100 Millionen Euro Mindereinnahmen. In ganz Europa verliert jeder Klub zwischen 50 und in der Spitze 200 Millionen Euro in einer Saison, die er ohne Zuschauer spielen muss. Wie lange das ein Fußball-Klub aushält, das kann man sich an fünf Fingern abzählen."

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"Dann wird der Fußball großen Schaden erleiden"

Schon jetzt seien hierzulande Gerüchten zufolge "einige Klubs insolvenzgefährdet". Sollte die Saison in Folge einer zweiten Welle sogar abgebrochen werden müssen, würden dies "mehrere Bundesligisten nicht überleben", sagte er: "Mehrere! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesliga in der jetzigen Form dann noch in der Zukunft weiterbestehen könnte."

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Schlimmer als die finanziellen seien aber die Folgen für den Stellenwert des Sports. "Ich mache mir größte Sorgen um die Fußball-Kultur. Wenn wir nicht bald wieder Fans in den Stadien haben, dann befürchte ich, wird der Fußball großen Schaden erleiden." Am meisten Sorgen bereite ihm, dass die Zuschauer entwöhnt werden könnten und auch nach Corona nicht wiederkommen.

Rummenigge sieht außerdem das Image des Deutschen Fußball-Bundes als schwer beschädigt an und wirft dem Verband Profitgier vor. "Geld, Vermarktung und Politik haben Priorität, aber nicht der Fußball", sagte er und forderte: "Der DFB muss dringend in ruhiges Fahrwasser zurückkehren. Das ist die primäre Aufgabe von Präsident Fritz Keller."

Rummenigge übt Kritik am DFB

Der frühere Nationalmannschaftskapitän attestierte dem Verband einen "gewissen Wertewandel" seit dem WM-Triumph 2014: "Es wurde versucht, diesen großen Erfolg finanziell auszunutzen. Mit großen neuen Sponsoring-Verträgen und vielem mehr." Von den Münchner Nationalspielern wisse er, dass sie am Rande der Länderspiele "vermehrt Sponsoring-Termine" absolvieren mussten.

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Auch der Bundestrainer sei ein Opfer der finanziellen Interessen. "Der arme Jogi Löw, der jetzt von allen Seiten kritisiert wird, musste ein Freundschaftsspiel gegen die Türkei bestreiten, damit Geld in die Kassen kommt, angeblich fehlen 15 Millionen Euro", sagte Rummenigge und schimpfte: "Was sind 15 Millionen im Vergleich zu dem, was die Bundesliga-Klubs verlieren?"

Rummenigge gibt Matthäus Recht

Der Vorrang von Geld, Vermarktung und Politik gelte "in Teilen auch für die UEFA und FIFA", kritisierte der 65-Jährige. Sein Hauptgroll gilt aber dem DFB. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus habe mit seiner jüngsten Kritik "in vielem recht", betonte Rummenigge.

Als Beispiel nannte er, dass der Verband an Ex-Nationalspieler keine Freikarten mehr ausgebe. Dieses Problem ließe sich lösen, "wenn man das wirklich will. Der DFB will das offensichtlich nicht wirklich."

Bei der Feier zum 30. Jubiläum des WM-Triumphs von 1990, die von Matthäus und Andreas Brehme selbst organisiert wurde, habe sich der DFB "über Corona rausgeredet", monierte Rummenigge: "Das ist einfach nicht okay." Und auch beim 75. Geburtstag von "Kaiser" Franz Beckenbauer "kam nichts" vom Verband.

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