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SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp glaubt, dass sich Borussia Dortmund und Trainer Lucien Favre bald trennen. Dann sind die Superspäher des BVB gefordert.

Der Vertrag von Lucien Favre als Trainer von Borussia Dortmund läuft nach dieser Saison aus.

Über die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft haben beide Seiten bisher nicht miteinander gesprochen, glaubt man den Beobachtern auf der Geschäftsstelle, ist das auch für den Winter nicht beabsichtigt. Es sieht eher so aus, als sollten sich die Wege von Favre und dem BVB nach drei Jahren Zusammenarbeit im nächsten Sommer trennen.

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Auf keinen Fall, darüber herrscht Konsens beim BVB, wird der Verein die Saison im Mai enden lassen, ohne Klarheit über die zukünftige Besetzung der wichtigste Position im sportlichen Bereich zu haben. Ziel soll sein, auch in der Führung der Mannschaft einen großen Schritt zu machen - so wie es in der Gestaltung des Spielerkaders in den vergangenen Jahren bereits gelungen ist.

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Die Superspäher können sich auf dem Trainermarkt beweisen

Der BVB hat sich, längst auch über die Grenzen der Bundesliga hinaus, einen Namen gemacht als absolute Top-Adresse für die größten Talente, siehe die Transfers von Erling Haaland oder Jude Bellingham, davor schon Jadon Sancho. Auch die Vertragsverlängerung mit Giovanni Reyna ist ein Riesenerfolg.

Was den BVB auch international auszeichnet, ist das Gespür dafür, eine Mannschaft zu formen mit hochtalentierten Spielern, die im schwarzgelben Trikot natürlich schon herausragend bezahlt, aber eben auch in jeder Hinsicht aufwendig und zielführend ausgebildet werden. Das Ziel ist dementsprechend allen Beteiligten klar: eine Führungsposition, zumindest ein Stammplatz, bei einem der absoluten europäischen Superklubs in England, Spanien - oder eben auch in Bayern, beim aktuellen Champions League-Sieger. Mit der Personalie Haaland werden sich die Münchener auch wieder beschäftigen.

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Borussia Dortmunds Superspäher, denen es immer wieder gelingt, herausragende Top-Talente nicht nur zu finden, sondern im harten Transfer-Wettbewerb mit anderen Großklubs auch für eine Vertragsunterschrift beim BVB zu begeistern, müssen nun auch auf dem Trainermarkt ihr Können beweisen.

Favre war nach der unruhigen Zeit mit drei Cheftrainern in neun Monaten (Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger) die richtige Lösung, ein wertvolles Pflaster auf die damals entstandenen Wunden. Er hat den BVB auf hohem Niveau zurück in ruhiges Fahrwasser gebracht und mit all seiner Erfahrung und großem Fachwissen stabilisiert.

Wird Rose beim BVB Favres Nachfolger?

Nun braucht es wohl den nächsten Schritt. Ein Typ wie Marco Rose wäre die Wunschlösung - vielleicht sogar der Mönchengladbacher Cheftrainer selbst. Viele Spieler schwärmen von seiner Arbeit, der modernen Sicht auf das Spiel sowie seiner Art, sich auszudrücken und zu motivieren. Vor einer Ablösezahlung, sogar im zweistelligen Millionenbereich, sollte der BVB, wenn zu 100 Prozent von einem Kandidaten überzeugt, nicht zurückschrecken.

Die Trainer-Position ist zu wichtig, um für eine Top-Besetzung nicht auch angemessen in die Vereinskasse zu greifen. Denn, und da schließt sich der Kreis, der richtige Trainer hat auch wieder eine Strahlkraft für potenzielle Spitzenspieler, die sich auf dem Transfermarkt zwischen A und B entscheiden müssen. Und die mit dem stärksten Ausbilder an ihrer Karriere arbeiten wollen.

Der BVB muss im Grunde den "Trainer-Haaland" finden. Einen höchsttalentierten Spitzenmann, der bei ihnen noch mal ein neues Level erreicht. Es scheint objektiv relativ gut möglich, dass ihnen das gelingt.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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