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Filip Kostic (r.) steht bei Eintracht Frankfurt noch bis 2023 unter Vertrag
Filip Kostic (r.) steht bei Eintracht Frankfurt noch bis 2023 unter Vertrag © SPORT1-Grafik/Getty Images/Imago
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Frankfurt am Main - Filip Kostic, Jean-Philippe Mateta und Milot Rashica sind Stars ihrer Teams. Das Problem für die Klubs: Ihre Hoffnungsträger sind zugleich Tafelsilber.

Als Werder-Manager Frank Baumann auf die Zukunft von Milot Rashica angesprochen wurde und die Frage beantworten musste, ob der Angreifer seinen Marktwert für den Winter-Transfermarkt steigern solle, kam als Antwort: "Florian Kohfeldt wählt die Aufstellung, die den größtmöglichen Erfolg verspricht."

Einerseits also soll der Kosovare auf dem Platz helfen bei der Jagd nach Toren und Punkten. 

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Rashica ist bei Werder Verkaufskandidat für den Winter 

Andererseits aber lassen die von Baumann gewählten Worte in der Talkshow "Sportblitz" von Radio Bremen inmitten der Coronakrise tief blicken: "Wir sind in einer finanziell sehr, sehr angespannten Situation. Es geht im Winter nicht darum, Spieler zu verpflichten, die uns sofort weiterhelfen. Das ist nicht möglich, das muss man ganz realistisch so sehen."

Bremen ist, wie Werder-Boss Klaus Filbry zuletzt betonte, zwar nicht von der Insolvenz betroffen. Doch der Einnahmeverlust von geschätzt 30 Millionen Euro schmerzt gewaltig und macht weitere Verkäufe nach dem von Davy Klaassen unumgänglich. 

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Rashica ist trotz seiner Formkrise in diesem Jahr das Tafelsilber, er sollte nun eingebaut und in Form gebracht werden - nicht nur für die eigene Tabellensituation, sondern möglicherweise für Bayer Leverkusen, das ihn schon im Sommer haben wollte? Werder würde dem 24-Jährigen bei einem (sehr) guten Angebot jedenfalls keine Steine in den Weg legen und das eigene Konto bei einem Abgang spürbar entlasten. 

Mit Kostic-Verkauf könnten coronabedingte Finanzlöcher gestopft werden 

Rund 450 Kilometer Richtung Süden gestaltet sich die Lage ähnlich kompliziert. 

"Es ist nicht so, dass ich sage: 'Filip Kostic muss weg'. Aber klar kann es sein, dass ein Verein um die Ecke kommt, der ihn unbedingt will. Und dann kann es auch sein, dass wir ihn freigeben." Sportvorstand Fredi Bobic gab schon im Sommer offen zu, dass bei Eintracht Frankfurt kein Spieler unverkäuflich ist.

Dies besagt die Vereinsphilosophie, die durch die Coronakrise neue Dynamik erfährt. Der Europameister von 1996 betonte zuletzt: "Für uns als Eintracht Frankfurt ist diese Pandemie-Situation durchaus brisant. Auch wir müssen schauen, dass wir überleben."

Die Deutsche Fußball Liga riet den Mannschaften nach SPORT1-Informationen bereits, die gesamte Saison ohne Zuschauer in den Stadien zu planen. Die Folge ist klar: Es brechen wertvolle Einnahmen weg und auch bei der Eintracht haben sich die Profis auf weiteren Gehaltsverzicht geeinigt. 

Eintracht drohen Umsatzverluste von 50 bis 70 Millionen Euro 

Sollte ein anderer Klub also bereit sein, eine ordentliche Ablöse zu zahlen, dann ist ein Star wie Kostic wohl kaum zu halten. Der Serbe ist sportlich natürlich sehr wichtig, einen Akteur dieser Güteklasse können die ambitionierten Frankfurter im Rennen um die Europapokalplätze nur sehr schwer ersetzen.  

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Doch in dieser Krise zählen nicht nur die drei Punkte am Wochenende, sondern auch ganz verstärkt die wirtschaftlichen Belange der Klubs.

Vorstand Axel Hellmann rechnet bei Geisterspielen bis in den Mai hinein mit Umsatzeinbrüchen in Höhe von 50 bis 70 Millionen Euro. Ein millionenschwerer Verkauf von Kostic könnte den Klub im Winter, spätestens aber im Sommer, etwas durchschnaufen lassen. 

Mainz hat mit Mateta einen Topstürmer 

Auf der anderen Rheinseite hat sich die Lage beim FSV Mainz 05 unter Trainer Jan-Moritz Lichte sportlich noch nicht beruhigt, doch das Team wirkte gefestigter und zeigte im Kellerduell gegen den FC Schalke 04 auch einen sehr engagierten Auftritt. Ein Faktor für den kleinen Positivtrend ist Jean-Philippe Mateta, der wieder mehr für die Mannschaft arbeitet und inzwischen sieben Mal in acht Pflichtspielen traf. 

Der Franzose wird mit jedem Tor interessanter für andere Vereine, am 1. Januar öffnet der Transfermarkt. Sportvorstand Rouven Schröder erklärte auf Nachfrage von SPORT1 die Problematik für Mainz: "Die gesamte Denkweise hat sich in dieser Coronakrise verändert. Konnten wir zuletzt Spieler auch für unverkäuflich erklären, so müssen wir jetzt genauer schauen und Angebote prüfen. Das betrifft aber alle Klubs."

Auch die Premier League, von der oftmals viel Geld nach Deutschland floss, müsse sich anpassen: "Natürlich gibt es Vereine wie Chelsea, die hohe Investitionen tätigen, aber auch in England überlegen die Klubs genau, für wen sie ihr Geld ausgeben."

Mainz muss nicht verkaufen, aber ... 

Die 05er sehen sich trotz aller Einbußen noch immer ordentlich aufgestellt, weshalb Schröder sagte: "Es ist gut, dass wir nicht in der Situation sind, dass wir im Winter verkaufen müssen. Diesen Druck will man nicht haben."

Der Sportvorstand gab jedoch offen zu: "Wenn aber ein sehr attraktives Angebot auf dem Tisch liegt, dann müssen wir natürlich verschiedene Szenarien durchspielen. Es wäre allerdings unglaublich schwierig, den Topstürmer zu verlieren."

Zwischen Hoffnungsträger und Präsentiertisch: Es ist das Los der Klubs in schwierigen Coronazeiten. 

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