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München - Selbst Jahrhunderttrainer Huub Stevens kann die verheerende Serie nicht brechen, Schalke 04 jagt Tasmania Berlin. Laut Statistik ist der Abstieg unvermeidlich.

Als der Schlusspfiff in der Arena ertönte, sackten die Spieler des FC Schalke 04 in sich zusammen, Benito Raman kamen sogar die Tränen.

Resigniert, enttäuscht, mit leerem Blick und hängenden Köpfen saßen oder hockten Ralf Fährmann und Co. nach dem 0:1 gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld auf dem Rasen. Es waren Szenen, als wären die Schalker gerade abgestiegen.

Und auf gewisse Weise sind sie das auch. Mickrige vier Punkte nach 13 Spieltagen hat der Tabellenletzte auf dem Konto, mit einer solch verheerenden Bilanz zu diesem Zeitpunkt hat noch nie ein Bundesligist die Rettung geschafft.  (Die Tabelle der Bundesliga)

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Die Knappen sind seit mittlerweile 29 Bundesliga-Spielen sieglos und jagen damit den für uneinholbar gehaltenen Negativ-Rekord von Tasmania Berlin (31 Spiele). Selbst vom Relegationsplatz, den Gegner Bielefeld belegt, ist Schalke schon sechs Punkte weg, durch die um 14 Treffer schlechtere Tordifferenz sind es de facto sogar sieben Zähler Rückstand aufs rettende Ufer.

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Schalke ratlos nach nächster Niederlage

Realistisch gesehen gibt es kaum noch Hoffnung für Königsblau, das dieses Jahr mehr Trainerwechsel als Siege verbucht. Dabei haben sie auf Schalke nahezu alles versucht, nach der Entlassung von Manuel Baum am Freitag Jahrhunderttrainer Huub Stevens ein weiteres Mal installiert.

Alleine: Gebracht hat es nichts, und die Ratlosigkeit war am Samstag greifbar. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

"Das Besondere am Fußball ist, dass er sehr verrückt sein kann. Im Moment traut uns niemand irgendetwas zu, aber es ist wirklich alles möglich und man hat schon alles erlebt", flüchtete sich Teammanager Sascha Riether bei Sky in Phrasen: "Alles möglich, alles ist schon passiert und das ist auch die Hoffnung, die wir haben."

Stevens, mittlerweile zum vierten Mal Schalke-Trainer, entgegnete auf die Frage, was der Verein denn noch tun könnte: "Ich weiß es nicht. Ich hoffe, dass wir von heute wenige verletzte Spieler haben und die Dienstag wieder antreten können. Und dann müssen wir wieder ran."

"Was willst du machen?"

Es hilft eben nichts, irgendwie muss es weitergehen. "Was willst du machen? Willst du aufgeben? Du kannst nicht aufgeben", meinte Stevens: "Du musst immer kämpfen, immer weitermachen."

Den Kampf konnte man seinem Team gegen Bielefeld nicht absprechen. Die Schalker versuchten es, warfen in der Schlussphase noch einmal alles nach vorne, sogar Keeper Fährmann ging bei einem letzten Freistoß mit in den Arminia-Strafraum.

Doch es half alles nichts, weil die Mittel und Ideen fehlten. Nicht umsonst ist S04 mittlerweile seit 420 Minuten in der Arena ohne Torerfolg. Zugleich hatte der Coach mit seiner defensiven Aufstellung (Linksverteidiger Hamza Mendyl als Linksaußen) wenig offensiven Mut gezeigt und schon vorab erklärt, die Null müsse stehen.

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Stevens sauer: "Du musst die Initiative ergreifen"

Doch defensiv machte S04 (fast drei Gegentore pro Bundesligaspiel) wieder einmal haarsträubende Fehler. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Ozan Kabak ließ sich in Hälfte eins von Sergio Cordova wegschieben, Schalke hatte Glück, dass der Venezolaner seinen Schuss dann nur an den Pfosten nagelte. Schon zur Pause hätte der Aufsteiger mit ein oder zwei Toren führen können. Beim entscheidenden Treffer nach der Pause ließ die Knappen-Hintermannschaft dann Nathan de Medina unbedrängt flanken, Salif Sané und Bastian Oczipka machten Fabian Klos sein Kopfballtor dann auch nicht wirklich schwer.

Wie ist das zu erklären? "Gute Frage", meinte Stevens: "Wenn ich sehe, dass wir da Drei gegen Eins in der Überzahl sind im Zentrum, aber keiner nimmt den Mann, jeder verlässt sich auf den anderen. Nein! Du musst selbst die Initiative ergreifen."

Bleibt Stevens länger?

Schon am Dienstag müssen die Knappen im DFB-Pokal beim SSV Ulm ran, danach gibt es zumindest eine kurze Winterpause, bis am 2. Januar das enorm wichtige Duell dem direkten Konkurrenten Hertha BSC im Keller ansteht - dann doch wieder mit Stevens an der Seitenlinie?

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Eigentlich war besprochen, dass der Jahrhunderttrainer Schalke nur bis zur Winterpause hilft, für danach habe er auch schon einen neuen Trainer im Kopf, bestätigte Sportvorstand Jochen Schneider vor dem Bielefeld-Spiel nochmals.

Nach SPORT1-Informationen ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass Stevens bis zum Saisonende bleibt - und auch er selbst äußerte sich Samstag vielsagend auf die Frage, ob es denn nur beim kurzen Intermezzo bleibt. "Lasst euch überraschen", sagte er auf der PK nach dem Spiel: "Ich möchte gerne an Weihnachten und Silvester in Ruhe zuhause sein. Ich darf nicht etwas anderes machen, ich muss das zuhause feiern."

Mit den strengen Corona-Richtlinien (ein neuer Coach müsste erst zweifach negativ getestet sein) im Hinterkopf lässt sich seine Aussage durchaus so deuten, dass Stevens "sauber" bleiben soll, weil er auch gegen die Hertha noch ran muss.

Doch ob mit der Niederländer oder beispielsweise Friedhelm Funkel, der nach SPORT1 Informationen klubintern einer der heißesten Kandidaten ist - Schalke braucht ein Wunder, um das Ruder in dieser Saison noch herumzureißen.

"Du musst es zusammen tun", versuchte Stevens seine Mannschaft einzuschwören: "Es gibt keinen anderen Weg. Wenn man es nicht zusammen tut, dann schafft man es nicht."

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