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München - Nationalspieler Leroy Sané ist noch nicht beim FC Bayern angekommen. Nun spricht sein Schalker Förderer Norbert Elgert bei SPORT1 und bewertet die Lage.

Es war die Szene, die am letzten Spieltag des Jahres viele verwundert dreinschauen ließ.

In der 68. Minute der Partie des FC Bayern München bei Bayer Leverkusen nahm Trainer Hansi Flick Leroy Sané aus dem Spiel, brachte den 17 Jahre jungen Jamal Musiala - obwohl Sané erst in der 32. Minute für Kingsley Coman eingewechselt worden war. (DATENCENTER: Die Tabelle der Bundesliga)

Die Einwechslung und Auswechslung war die Höchststrafe für den abermals glücklosen Sané. Danach saß der Nationalspieler auf der Tribüne. Warm eingepackt und angefressen. Ein Bild mit Symbolwirkung: So richtig angekommen ist Sané beim Rekordmeister noch nicht. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse)

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Eine Momentaufnahme? Oder droht sich Bayerns Königstransfer des Sommers als Missverständnis zu entpuppen? Bei SPORT1 bewertet der Mann die Situation, der Sané beim FC Schalke 04 geformt hatte.

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Elgert: Leroy Sané ist "belastbar und kritikfähig" 

"Leroy ist belastbar und kritikfähig. Natürlich wird kein Spieler gerne ein- und dann wieder ausgewechselt. Aber im Fußball gehört auch das dazu. Damit muss man klarkommen und das tut Leroy auch", sagt Norbert Elgert, der Sané in der Schalker Nachwuchsschmiede trainiert hatte.
 
Der 63 Jahre alte Elgert ist seit 1996 A-Jugend-Trainer bei den Königsblauen. Dort formte er viele Talente wie Sané - unter anderem auch Manuel Neuer, Mesut Özil und Julian Draxler. 2019 beschrieb er seine Erfahrungen im Buch "Gib alles - nur nie auf".

Wie Sané sich bei Bayern schlägt, hat Elgert im Blick, man habe auch "regelmäßig Kontakt", berichtet er SPORT1. Und er glaubt nicht, "dass Leroy momentan mein Mitgefühl braucht. Er ist gesund, hat Familie und ist Profi bei einem der weltgrößten und besten Fußballklubs. Viel besser geht’s doch nicht. Ich glaube schon, dass er beim FC Bayern angekommen ist und in den nächsten Monaten noch mehr ankommen wird".

Was Elgert in dieser Überzeugung bestärkt: "Hansi Flick, den ich schon sehr lange kenne und fachlich sowie menschlich sehr schätze, weiß ganz genau, wie er mit seinen Spielern und auch mit Leroy umzugehen hat." Eine gewisse Eingewöhnungszeit gehöre dazu: "Ich glaube, dass ein Spieler, der zum FC Bayern wechselt, Zeit braucht, um sich zu adaptieren und um die Erfolgs-DNA des FCB anzunehmen und zu verinnerlichen." Dies sei "einfach nur menschlich".

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Sané äußerte sich selbstkritisch

Sané selbst hatte verständnisvoll auf seine Ein- und Wiederauswechslung reagiert. "Die Auswechslung kam im ersten Moment überraschend für mich - das kannte ich so nicht. Aber auch das passiert einmal", sagte er am Sonntag der Bild, um dann schnell auf den Sieg im Spitzenspiel zu kommen: "Das Team war direkt nach Abpfiff an meiner Seite, und wir haben uns alle über die drei Punkte gefreut."

Er sei selbst sein "größter Kritiker" und wisse es einzuordnen, dass er zuletzt sein Leistungsvermögen nicht abrufen konnte. "Aber das wird sich ändern", sagte Sané.

45 Millionen Euro hatten sich die Bayern die Dienste des früheren Profis von Manchester City kosten lassen - und zeigten auch wiederholt Verständnis für seine Startprobleme: Seine langwierige Verletzung noch zu City-Zeiten, Anpassung an das Spiel der Bayern. Doch allmählich muss Sané liefern, gerade auch mit Blick auf die Konkurrenz: Ansonsten landet er in einem so gut aufgestellten Team wie dem der Bayern dauerhaft auf der Ersatzbank.

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Rummenigge ließ im Dopa aufhorchen

Für Aufhorchen sorgte zuletzt auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, als er im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 seine Erwartungshaltung an Sané in deutlichen Worten ausdrückte: Die Mannschaft werde sich nicht an seinen Charakter anpassen. Im Gegenteil, Sané müsse seinen Charakter "an den FC Bayern anpassen. Es wird alles verziehen, aber man muss alles in die Wagschale werfen, um als Sieger vom Platz zu gehen. Das muss er lernen."

Dopa-Experte Alfred Draxler warf an gleicher Stelle die Frage in den Raum: Hätte man sich beim FC Bayern nicht wundern müssen, weil ManCity Leroy im Sommer ohne großes Murren abgegeben hat, dass da etwas nicht stimme?

Aus Elgerts Sicht hat Bayern allerdings keinen Grund sich zu wundern: "Leroy war immerhin ein absoluter Publikumsliebling bei ManCity und das bestimmt nicht, weil er so gut Eishockey spielen kann."

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