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Jean-Philippe Mateta wechselte zu Crystal Palace
Jean-Philippe Mateta wechselte zu Crystal Palace © Imago
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Jean-Philippe Mateta wird nach seinem Abgang bei Mainz 05 keine Träne nachgeweint. Der Franzose hat seinen Status als Publikumsliebling leichtfertig verspielt.

Als Jean-Philippe Mateta im Herbst plötzlich in Topform agierte und beim bislang einzigen Saisonsieg einen Dreierpack in Freiburg schnürte, war der Franzose auf dem Weg zur Lebensversicherung von Mainz 05.

Es gab viel Lob für sein Auftreten, Ex-Trainer Jan-Moritz Lichte hob dessen Fleiß hervor. Man müsse ihn "fast bremsen"”, so die Aussage vor rund zwei Monaten. Seitdem ist allerdings viel passiert: In den darauffolgenden acht Pflichtspielen fiel der Angreifer nur noch bei einem Pfostenschuss auf, Laune und Leistungskurve sanken gleichermaßen.

Mateta-Wechsel nach England die "sinnvollste Lösung"

Es sagt viel über das Verhältnis zwischen Coach und Spieler aus, wenn Bo Svensson nach der 0:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg sagte: "Alle Seiten haben überlegt, was am meisten Sinn ergibt. Wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass die Lösung, die wir jetzt gefunden haben, sinnvoll ist.”

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Sprich: Obwohl Mainz tief im Keller steckt und die Hinrunde mit nur sieben Punkten als Tabellenvorletzter beendet, wird Mateta nicht mehr gebraucht. Der Egotrip des begabten Stürmers war zu groß, die Reservistenrolle tat ihr Übriges. Er verkörperte nicht mehr die für den Abstiegskampf benötigte und vielbeschworene DNA des Klubs.

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Der 23-Jährige wird somit zunächst bis 2022 auf Leihbasis zu Crystal Palace (drei Millionen Euro werden geschätzt) wechseln, der Premier-League-Klub hat anschließend eine Kaufverpflichtung (soll bei 12 bis 14 Millionen Euro liegen). Natürlich ist der Abgang nach England "sein Traum", wie Sportdirektor Martin Schmidt erwähnte.

Bei einem Schlüsselspieler, der sich im sportlichen Überlebenskampf voll reingehängt hätte, wäre der Kampf des Klubs wohl größer gewesen.

Doch die vergleichsweise schnelle Zustimmung der 05er ist ein deutliches Zeichen. Auch die sehr kurz und knapp gehaltene Pressemitteilung des Vereins ist eine klare Ansage: Ein Zitat und kurz die Benennung der Modalitäten, wobei über die Summen "Stillschweigen vereinbart" wurde.

Unglückliche Entwicklung bei Mateta

Das Motto aus Mainzer Sicht lautet: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Dabei fing im Sommer 2018 alles so vielversprechend an. Der Angreifer kam für acht Millionen Euro von Olympique Lyon und erzielte in seiner Premiersaison 14 Bundesligatreffer. Die zweite Spielzeit fing allerdings mit einem herben Rückschlag an, nach einem Meniskuseinriss fehlte er monatelang.

Robin Quaison hatte seine Chance genutzt und sich vor Mateta geschoben, der dadurch auch im fitten Zustand nur auf zwölf Startelfeinsätze mit drei Treffern kam.

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Vor allem unter Svenssons Vor-Vorgänger Achim Beierlorzer ist im Verhältnis Mainz und Mateta vieles kaputtgegangen. Der Stürmer leistete sich diverse Verfehlungen. Er erschien dreimal hintereinander zu spät zum Training, nach Fahrerflucht musste er im Sommer gar seinen Früherschein abgeben. Die Geduld im Umfeld war endlich.

Statt weiterhin Hoffnungsträger und Publikumsliebling zu sein, entwickelte sich der Stürmer trotz Zwischenhochs mit sieben Saisontreffern zuletzt mehr und mehr zum Buhmann.

Blamabler Elfmeter im DFB-Pokal gegen Bochum

Und wie reagierte Mateta darauf, dass er schon unter Lichte peu á peu zum Bankdrücker mutierte? Die Partie in der zweiten DFB-Pokal-Runde gegen den VfL Bochum kurz vor Weihnachten verdeutlichte das Stimmungsbild. 62 Minuten lang spielte Mainz sehr ordentlich und geschlossen auf und führte 2:0. Doch mit der Einwechslung des völlig lustlos agierenden Angreifers kippte die Partie vollständig.

Der Zweitligist kam noch zum Ausgleich, überstand die Verlängerung in Unterzahl und triumphierte im Elfmeterschießen. Während Adam Szalai und Kevin Stöger bei ihren Elfmetern noch Pech mit dem Aluminium hatten, war der "Schuss" von Mateta eine Frechheit. Er lief aufreizend lässig an und schob den Ball saft- und kraftlos in die Arme von Torhüter Patrick Drewes. Ein Beleg der Arbeitsauffassung, die in der Schule die Note "mangelhaft" nach sich gezogen hätte. 

Unter Svensson rutschte Mateta in der Hierarchie immer weiter ab, in Dortmund wurde er nicht mehr eingewechselt. Ex-Sportvorstand Rouven Schröder sagte im November noch: "Ein Verkauf im Winter ist nicht denkbar! Wir brauchen ihn, um unsere Ziele zu erreichen."

Wenn ein Klub, der tief im Abstiegskampf steckt und in die 2. Liga abzusteigen droht, wenige Wochen nach dieser Aussage unter neuer Führung eine solche Kehrtwende vollzieht und einen solchen fußballerischen Top-Spieler abgibt, dann muss das Verhältnis nicht mehr zu kitten gewesen sein. From Hero to Zero – es ist ein stiller Abgang von Mateta in einer sportlich prekären Situation.

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