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München - Mats Hummels erklärt, was dem BVB unter Lucien Favre gefehlt hat. Der Innenverteidiger sieht die Mannschaft gut genug für eine Meisterschaft.

Aus Sicht von Mats Hummels hat Borussia Dortmund unter Ex-Trainer Lucien Favre vor allem die Reife gefehlt.

"Wir haben zu oft keinen Erwachsenen-Fußball gespielt", sagte der Weltmeister von 2014 im Gespräch mit der Sport Bild. Dies sei der Grund für die schwankenden Leistungen im Jahr 2020 gewesen, Favre wurde schließlich im Dezember durch den bisherigen Assistenz-Trainer Edin Terzic ersetzt (Die Tabelle der Bundesliga).

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"Am Ende herrschte offenbar der Eindruck, dass es in dieser Konstellation ein Limit gab, welches wir mit Lucien Favre maximal erreichen können", befand Hummels: "Ich denke, bei den Verantwortlichen reifte dann der Entschluss, etwas verändern zu müssen, um über dieses Limit hinausgehen zu können."

Hummels: "Wie die Kids beim Hallenfußball"

Sein Rat: "Weniger zocken als wären wir in Fünf-gegen-Fünf-Spielformen wie die Kids beim Hallenfußball." Hummels betonte, dass sich "in den vergangenen anderthalb Jahren Fehler eingeschlichen" haben: "Ich habe sie Kinderkrankheiten genannt."

"Die Art, wie wir Fußball gespielt haben, musste zwangsläufig dazu führen, dass wir immer wieder Punkte liegen lassen", sagte Hummels: "Wir haben dem Gegner zu leicht die Bälle, die Tore und die Punkte geschenkt. Das müssen wir abstellen. Es muss wieder harte Arbeit sein, den BVB zu schlagen - und kein Vergnügen."

Hummels hatte nach dem 1:5 gegen den VfB Stuttgart, was Favre endgültig zum Verhängnis wurde, ein aufsehenerregendes Interview gegeben, in dem er auch die Taktik kritisierte.

"Das öffentlich zu machen, war aus meiner Sicht die letzte Patrone. Es gab Situationen in meiner Karriere, wo das geholfen hat", erklärte Hummels - betonte aber: "Mir ging es in meinen Aussagen aber nicht um den Trainer und dessen Beurlaubung, sondern unsere Gemeinschaft. Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass die Aussagen von Marco und mir unsere Verantwortlichen in ihrer Entscheidung beeinflusst haben."

Hummels sieht BVB "gut genug" für Meisterschaften

Terzic verzeichnet in bislang drei Bundesligaspielen als Chef zwei Siege und eine Niederlage, zudem überstand die Mannschaft die zweite Runde im DFB-Pokal gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig glanzlos.

Mittelfristig ist Hummels mit Blick auf die Qualität der Mannschaft optimistisch. "Wir sind gut genug, um eine Meisterschaft in den kommenden Jahren zu gewinnen", sagte er: "Nur müssen wir selber die Bereitschaft dafür mitbringen. Schenken wird uns die Schale keiner."

Auf dem Weg zu einem Titel soll auch Youssoufa Moukoko entscheidend sein: "Er ist schon wirklich gut. Ich habe Toni Kroos mit 16, 17 Jahren spielen sehen, Mario Götze und Christian Pulisic auch. Youssoufa reiht sich definitiv in die Riege der Besten in dem Alter ein, mit denen ich je zusammengespielt habe."

Tuchel zurück zum BVB? "Nicht mein Thema"

Auf die Frage nach seinem wichtigsten Trainer seiner Karriere nannte Hummels aufgrund seiner "persönlichen Erfolgsgeschichte" Jürgen Klopp: "Die Jahre waren so intensiv, so prägend für meine Karriere."

Dass die Person Klopp weiter über dem Verein schwebt und dessen Nachfolger mit ihm verglichen werden, sieht der 32-Jährige nicht zwingend als Problem.

"Unter Thomas Tuchel hat es mit einem anderen Typen, mit einem anderen Ansatz, auch sehr gut funktioniert", sagte Hummels über den Ex-Trainer, der zuletzt bei Paris Saint-Germain seinen Hut nehmen musste.

Müsste sich Dortmund gar mit einer Rückholaktion beschäftigen? "Das ist nicht mein Thema. Schaut man sich die Statistik an, ist er sicher ein guter Trainer. Alles andere müssen andere entscheiden."

DFB-Aus "schon eine Art Schock"

A propos Rückkehr: Über ein mögliches DFB-Comeback bei einem Anruf von Joachim Löw hat sich Hummels "schon sehr viele Gedanken gemacht, ich bin immer sehr emotional und leidenschaftlich beim DFB dabei gewesen. Sich über eine theoretische Situation den Kopf zu zermartern, bringt nichts: Das wird sich erst herausstellen, sollte es dazu kommen."

Er habe in den vergangenen Monaten "nicht besonders viele Spiele gesehen, weil es mich emotional wirklich getroffen hat, zuschauen zu müssen. Das gebe ich ehrlich zu." Nicht mehr beim DFB dabei zu sein, sei "surreal" gewesen, "schon eine Art Schock".

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Kontakt zu Joachim Löw und Oliver Bierhoff habe es zuletzt Mitte Dezember gegeben: "Beide haben mir zum Geburtstag gratuliert. Aber das haben sie auch letztes Jahr gemacht. Wir gratulieren uns alle gegenseitig, denn: Wir haben ja kein schlechtes Verhältnis untereinander."

So sieht Hummels seine Zukunft

Der Weltmeister von 2014 hat "auf jeden Fall Bock", auch nach seinem Vertragsende 2023 weiter zu spielen. "Wenn alles gut läuft, spiele ich noch zweieinhalb Jahre in Dortmund. Dann muss ich sehen, wie mein Gesundheitszustand im Sommer 2023 ist: Es ist alles vorstellbar, auch, dass ich aufhöre. Beispielsweise wenn der Kopf 'Nein' sagt", meinte Hummels.

Für einen Wechsel ins Ausland sei es "fast zu spät. Aber ehrlich gesagt habe ich in meiner Karriere irgendwann gelernt, dass man nichts planen kann."

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