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München - In seiner SPORT1-Kolumne thematisiert Marcel Reif die Bayern-Defensive. In Gladbach sieht er Risikopotenzial bis Saisonende. Bei Haalands Zukunft ist er sich sicher.

Hallo Fußball-Freunde,

nach der Pleite des FC Bayern bei Eintracht Frankfurt scheint das Meisterrennen weiter spannend zu bleiben. Allerdings liegt das zu einem großen Teil auch an den Münchnern selbst. (Die Tabelle der Bundesliga)

Die Ausrede der Belastung möchte ich hier nicht gelten lassen. Die Niederlage bei den Hessen lag nicht an der Klub-WM. Die Leistung war einfach indiskutabel von A bis Z. Das war in der ersten Halbzeit das Schlechteste, was ich von den Bayern, seit ich zurückdenken kann, gesehen habe.

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Das gilt aber nicht nur für die Spieler auf dem Feld. Auch Hansi Flick hat mich mit seinen Entscheidungen mehr als überrascht. Ich möchte nicht sagen, dass er sich vercoacht hat, aber da waren meiner Meinung nach in der Defensive einige Fehleinschätzungen dabei.

Warum hat er nicht Joshua Kimmich auf die rechte Seite gestellt und David Alaba ins Mittelfeld geschoben? Für Lucas Hernández hat man 80 Millionen als Innenverteidiger bezahlt. Mag sein, dass er seine Topform sucht, aber ich verstehe nicht, warum Flick ihn nicht hinten reinstellt.

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Stattdessen bringt er Marc Roca. Der kann Fußball spielen, aber nicht in dieser Liga – zumindest noch nicht. Da hat man das Gefühl, er hat einen B-Jugendspieler aufgestellt.

Süle kämpft um seine Zukunft bei Bayern

Stattdessen bringt er lieber einen Niklas Süle auf rechts, der aktuell mit seiner eigenen Form zu kämpfen hat.

Der deutsche Nationalspieler könnte es in Zukunft schwer haben beim Rekordmeister. Der 25-Jährige bekommt durch Dayot Upamecano in der kommenden Saison zusätzliche Konkurrenz in der Innenverteidigung. Damit kämpfen mit Upamecano und Hernández gleich zwei teure Einkäufe um die Plätze im Defensivzentrum.

Speziell bei Hernández lastet auf Flick enormer Druck. Dem wird man zur Not schriftlich geben, dass er Hernández zu der Form zu bringen hat, die er haben kann. Sonst wäre er nicht Weltmeister und Bayern hätte ihn nicht für 80 Millionen geholt. Der steht nicht zur Disposition.

Neben diesen beiden Toptransfers haben sie auch noch Tanguy Nianzou. Auf den halten sie in München große Stücke. Süle muss sich also warm anziehen. In der aktuellen Form jedenfalls hilft er Bayern nicht – weder in der Innenverteidigung noch auf der Außenposition.

Borussia Dortmund: Haaland wird nicht verkauft

Auch bei Borussia Dortmund macht man sich Gedanken über das zukünftige Gesicht der Mannschaft. Durch Corona hat die Borussia ein enormes Minus gemacht. Aber im Vergleich sind sie immer noch gut aufgestellt.

Zudem steht im Sommer durch den Verkauf von Jadon Sancho ein warmer Geldregen ins Haus. Dass der Engländer gehen wird, ist meiner Meinung nach schon längst geklärt. Den dürfen sie auch nicht mehr länger halten wollen, weil er sonst wieder in ein Loch fällt.

Erling Haaland wird aber auch in der kommenden Saison für den BVB auflaufen. Dortmund meldet sich eher vom Spielbetrieb ab, als ihn zu verkaufen.

Der Junge ist einfach unglaublich. Diese Wucht, dieses Gefühl, wo man auf dem Platz sein muss, das kann man nicht lernen. Er hatte ein kleines Tief, weil es auch in der Mannschaft nicht funktioniert hat. Aber jetzt kommt er so zurück. Das zeigt: Mental ist er weiter, als man es in diesem Alter normalerweise ist.

Zwar wird sich Dortmund einiges überlegen müssen, damit der Kader weiter ausgeglichen bleibt. Aber Haaland ist unumstößlich. Irgendwann wird er weggehen und Real Madrid, wenn sie Kylian Mbappé nicht bekommen, wird gewaltig auf den Putz hauen. Aber Dortmund ist heutzutage weiter als früher. Sie können sagen: Wir können über vieles reden, aber nicht über Haaland!

Borussia Mönchengladbach: Risikopotenzial bis zum Saisonende

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf die Situation bei Borussia Mönchengladbach eingehen. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Das klingt alles so dramatisch. Aber was da in Gladbach passiert, ist das Normalste der Welt. Dortmund braucht seit der Trennung von Lucien Favre einen neuen Trainer und es war bekannt, dass sie an Marco Rose interessiert sind. Das weiß auch Max Eberl seit Monaten. Wo ist das Drama? Es geht nun darum, dass man das vernünftig hinkriegt.

Kann das kompliziert werden? Natürlich!

Fußball ist ein Ergebnissport und wenn die nicht stimmen, wird es schwierig. Da sind ja nicht nur lauter Rose-Anhänger im Team. Wenn die Ergebnisse fehlen, wird es unruhig - vorsichtig ausgedrückt. Auch die Fans spielen dabei eine große Rolle. Sollte man die durch weitere Tiefschläge, wie die Derby-Pleite gegen Köln und die Niederlage gegen Mainz, verlieren, ist Eberl möglicherweise zu einer Reaktion gezwungen - und die kann dann doch nur vorzeitige Trennung von Rose heißen. Ich wünsche ihm allerdings von Herzen, dass sie es in Gladbach hinbekommen.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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