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Frankfurt am Main - Der Frankfurter Routinier hält eine Champions-League-Qualifikation durchaus für möglich. Und er nennt einen überraschenden "entscheidenden Mann".

Sebastian Rode zählt bei der Eintracht Frankfurt, der Mannschaft der Stunde, zu den Kandidaten für das Kapitänsamt. (SERVICE: Bundesliga-Spielplan und -Ergebnisse)

Im Interview mit SPORT1 äußert sich der 30-Jährige zur K-Frage, zu Rückkehrer Luka Jovic, dem eigenen Fitnesszustand und den Spekulationen rund um Sportvorstand Fredi Bobic.

SPORT1: Sebastian Rode, sechs Siege und ein Remis aus den vergangenen sieben Bundesligaspielen bedeuten in diesem Zeitraum Platz 1. Ist das nur eine Momentaufnahme oder doch ein Beleg für die Stabilität von Eintracht Frankfurt? 

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Sebastian Rode: Das ist keine Momentaufnahme. Wir hatten in der Hinrunde noch viele Spiele, die wir nicht für uns entscheiden konnten. Aber jetzt ernten wir die Früchte für unsere harte Arbeit. So, wie wir momentan spielen, sind wir den Gegnern überlegen und siegen verdient. 

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SPORT1: Was ist aber das Erfolgsgeheimnis für den aktuellen Lauf der Eintracht? 

Rode: Wir haben defensive Stabilität mit einer spielerischen Leichtigkeit gepaart. Vorne macht André Silva die Tore, und Luka Jovic hat uns noch einen zusätzlichen Kick gegeben. Wenn er ins Spiel kommt, dann ist er für das gegnerische Team ein Mann, den man binden muss. Dadurch entstehen Räume für andere. Deshalb blüht jeder momentan auf. 

Rode: Silva auch stark in der Arbeit gegen den Ball

SPORT1: Sie haben die beiden herausragenden Namen schon genannt. Silva hat 16 Tore in 18 Bundesligaspielen erzielt. Was sagen Sie zu seiner Topform? 

Rode: Die Entwicklung von André Silva ist schön zu sehen. Ihn zeichnen nicht nur die Tore, sondern auch die Arbeit gegen den Ball aus. André arbeitet vor und während dem Training hart an sich. Es ist schön, dass er die Tore macht. 

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SPORT1: Auch Jovic begeistert das Umfeld. Wie wurde seine Rückkehr in der Kabine aufgenommen? 

Rode: Die Rückkehr von Luka Jovic war ein schönes Wiedersehen. Alle, die damals schon mit ihm zusammengespielt haben, hatten ein Lächeln auf den Lippen. Und so war es auch bei den Fans. Schade, dass wir den Austausch mit dem Anhang im Stadion nicht haben. Es wäre phänomenal zu erleben, was in dieser Phase im Stadion los wäre.

Rode: Technik und Abschluss bei Jovic "brutal stark" 

SPORT1: Sie haben schon vor dem Abgang von Jovic zu Real Madrid mit ihm zusammengespielt. Stellen Sie Veränderungen bei ihm fest? 

Rode: Es ist natürlich schwierig, die Spielstile von Real Madrid und Eintracht Frankfurt zu vergleichen. Technik und Abschluss waren aber schon immer brutal stark bei ihm. Das hat Jovic auf keinen Fall verloren. Doch ich möchte auch die Bedeutung von Amin Younes hervorheben. Wie gut er unserem Spiel tut, hat man zuletzt im Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen gesehen. Als er verletzt raus musste, haben wir einen entscheidenden Mann verloren. 

SPORT1: Als Beobachter kommt bei den Leistungen von Jovic, Silva und Younes wieder das Gefühl der Büffelherde auf. Fällt Ihnen schon ein neuer Begriff für die Angriffsreihe der Eintracht ein? 

Rode: Nein, die drei Angreifer unterscheiden sich schon von den drei Stürmern damals. Daher müssen wir uns da noch einen neuen Begriff einfallen lassen (lacht). 

SPORT1: Der Fußball ist aber im Vergleich zur Saison 2018/19 insgesamt aber noch variabler und attraktiver geworden. 

Rode: Diese Variabilität ist wichtig. Man muss den Spielstil an die Spieler anpassen. Die Wucht von Ante Rebic und die Größe und Masse von Sebastien Haller, der die Bälle festgemacht hat, haben wir so in der Form nicht. Jetzt haben wir mit Aymen Barkok, Daichi Kamada und Amin Younes quirligere Spieler. Das tut uns enorm gut. Aber auch über die Außenbahnen läuft bei uns viel. Filip Kostic blüht wieder auf, seitdem Jovic zurück ist. Und Erik Durm macht seine Aufgabe seit seinem Comeback im Herbst richtig gut. 

"Spekulationen um Bobic tangieren uns nicht"

SPORT1: Wirkt die Eintracht aktuell nicht sogar stabiler als Ihr Ex-Klub Borussia Dortmund? 

Rode: Im Fußball kann sich alles so schnell drehen. Wir sind sehr glücklich, wie stabil wir derzeit sind. Im Pokal hat man schon die Probleme bei Dortmund oder Leverkusen gesehen. Wir sind vielleicht einen Tick stabiler, aber das muss man über die ganze Saison halten. Das ist brutal schwer und da haben wir einen weiten Weg vor uns. (SERVICE: Bundesliga-Tabelle)

SPORT1: Könnten die Gerüchte rund um einen Abgang von Sportvorstand Fredi Bobic für genau die Unruhe sorgen, die den Erfolg gefährdet? 

Rode: Die Spekulationen um Fredi Bobic tangieren uns fast gar nicht. Es wäre schlimm, wenn von uns niemand attraktiv wäre für einen anderen Klub. Bobic leistet hervorragende Arbeit, das bleibt auch bei anderen Vereinen nicht unbemerkt. Es ist aber seine Entscheidung, wie es für ihn weitergeht. Wir müssen den Fokus auf dem Platz behalten. 

SPORT1: Für Sie persönlich fing das Jahr 2021 nicht ganz so glücklich an. Erst mussten Sie eine Gelbsperre absitzen, dann folgten Knieprobleme. Sind Sie inzwischen wieder bereit für 90 Minuten? 

Rode: Die Probleme im Knie sind ausgestanden. Natürlich fehlt hier und da noch etwas die Spritzigkeit. Ich bin aber heiß und warte auf meine Chance. Die Jungs machen es mir schwer, wieder in die erste Elf zu kommen. Aber ich bin da, wenn ich gebraucht werde. 

SPORT1: Gegen Hertha BSC waren Sie nach Ihrer Einwechslung ein Schlüssel zum Erfolg und leiteten das 2:1 mit ein. War das auch ein Zeichen in Richtung Adi Hütter? 

Rode: Makoto Hasebe und Djibril Sow haben das zuletzt hervorragend gemacht. Der Trainer hatte deshalb keinen großartigen Grund, daran etwas zu ändern. Ich werde im Training und in den Spielen weiterhin Gas geben und versuche, auf 100 Prozent zu kommen. Die beiden Jungs haben vier gelbe Karten und daher wird die nächste Chance kommen. 

Rode: "Es gibt kein Rennen um das Kapitänsamt"

SPORT1: Generell fällt aber auf, dass Sie nur noch selten langfristig verletzt ausfallen. Angesichts Ihrer Verletzungsakte ist dies trotz der vielen Partien durchaus bemerkenswert. Was ist Ihr Geheimnis, dass Sie nun so fit sind? 

Rode: Ich bin sehr froh, dass es körperlich so gut läuft. Ich habe viel gearbeitet, man lernt mit der Zeit immer besser, was einem gut tut. Vielleicht hängt es auch mit dem generellen Wohlbefinden zusammen. Ich fühle mich seit der Rückkehr sehr wohl, dann merkt man auch das eine oder andere Wehwehchen nicht so. 

SPORT1: Nach dem Abgang von David Abraham stellt sich die Kapitänsfrage in Frankfurt. Hütter kündigte an, sich bis zum Sommer Zeit lassen zu wollen. Wie sehen Sie Ihre Position? 

Rode: Es ist für mich kein Rennen um das Kapitänsamt. Ich sehe das ganz entspannt! Ich bin ein erfahrener Spieler und der Trainer weiß, was er an mir hat. Hasebe macht das derzeit hervorragend als Kapitän. Und auch Hinteregger meistert seine Aufgabe gut. Solange die Binde dem Spieler einen Push gibt und keine Bürde ist, kann sie jeder haben. Ich denke, dass da kein Spieler neidisch auf den anderen sein sollte. Der Trainer wird eine gute Lösung finden. 

SPORT1: Aber Hand aufs Herz, welche Bedeutung hätte die Binde für Sie? 

Rode: Das offizielle Amt wäre natürlich eine besondere Ehre, da ich aus der Region komme und den Adler schon seit vielen Jahren auf der Brust trage. Aber nichtsdestotrotz wäre ich nicht traurig, sauer oder neidisch, wenn ein Mitspieler die Kapitänsbinde tragen würde. Ich sehe mich dann trotzdem als wichtigen Spieler und werde unabhängig von der Entscheidung Gas geben. 

Rode: "Ich bin hin- und hergerissen"

SPORT1: Mit nun 30 Jahren kommen Sie langsam in das Alter, wo man sich auch über die Zeit nach der Karriere Gedanken machen muss. Teilen Sie diese mit uns. 

Rode: Ich bin noch hin- und hergerissen, ob ich nach meiner Karriere im Fußballgeschäft bleibe. Zunächst möchte ich meinen Vertrag erfüllen. Bis dahin kann ich mir noch ein paar Gedanken machen. Aber es macht mir ungemein Spaß, Fußballwissen zu vermitteln. Ich habe die Ehre gehabt, dass ich von guten Trainern gelernt habe. Vielleicht möchte ich das auch an andere weitergeben. 

SPORT1: Zum Abschluss eine These: Eintracht Frankfurt ist reif für die Champions League! 

Rode: Warum nicht? Wir müssen weiter auf unserem Weg bleiben. Das Wichtigste ist, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Das europäische Geschäft war aber von Anfang an unser Ziel, da wollen wir dranbleiben. Die Qualifikation für die Europa League wäre ein absolutes Highlight – aber natürlich träumt man auch von der Champions League.

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