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Beim FC Schalke geht es hinter den Kulissen rund. Nun spricht die geheime Retter-Gruppe, die mit ihrem Vorstoß bei Rangnick den Aufsichtsrat gegen sich aufbrachte.

Die Neuausrichtung des FC Schalke wird zur öffentlichen Schlammschlacht - auch weil eine Gruppe von einflussreichen Personen im Hintergrund versucht, weitreichende Veränderungen vorzunehmen. 

Mit seinem Versuch, Ralf Rangnick für den Posten des Sportvorstandes gewinnen zu wollen, hatte sich der 14 Mann starke Interessensverbund gar den Zorn von Schalkes aktuellem Aufsichtsratschef Dr. Jens Buchta zugezogen. Dieser sprach öffentlich von "vereinsschädigendem Verhalten". 

Nun hat sich die zuvor geheime Retter-Gruppe in einer Medienrunde erstmals öffentlich zu Wort gemeldet.

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Auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Essen erklärten Professor Dr. Ulrich Paetzel (Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft) und Frank Haberzettel (Geschäftsführer des Deutschen Beamten Wirtschaftsverbandes) das Vorgehen in der Personalie Rangnick.

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Auch Euro-Fighter Ingo Anderbrügge und Harfid Hadrovic (Geschäftsführer des Bauunternehmens und Ärmelsponsors Harfid) nahmen an dem Termin teil. 

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"Es gab in dieser Gruppe einen Kontakt zu Ralf Rangnick und dessen Berater. Wir haben mehrere Gespräche geführt", bestätigte Paetzel dabei. Man habe "logischerweise" keine Vertragsverhandlungen mit dem 62-Jährigen geführt, sondern lediglich Eckpunkte eines möglichen Engagements skizziert. 

"Man muss alles tun, um Rangnick zu verpflichten"

Es habe den Versuch gegeben, Buchta einzuschalten, was aber nicht zustande kam: "In dem Moment, in dem man Ralf Rangnick bekommen kann, muss man alles dafür tun, um ihn zu verpflichten. Das ist der Hintergrund." 

Bei den Gesprächen habe die Gruppe den Eindruck gewonnen, "dass Ralf Rangnick richtig Lust auf dieses Projekt hat und mit Herz dabei wäre." 

Haberzettel ergänzte: "Wir haben versucht, den Aufsichtsrat im Januar zu kontaktieren, ganz konstruktiv. Es kam leider zu keiner intensiven Zusammenarbeit." Aber: Noch am Mittwoch wolle man sich mit dem Aufsichtsrat treffen, dann soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Paetzels Hoffnung ist, "dass wir ab heute Nachmittag nicht mehr übereinander, sondern miteinander reden."

"Unsere Gruppe hat das richtige Schalke-Herz"

Die Gruppe hatte sich bereits gegen Ende des vergangenen Jahres gebildet und wuchs in den vergangenen Wochen stetig an. "Wir sind keine Opposition", betonte Haberzettel, vielmehr will die Gruppe Schalke nach eigener Aussage mit ihrer Expertise helfen. Sie ging allerdings letztlich eigenmächtig auf Rangnick zu – und verärgerte damit den Aufsichtsrat. 

Dass das nicht die Absicht war, war Haberzettel wichtig: "Wir wollen mit Schalke arbeiten. Unsere Gruppe hat das richtige Schalke-Herz." Die von Buchta erhobenen Vorwürfe, die Gruppe sei im Zuge der Rangnick-Gespräche auch auf Sponsoren zugegangen, bestritt er: "Wir weisen den Vorwurf, dass einige Sponsoren in unserer Gruppe Druck auf Schalke ausgeübt hätten, entschieden zurück." 

Hadrovic ergänzte: "Ich kann als Sponsor sagen, dass wir Schalke nicht untergehen lassen. Es geht nicht um Finanzen, sondern um Strukturen. Der Verein muss Fans eine Perspektive schaffen."

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Auch der Wunsch nach einer sofortigen Ausgliederung der Profiabteilung sei "überhaupt nicht unsere Intention und kein Thema", erklärte Haberzettel. Eine solche Entscheidung könne man in einem Klub mit über 140.000 Mitgliedern nur treffen, wenn man "alle ins Boot" holen könne.

Ab sofort stehe die Gruppe allen Schalkern offen: "Wir machen ein klares Angebot zur Mitarbeit für unseren Verein. Bitte unterstützen Sie uns mit diesem Aufruf." Zuspruch gibt es bereits. "Die Telefone stehen nicht mehr still. Es habe sich weitere Namen gemeldet. Unternehmer, Ex-Spieler, die mitmachen wollen", sagte Paetzel. In der Gruppe, sagte er weiter "gibt es keine Scheichs, keine Heuschrecken. Clemens Tönnies ist nicht Teil unserer Gruppe."

Schon länger zur Gruppe gehört dagegen Anderbrügge, der seinem Ex-Verein mit Rat und Tat zur Seite stehen will: "Viele Fans fragen: Wieso bindet man euch Eurofighter nicht mehr ein? Nur ganz wenige wurden eingebunden oder haben die Chance bekommen. Ich will helfen. Ich bin vor einem Elfmeter nie weggerannt und werde auch jetzt nicht wegrennen. Ich will den Verein mit besten Wissen und Gewissen vertreten. Wir brauchen ein starkes Schalke."

Am Montag hat der Aufsichtsrat Kontakt zur Rangnick-Seite aufgenommen und ein erstes Gespräch geführt.

Nach SPORT1-Informationen soll es am Donnerstag ein Treffen geben. Nachdem der bisherige Favorit Markus Krösche (RB Leipzig) abgesagt hat, scheint Rangnick die einzige verbliebene Alternative.

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