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München - Im SPORT1-Interview ordnet Bayern-Präsident Herbert Hainer die Bedeutung des Spiels gegen Dortmund ein und spricht über die Perspektiven von Leon Goretzka und Jamal Musiala.

Der Präsident spricht Klartext! 

Vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund  (Bundesliga: FC Bayern - Borussia Dortmund am Sa., ab 18.30 Uhr im LIVETICKER) nimmt sich Bayern-Präsident Herbert Hainer Zeit, um über die brennendsten Themen rund um den deutschen "Clasico" zu sprechen.  

Das SPORT1-Interview! 

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SPORT1: Herr Hainer, Platz 1 gegen Platz 5 bei 13 Punkten Differenz. Ist das überhaupt noch ein Spitzenspiel? 

Herbert Hainer: Absolut. Bayern und Dortmund waren in den vergangenen zehn Jahren die bestimmenden Mannschaften im Kampf um die Meisterschaft. Wir hatten in den letzten acht Jahren die Nase vorn, aber es ist und bleibt ein Spitzenspiel. 

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SPORT1: Wird Ihnen Leipzig auf Sicht gefährlicher als Dortmund? 

Hainer: Beide Vereine zählen zu den absoluten Spitzenklubs der Bundesliga und werden sicher auch in der Zukunft eine tragende Rolle  spielen. Wir freuen uns auf diese spannenden Duelle. (Tabelle der Bundesliga)

Hainer: "Haben alles in eigener Hand"

SPORT1: Sind die Bayern in der Champions League motivierter und verteidigen eher diesen Titel als die Meisterschaft? 

Hainer: Wir haben beide Ziele im Auge und die Chance, beides zu erreichen. In der Meisterschaft stehen wir zwei Punkte vor Leipzig und haben alles in der eigenen Hand. In der Champions League brauchen wir neben einer guten sportlichen Performance zusätzlich das nötige Quäntchen Glück.  

SPORT1: Warum ist die Bayern-Defensive so löchrig? 

Hainer: Unser Spiel ist offensiver ausgerichtet als in den Vorjahren – und damit noch einmal attraktiver geworden. Wir müssen einfach immer mehr Tore schießen als wir bekommen (lacht).  

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SPORT1: Erwarten Sie schnelle Verbesserungen? 

Hainer: Wir haben im vergangenen Jahr unglaublich gut gespielt. Zuletzt ist die Stabilität durch einige wichtige Ausfälle zwischenzeitlich etwas verloren gegangen. Hansi Flick hat bereits gesagt, dass wir wieder mehr Stabilität in unsere Defensive reinbekommen müssen. Daran arbeitet die Mannschaft, das wird schon. Davon bin ich überzeugt.  

Hainer: "Watzke wird dem BVB weiterhin guttun"

SPORT1: Wie bewerten Sie das Vorhaben von Hans-Joachim Watzke, nun doch über 2022 hinaus bei Borussia Dortmund im Amt zu bleiben? 

Hainer: Hans-Joachim Watzke ist ein erfahrener Mann in der Bundesliga und hat Dortmund aus einer prekären Lage zu einem erfolgreichen und wirtschaftlich soliden Verein geführt. Er wird dem BVB auch weiterhin guttun. (Alle Spiele und Ergebnisse)

SPORT1: Watzke führte an, dass er den Verein aufgrund der Herausforderungen der Pandemie nicht im Stich lassen wolle. Ist es ausgeschlossen, dass Karl-Heinz Rummenigge nochmal verlängert?  

Hainer: Ja. Wir haben diesen Übergang langfristig und strategisch geplant und unser Plan sieht klar vor, dass Oliver Kahn Ende 2021 den Posten als Vorstandsvorsitzender von Karl-Heinz Rummenigge übernimmt. Wie Dortmund verfährt, ist deren Sache, da habe ich keinen Einblick. Ich kann nur für uns sprechen. Wir machen unsere Planungen nicht von Corona abhängig, denn solche Entscheidungen haben wir uns vorher reiflich und gut überlegt.  

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SPORT1: Wird Watzke nach dem Rummenigge-Abgang der stärkste Bundesliga-Boss sein? 

Hainer: Das würde ich so definitiv nicht sagen. Bei uns übernimmt immerhin Oliver Kahn den Posten des Vorstandsvorsitzenden von Karl-Heinz Rummenigge. Und auch Hasan Salihamidzic ist in seiner Rolle als Vorstand noch mal deutlich gewachsen.  

Hainer: Lewandowski großartiger Erbe von Gerd Müller

SPORT1: Mino Raiola sagte, dass sich nur zehn Vereine in Europa Erling Haaland leisten können. Ist der FC Bayern einer davon? 

Hainer: Wir sind ein wirtschaftlich sehr starker und gesunder Verein. Obwohl auch wir massiv unter der Pandemie leiden, können wir immer Spieler holen, wenn wir von ihnen überzeugt sind. Erst vor zwei Wochen hat Hasan Salihamidzic bekannt gegeben, dass wir mit Dayot Upamecano einen der besten Innenverteidiger zu uns holen.   

Erling Haaland ist eines der größten Stürmertalente der Welt
Erling Haaland ist eines der größten Stürmertalente der Welt © Imago

SPORT1: Dayot Upamecano kostet 42,5 Millionen Euro. Erling Haalands Ausstiegsklausel liegt ab 2022 bei 75 Millionen Euro. Wird der FC Bayern in den nächsten ein bis zwei Jahren solche Summen bezahlen?  

Hainer: Das kann ich heute nicht sagen. Wir befinden uns in einer Pandemie, die ganze Welt steckt in einer Ausnahmesituation – gesellschaftlich, wirtschaftlich und auch im Fußball. Täglich verändern sich die Dinge. Ich bin daher weit davon entfernt, Prognosen zu stellen. Fest steht aber, dass wir in Zukunft noch mehr unseren erfolgreichen Weg gehen werden, junge Spieler mit herausragenden Fähigkeiten zu verpflichten. Die Beispiele Joshua Kimmich, Kingsley Coman, Alphonso Davies oder Jamal Musiala sind Belege dafür, dass der FC Bayern ein Verein ist, bei dem sich außergewöhnliche Talente zu internationalen Top-Spielern entwickeln können.  

SPORT1: Sie kennen Gerd Müller. Er hätte am Torrausch von Robert Lewandowski seine wahre Freude, oder? 

Hainer: Robert Lewandowski ist ein großartiger Erbe von Gerd Müller, denn durch seine Tore ermöglicht er uns viele Titel. Ob er es schafft, Gerds 40-Tore-Rekord zu brechen? Wir werden es sehen. Er hat alle Chancen, aber es wird nicht einfach. Jetzt steht er bei 28 Saisontoren. Insofern muss er noch ein paar machen. Es wird spannend. 

Hainer: "Müller würde jeder Mannschaft gut zu Gesicht stehen - auch dem DFB"

SPORT1: Bekommt er in München eine Statue, wenn er das schafft?  

Hainer: Darüber entscheiden wir, wenn es soweit ist. Zuerst müssen wir eine für Uli Hoeneß bauen, für Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge und, und, und. Zum Glück ist die Geschichte des FC Bayern voller außergewöhnlicher Persönlichkeiten.  

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SPORT1: Joachim Löw hat die Tür für eine Rückkehr von Thomas Müller in die Nationalmannschaft geöffnet. Wird ihm das noch mehr Auftrieb geben?  

Hainer: Thomas Müller spielt eine unheimlich starke Saison. Durch seine Kommunikation, seine Laufbereitschaft und seinen nimmermüden Einsatz während der 90 Minuten kann man sehen und hören, was er für ein wichtiger Spieler ist. Thomas Müller würde jeder Mannschaft gut zu Gesicht stehen - auch der DFB-Auswahl bei der EM. 

SPORT1: Glauben Sie, dass Thomas Müller nur für die EM überhaupt bereitstünde? 

Hainer: Ich kenne Thomas Müller als fußballbegeisterten und ehrgeizigen Spieler. Ich kann mir vorstellen, dass er sagt: Ich mache das. Ich habe darüber aber noch nicht mit ihm gesprochen.  

Hainer: "Goretzka einer der wichtigsten Spieler"

SPORT1: Pünktlich zum BVB-Spiel ist Leon Goretzka nach seiner Corona-Erkrankung wieder in Topform. Wie wichtig ist Ihnen seine Vertragsverlängerung?  

Hainer: Leon Goretzka hat sich in den letzten zwölf Monaten extrem entwickelt. Er ist für uns in meinen Augen einer der wichtigsten Spieler geworden und ein Garant für unsere Erfolge. Ja, wir wollen mit ihm verlängern, aber unsere sportliche Leitung hat insgesamt einige Vertragsgespräche, die anstehen. Um die kümmert sich Hasan Salihamidzic Stück für Stück.  

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SPORT1: Verlängert Aushilfs-Rechtsverteidiger Niklas Süle oder wechselt er im Sommer zum FC Chelsea? 

Hainer: Ich habe gesehen, dass Niklas Süle mittlerweile technische Kabinettstücke auf Lager hat, mit Übersteiger und allem. Das hätte ich so nicht erwartet (lacht). Er ist ein wichtiger Spieler für uns. Im Frühjahr setzen wir uns mit ihm zusammen.   

SPORT1: Was imponiert Ihnen an Jamal Musiala? 

Hainer: Mir persönlich gefällt, dass Jamal Musiala  mehrere Positionen spielen kann, sowohl als Zehner als auch auf der Außenbahn. Er ist sehr vielseitig und dabei noch so jung, er wurde ja gerade erst 18. Ich finde, er ist ein unheimlich interessantes Talent.  

SPORT1: Wann verlängert er seinen Vertrag? 

Hainer: Wir konnten mit ihm keine Vertragsunterschrift tätigen, solange er nicht 18 Jahre alt ist. Sie werden sich noch ein kleines bisschen gedulden müssen – auch, was Spekulationen über eine mögliche Laufzeit betrifft. 

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