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München - Mit einer Notelf lässt der FC Bayern gegen Union Berlin auf dem Weg zum Meistertitel Punkte liegen. Aber das Tor von Union sorgt für Diskussionen.

Der FC Bayern hat sich mit einer Notelf einen Ausrutscher im Titelrennen geleistet. Aber war der späte Ausgleichstreffer von Union Berlin überhaupt regelkonform?

Nach dem 1:1 (0:0) der Bayern sorgte die Entstehung des Treffers von Marcus Ingvartsen (86.) für Diskussionen. Cedric Teuchert hatte einen Einwurf auf der linken Außenbahn schnell ausgeführt und so Vorlagengeber Robert Andrich auf die Reise geschickt. Aber womöglich hatte der Ball vorher die Seitenauslinie nicht mit vollem Umfang überschritten, zudem stand Teuchert nicht mit beiden Beiden auf dem Boden. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Bayern-Trainer Flick: "Ich kann eh nichts mehr ändern"

"Ein 1:0 wäre okay gewesen. So gab es durch einen Einwurf, der umstritten war, noch das 1:1. Das ist schade, das müssen wir akzeptieren", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick und ergänzte bei Sky: "Ich glaube, die Schiedsrichter haben das überprüft. Ich kann eh nichts mehr ändern. Ich kann darüber diskutieren, aber das mache ich lieber nicht. Ich konzentriere mich auf die Dinge, die ich selbst ändern kann."

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Laut Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt von "Collinas Erben" wäre ein zu früher Griff zum Ball von Teuchert ein Fall für den Videoassistenten gewesen, "denn dann hätten wir es mit einem Handspiel zu tun, das ja genau in der Angriffsphase lag, die dann in einem Tor mündete. Dazu bräuchte es natürlich einen klaren Beleg, der liegt offensichtlich nicht vor." Man könne nur vermuten, dass der Ball noch nicht im Aus war.

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Ob ein falscher Einwurf vorlag, war sich Feuerherdt nicht so sicher. "Es müssen natürlich beide Beine auf dem Boden sein, man müsste schauen, wann der Ball die Hände verlassen hat. Wenn das Bein danach hochging, wäre es unproblematisch. Wenn das Bein schon vorher in der Luft gewesen wäre, wäre der Einwurf in der Tat falsch gewesen, aber Videoassistent darf in solchen Fällen nicht eingreifen."

Musiala-Tor reicht Bayern-Notelf gegen Union Berlin nicht

Bei den Bayern war jedenfalls die Enttäuschung groß, dass der Geniestreich von Jamal Musiala (68.) nicht zum nächsten Sieg auf dem Weg zum neunten Meistertitel in Serie gereicht hat. "Schade, dass wir das Tor bekommen haben. Ein 1:0-Sieg wäre sicherlich auch gerechter gewesen. Aber wir müssen das so akzeptieren, es geht weiter", meinte Flick.

Kapitän Manuel Neuer ergänzte: "Wir haben über weite Strecken mit der Mannschaft ein gutes Spiel gemacht, aber so ist Fußball, da waren wir einmal nicht hellwach und dann klingelt es."

Youngster Musiala erzielte zunächst nach einem Tänzchen im Sechzehner gegen drei Unioner und starker Vorarbeit von Thomas Müller das vermeintlich erlösende Tor für die Bayern. Ingvartsen glich in der Schlussphase (86.) für die Gäste aus. David Alaba hatte in der vierten Minute der Nachspielzeit noch den Siegtreffer auf dem Fuß, verzog aber. (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

Luthe: "Das können wir besser verteidigen"

"Das ist schon ein unnötiges Tor", haderte Union-Keeper Andreas Luthe mit dem Gegentor. "Das hat er gut gemacht, das muss man sagen. Aber das können wir besser verteidigen." Mit dem Ergebnis war er am Ende dennoch zufrieden: "Wir haben ein gutes Auswärtsspiel abgeliefert und insgesamt einen verdienten Punkt mitgenommen. Wir waren weiter wachsam, sind mutig geblieben und wurden am Ende belohnt."

In der Tabelle führen die Münchner weiterhin vor Verfolger RB Leipzig, der den Rückstand dank eines 4:1-Sieges bei Werder Bremen allerdings auf fünf Punkte verkürzen konnte. Union knackte derweil die 40-Punkte-Marke und blieb als Siebter an den Europapokalplätzen dran. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Bayern mit großen Verletzungssorgen

Flick hat aktuell mit großen Personalsorgen zu kämpfen, gegen Union standen neun Spieler nicht zur Verfügung - allen voran Toptorjäger Robert Lewandowski (Bänderdehnung im Knie). Daher schickte der Bayern-Coach im Vergleich zum 2:3 gegen Paris Saint-Germain in der Champions League gleich sechs Neue - darunter die Startelf-Debütanten Josip Stanisic und Tiago Dantas - auf den Rasen.

Ungeachtet der XXL-Rotation übernahmen die Bayern wie gewohnt die Spielkontrolle. Vor allem Youngster Musiala trieb das Offensivspiel immer wieder an - Großchancen waren allerdings Mangelware. Musiala (2. und 22.) sowie Eric Maxim Choupo-Moting und Thomas Müller (17.), die beide an Union-Keeper Andreas Luthe scheiterten, sorgten zumindest für Torgefahr.

Die Eisernen, die beim 1:1 im Hinspiel sogar an einem Sieg schnupperten, präsentierten sich in der Defensive kompakt und wurden im Angriff dann auch etwas mutiger. Marius Bülter brachte in aussichtsreicher Position allerdings keinen Druck hinter den Ball, Manuel Neuer packte sicher zu (23.).

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Coman muss angeschlagen ausgewechselt werden

In einer insgesamt chancenarmen Partie sorgte Kingsley Coman nach gut einer halben Stunde für einen Schreckmoment, als er eine Verletzung am linken Bein andeutete und sich auf den Rasen setzte. Nach kurzer Behandlung am linken Knie konnte der Franzose die Partie zunächst fortsetzen, blieb zur Pause aber in der Kabine. Leroy Sané ersetzte ihn.

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich zunächst ein ähnliches Bild, die Bayern dominierten, aber Union setzte die gefährlicheren Nadelstiche. Max Kruse setzte eine Direktabnahme neben den Kasten (57.). Auf der anderen Seite flog ein leicht abgefälschter Schuss von Sané über das Tor (65.). Kurz darauf feierte in Christopher Scott der nächste Bayern-Youngster sein Bundesligadebüt, der Offensivspieler ersetzte Dantas (66.).

Union kontert Musialas Geniestreich

Dann hatte Musiala seinen großen Auftritt. Nach einem Freistoß von Joshua Kimmich aus dem Halbfeld klärte die Union-Defensive nur unzureichend. Thomas Müller behauptete die Kugel mit dem Rücken zum Tor gegen Marvin Friedrich, spitzelte den Ball dann zu Musiala, der in zentraler Position drei Unioner austanzte und an Andreas Luthe vorbei zur Führung einnetzte.

Kurz darauf bekam Musiala in einem Zweikampf einen Schlag auf den Oberschenkel ab, Flick nahm ihn sicherheitshalber vom Feld und brachte Tanguy Nianzou, der nach langer Verletzungspause sein zweites Bundesligaspiel bestritt.

In der Schlussphase erhöhte Union nochmals den Druck und wurde durch Ingavartsens Ausgleich (85.) belohnt.

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